Straftaten an Krankenhäusern: Beleidigungen sind im Antonius-Hospital an der Tagesordnung

Straftaten an Krankenhäusern : Beleidigungen sind im Antonius-Hospital an der Tagesordnung

Die Zahl klingt erschreckend: Mehr als 10.000 Straftaten gab es nach Mitteilung des Landeskriminalamtes im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalens Krankenhäusern. Mehr denn je. Und Hospitalmitarbeiter müssen nicht nur Beleidigungen erdulden, sie werden immer öfter auch Opfer körperlicher Übergriffe.

Die Fallzahlen stiegen im vergangenen Jahr um zwölf Prozent auf 915 registrierte Fälle. Aggressivität und Gewaltbereitschaft steigen. Allerdings: Die Äußerung von Arnulf Cosler, pflegerischer Leiter der Zentralambulanz im Stolberger Bethlehem-Krankenhaus, es sei „für jeden einzelnen Mitarbeiter gefährlicher geworden“, kann Elmar Wagenbach nicht nachvollziehen.

Gefährlich? Nein!

„Wir stellen eine allgemeine gesellschaftliche Verrohung fest, die sich natürlich auch hier widerspiegelt“, sagt der Geschäftsführer des Eschweiler St.-Antonius-Hospitals. „Toleranz, Anstand und Freundlichkeit bleiben häufig auf der Strecke.“ Das Arbeiten sei dadurch für viele manchmal unangenehmer geworden. „Aber gefährlich? Nein!“

Das unterstreichen auch Schwester Cidalia und Samira Haschke, die in der Chirurgischen Notaufnahme Dienst tun. Hier konzentriert sich ein Großteil der Aggression von Patienten und Besuchern gegenüber dem Hospitalpersonal. Wartezeiten, Unsicherheit, Angst, Alkohol: Da kommt es immer mal wieder zu Ausrastern. Die Mitarbeiter wissen damit umzugehen: Das Hospital veranstaltet für sie regelmäßig Kommunikations- und Deeskalationstrainings.

Und seit dem Frühjahr gibt es hier eine Notruftaste, über die Hilfe angefordert werden kann. Kollegen. Und notfalls auch die Polizei. Wie häufig haben die Schwestern die bisher nutzen müssen? „Noch gar nicht.“ Und: „Wenn hier nachts alkoholisierte Patienten eingeliefert werden, bei denen Randale zu befürchten ist, bleiben die Männer der Feuerwehr immer dabei, bis der Arzt übernimmt“, lobt Schwester Cidalia die Männer aus en Rettungswagen.

Setzt unter anderem auf Deeskalationstraining seiner Mitarbeiter: Hospital-Geschäftsführer Elmar Wagenbach. Foto: Rudolf Müller

Verbale Angriffe gibt es häufig, muss Wagenbach feststellen. Vor allem abends und nachts. Zu Androhung von Gewalt und körperlich aggressivem Auftreten komme es ebenfalls ab und an. Zu wirklicher körperlicher Gewalt aber selten. „Körperliche Angriffe gab es aber früher auch — da ist bei uns kein Anstieg festzustellen“, konstatiert Wagenbach.

Das Hospital beugt vor — nicht nur mit Notruftaste und Verhaltensschulungen für seine Mitarbeiter. In relevanten Bereichen mit vielen „Patientenbewegungen“ — Wartezonen, Notfallzentrum — Rettungswagenhalle — wurde die Videoüberwachung intensiviert. Mit doppelt positivem Effekt: „In der Wartezone unseres Anmeldebereich gibt es zum Beispiel immer wieder Jungs, die mit ihrem Feuerzeug austesten müssen, ob die Tischplatten brennbar sind. Sind sie übrigens nicht“, sagt Elmar Wagenbach. „Und andererseits sehen unsere Mitarbeiter auch, ob jemand zum Beispiel mit unserem automatisierten Anmeldesystem nicht zurecht kommt, und können helfen.“

Wer sich gründlich danebenbenimmt, gegen den kann jeder Hospitalmitarbeiter ein Hausverbot verhängen. Wem das immer noch nicht reicht, der muss mit einer Strafanzeige wegen Haufriedensbruchs rechnen. „Ein Hausverbot bedeutet natürlich nicht, dass der- oder diejenige im akuten Notfall nicht behandelt wird“, betont Elmar Wagenbach.

„Grundsätzlich plädiere ich dafür, den Menschen mit Verständnis zu begegnen“, so der Hospitalchef. „Die Leute sind oft in einer Ausnahmesituation, haben Angst, wissen nicht, was passiert, wie es mit ihnen oder ihren Angehörigen weitergeht. Da rasten manche aus und beleidigen und attackieren diejenigen, von denen sie eigentlich Hilfe erwarten.“ Die Hospitalmitarbeiter werden geschult, sich in die Situation des anderen hineinzuversetzen, der Aggressivität mit Freundlichkeit die Spitze zu nehmen.

Safes gegen Diebstahl

Nicht nur verbale und körperliche Gewalt sind Thema in Deutschlands Krankenhäusern. Seit jeher machen auch Diebstähle Patienten und Personal zu schaffen. Im St.-Antonius-Hospital hat man deshalb Safes für Wertsachen in allen Patientenzimmern installiert. Und die Mitarbeiter verfügen über abschließbare Spinde. Aber auch die sind schon aufgebrochen worden.

Dennoch: „Bei jährlich 20.000 stationären und 45.000 ambulanten Patienten plus zigtausenden Besuchern“, so Elmar Wagenbach, „spielt sich Kriminalität bei uns im Promillebereich ab.“

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