Eschweiler/Stolberg: Bahnübergang Langwahn: Kampf um Sekunden an der Schranke

Eschweiler/Stolberg: Bahnübergang Langwahn: Kampf um Sekunden an der Schranke

In der Stolberger Rhenaniastraße, hinter der historischen Fassade des dortigen Hauptbahnhofs, werden die Weichen für die Zukunft der Euregiobahn gestellt. Dort befindet sich der Sitz der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS), des Unternehmens also, das die Strecken für die Euregiobahn baut und betreibt. Aktuell steht der Ringschluss zwischen Stolberg und Alsdorf ebenso oben auf der Agenda der Planer wie die mögliche Umstellung der Züge auf Stromantrieb.

Und eben der Bahnübergang Langwahn und die damit verbundenen Wartezeiten für Autofahrer und Fußgänger.

Klemmen und Drähte immer im Blick: Udo Scheller schaut im Schaltraum nach dem Rechten.

Die Zeit zwischen dem Fall der Schranke und dem Öffnen des Übergangs kann schon mal über drei Minuten betragen. Steigen am Talbahnhof viele Passagiere zu, verlängert sich das Warten an der rot-weißen Barke.

Das EVS-Schienennetz auf mehreren Monitoren: Fahrdienstleiter Guido Hagel regelt die Züge im modernen Leitstand.

Was die Autofahrer nicht wissen: Will ein Rollstuhlfahrer in den Zug, dann muss zunächst eine Rampe geholt werden. Auch das kostet Zeit. Die der ausharrenden Autoschlange und auch die der Euregiobahn, die einen klaren Plan einzuhalten hat.

Die Geschäftsführer der EVS, Christian Hartrampf und Thomas Fürpeil, beschäftigen sich schon seit längerer Zeit mit dem Problem: „Wir nehmen die Sorgen der Menschen sehr ernst“, sagt Hartrampf. Der Teufel steckt aber im Detail. Im derzeitigen Ausbaustand senken sich alle Schranken in der Innenstadt, wenn der Zug Richtung Stolberg die Dalli-Bunker an der Südstraße erreicht.

Dann schließen parallel vier Übergänge. Und mittendrin an der Strecke befindet sich der Talbahnhof. Bei den Planungen müssen viele Aspekte berücksichtigt werden: Zuggeschwindigkeiten, Bremspunkte, Haltestellen, Anschlusszeiten und vieles mehr.

Mit dem Bau des Kreisverkehrs an der Einmündung der Talstraße auf die Röthgener Straße soll nun alles nochmal auf den Prüfstand. Thomas Fürpeil warnt jedoch vor zu großen Erwartungen: „Wir können nicht sagen, dass sich die Schließzeiten in Zukunft verkürzen werden.“

Aktuell wird das PT1-Gutachten (Plan-Teil 1) erstellt. Im kommenden Sommer, so hoffen die beiden EVS-Geschäftsführer, könne man mehr sagen. Dann soll die Vereinbarung zwischen Stadt Eschweiler, Städteregion und EVS unterzeichnet werden. Diese regelt auch den Bau des Kreisverkehrs und wer sich in welcher Höhe an den Kosten beteiligt.

Sicherheit genieße neben der Wirtschaftlichkeit eine sehr hohe Priorität, betont Hartrampf. Dazu gehöre auch das Bedürfnis der Menschen, dass schnell ein Rettungswagen oder ein Löschfahrzeug an einen Einsatzort gelange. Die derzeitigen Sicherheitsanforderungen verlangen aber eben auch, dass die Schranke am Langwahn länger schließen muss.

Verspätungen sichtbar

Wie viele Sekunden genau, kann man im Stellwerk im Stolberger Bahnhof genau erkennen. In den beiden klimatisierten Räumen sehen die EVS-Mitarbeiter an den Monitoren, wo sich jeder Zug befindet.

Zur Sicherheit sind Kameras an den Strecken und Haltepunkten installiert, was allerdings immer noch nicht vor Vandalismus bewahrt. „Es ist schon vorgekommen, dass manche Täter sogar in die Kamera schauen, bevor sie eine Bank zerstören“, berichtet Hartrampf.

In Stolberg und in Langerwehe gibt es Schnittstellen mit der DB-Netz, also der Deutschen Bahn und deren Fahrplänen. Als am 12. Juni 2001 der erste Zug über die Schienen der EVS rollte, war die Entwicklung noch nicht absehbar. Inzwischen umfasst das EVS-Netz etwa 40 Streckenkilometer mit über 40 Haltepunkten. Das erfordert eine ausgeklügelte Technik, die im Bahnhofsgebäude Stolbergs installiert wurde.

Die Investition rechnet sich, denn das dortige Stellwerk ersetzt die ursprünglich sieben im gesamten Netz. Rund um die Uhr sitzen Fahrdienstleiter dort und werfen ein Auge auf die Gleisabschnitte. Die Frühschicht ist mit zwei Personen besetzt.

Wer eine Bahnstrecke plant und regelt, muss also vieles beachten. Bei allem Verständnis für die Verärgerung der Anwohner, bittet Hartrampf deswegen um Geduld: „Wir haben die Probleme in Röhe und in Nothberg gelöst.

Wir werden auch am Langwahn gemeinsam einen Weg finden“, sagt er. Gemeinsam, das sind in diesem Fall die Städteregion, die Stadt Eschweiler und eben die EVS. Trotz der kritischen Töne aus dem Eschweiler Rathaus unterstreichen die beiden EVS-Geschäftsführer die gute Zusammenarbeit mit den Kommunen und Gremien.

„Natürlich wird intern Klartext geredet, aber am Ende kommt immer eine Lösung heraus“, sagt Hartrampf. Im Falle des Langwahns heißt das Credo: Man arbeite daran.

Hinweis: In einer ersten Fassung des Artikels war fälschlicherweise von der „Deutschen Bundesbahn“ die Rede. Tatsächlich heißt das Unternehmen Deutsche Bahn. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.