Eschweiler: Bei jeder Geburt ist da diese Anspannung

Eschweiler: Bei jeder Geburt ist da diese Anspannung

Den grünen Filzhut tief ins Gesicht gezogen beobachtet der Mann mit den schneeweißen Haaren und den blauen Augen seine Tiere. Wieder steht eine Geburt kurz bevor. Zuerst sind nur die Vorderfüße zu sehen. Allmählich kommt auch der Kopf zum Vorschein, und dann ist es auch schon da.

Das Lamm lebt, und es scheint gesund zu sein. Die Mutter leckt es ab, und schon nach wenigen Minuten steht das Tier auf wackeligen Beinen und blökt. Peter Bartz kann wieder einmal aufatmen, auch dieses Tier ist nicht am sogenannten Schmallenberg-Virus erkrankt.

Missbildungen

Der Schäfer aus Eicherscheid in der Eifel ist mit seiner Herde zurzeit in der Nähe von Hastenrath unterwegs. Seit Bartz von dem Schmallenberg-Virus gehört hat, ist er jedesmal angespannt, wenn sich neues Leben auf der Weide ankündigt, denn das Virus führt bei Föten zu Missbildungen, die oft so schwer sind, dass die Jungen tot geboren werden.

Übertragen wird es durch Stechmücken. In der Region gibt es bislang mindestens sechs Verdachtsfälle. Es ist mit weiteren Fällen zu rechnen, da nun Ablamm-Saison ist - die Zeit, in der die meisten Schafe geboren werden.

Seit Weihnachten haben Bartz Schafe mehr als 300 Lämmer zur Welt gebracht. Sieben bis acht sind es im Schnitt, die täglich in seiner Herde geboren werden. In der Regel lässt er seine Schafe alleine lammen und beobachtet das Geschehen aus der Ferne.

Er greift nur ein, wenn die Mutter Schwierigkeiten hat, etwa wenn das Lamm falsch liegt. Die Beobachtungs-Distanz ist in den vergangenen Tagen kleiner geworden. Bartz schaut nun bei jeder Geburt etwas genauer hin. Immer ist da diese Angst, dass das Tier missgestaltet oder tot auf die Welt kommen könnte. Als er von der Krankheit erfuhr, erinnerte ihn die Situation gleich an die Blauzungenkrankheit, die auch durch Stechmücken übertragen wird, und an der im Jahr 2006 viele Schafe eingingen.

Bartz hatte damals Glück, und seine Tiere blieben von der Krankheit verschont. Auch diesmal scheint der Schäfer Glück zu haben, bislang sind alle seine Lämmer gesund auf die Welt gekommen.

Im Sommer hat Bartz seine Schafe mit einem Mittel gegen Zecken, Läuse und Milben gebadet. Er glaubt, dass diese Prozedur seine Tiere vor Mückenstichen geschützt haben könnte. Bartz Schafe sind das ganze Jahr über draußen.

Seit den Erfahrungen mit der Blauzungenkrankheit bringt der Schäfer sie zum Schlafen gerne an eine Stelle, an der etwas Wind weht. „Das gefällt den Mücken nicht”, sagt Bartz. Zu kalt wird es den Tieren draußen nicht. „Die tragen doch eine dicke Felljacke.”

Noch kein Impfstoff

Rinder, Schafe und Ziegen mit Präparaten zu behandeln, die Insekten abhalten, hält auch Dr. Johannes Hörmeyer vom Veterinäramt der Städteregion für sinnvoll. Ansonsten gibt es aber nicht viel, was er den Tierhaltern raten könnte. Dafür ist der Erreger noch zu unbekannt. Einen Impfstoff gibt es noch nicht.

Die beiden Mitte Januar in der Region entdeckten Verdachtsfälle wurden zum Veterinäruntersuchungsamt nach Krefeld geschickt. Die Ergebnisse der Untersuchungen liegen nun vor. Der Befund war negativ. Die Ablamm-Saison dauert noch bis März.

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