Bäume an der Bahn als "verkehrsgefährdend" gefällt

Lärm- und Sichtschutz beseitigt : Bahn bringt Bürger mit Baum-Kahlschlag auf die Palme

Es war einmal... ein bewaldeter Hang. Besser gesagt; zwei. Die schirmten die Bahnstrecke von der lärmgeplagten Nachbarschaft ab. Und sahen zudem in den Augen der Anwohner attraktiver aus als öde Gleise und vorbeirauschende Züge. Damit ist es jetzt vorbei.

Die Anwohner des Tunnelwegs, ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs, wurden davon überrascht, dass im Grün an ihrem Straßenrand die Motorsägen wüteten. Zahlreichen ausgewachsenen Bäumen, deren Anblick den Menschen hier lieb geworden war, wurde der Garaus gemacht. Bis zu 20 „augenscheinlich gesunde Bäume wurden hier in einer ,Nacht- und Nebelaktion’ gefällt, wie sich Anwohner Rolf Müller-Wondorf beschwert.

Müller-Wondorf wandte sich an die Stadt: „Unabhängig von dem großen ökologischen Schaden, der dadurch entstanden ist, wurde den Anwohnern durch diese unsägliche Aktion auch der letzte Schall- und Sichtschutz in Richtung der Bahntrasse genommen“, kritisiert er, unterstützt von weiteren Anwohnern. „Vor diesem Hintergrund war diese Maßnahme ganz sicher nicht im Sinne der Eschweiler Bürgerschaft.“

Allerdings: Die Stadt ist hier gar nicht zuständig. Der Steilhang, auf dem die Bäume standen, ist Eigentum der Bahn. Und da greift auch die Eschweiler Baumschutzsatzung nicht. Die Stadt war über die Pläne der Bahn nicht informiert, erfuhr erst im Nachhinein durch die Anwohner von dem Kahlschlag.

Der, so betont die Bahn auf Nachfrage, hat nichts mit den Arbeiten am angrenzenden Hauptbahnhof zu tun. Stadtsprecher René Costantin: „Der zuständige Forstwirt der Bahn hat nach Angaben der DB die Bäume begutachtet und festgestellt, dass alle abgängig sind und eine Verkehrsgefährdung darstellen. Die DB war nicht verpflichtet, uns darüber in Kenntnis zu setzen.“

Ob der Hang entlang der Bahntrasse so kahl bleiben soll, wie er sich derzeit präsentiert, ist noch unklar. Die Anwohner setzen auf Wiederaufforstung. Und fordern dabei - falls die Bahn keine Neuanpflanzungen plant - auch die politische Unterstützung der Stadt ein.

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