Eschweiler: Autos in Fußgängerzone? Das würde teuer!

Eschweiler : Autos in Fußgängerzone? Das würde teuer!

Droht Eschweilers Innenstadt die Verödung? Sorgt der wachsende Onlinehandel für immer mehr Leerstände in der City? Zwar ist Eschweiler noch weit entfernt von Zuständen, wie sie beispielsweise das Stolberger Stadtbild prägen, doch Anlass zur Sorge gibt es genug.

„Während Leerstände in der Neustraße kaum ein Thema sind, dort siedeln sich mehr und mehr Dienstleister an, finden sich Leerstände inzwischen gehäuft in der Grabenstraße, unserer Haupteinkaufsstraße“, sagt Klaus-Dieter Bartholomy, langjähriger Vorsitzender des Citymanagementvereins. „Und gerade das macht mir Sorgen.“

Was tun? Die CDU-Fraktion kann sich vorstellen, durch die Freigabe bisheriger Fußgängerbereiche für den Autoverkehr neues Leben in die Einkaufsstraßen zu bringen. Eine Idee, die allerdings mehr als nur einen Haken hat: Die Fußgängerzone wurde erst vor wenigen Jahren mit Städtebaumitteln umgestaltet. Sollten dort künftig wieder Autos rollen, müsste die Stadt damit rechnen, erhebliche Summen zurückzahlen zu müssen. Und für die vor einer Verkehrsfreigabe nötigen Umgestaltungsmaßnahmen sähe die Stadt keinen Cent an Fördermitteln. Die Zweckbindungsfristen, nach deren Ablauf eine Rückzahlung von Fördermitteln nicht mehr gefordert werden kann, laufen erst ab 2025 aus.

Leerflächenmanagement

„Die Öffnung für den Verkehr wäre ein Schuss, der nach hinten losgeht“, so Eschweilers Technischer Beigeordneter Hermann Gödde am Donnerstagabend im Planungs-, Umwelt- und Bauausschuss. Nicht nur in finanzieller Hinsicht: „Es gibt etliche Städte, die mit der Verkehrsfreigabe alles andere als eine Verbesserung erreicht haben.“

Das Problem des Leerstandes in der Eschweiler Innenstadt, so betont die Verwaltung in ihrer Vorlage für den Ausschuss, „kann nachhaltig nicht durch die Öffnung der Fußgängerzone gelöst werden. Wichtig für eine langfristige Attraktivierung des Handelsstandortes ist die Einrichtung eines Managements zur Innenstadtentwicklung, um die Zusammenarbeit mit den vielen unterschiedlichen lokalen Akteuren dauerhaft zu organisieren.“

Dass es bislang seitens der Stadt kein explizites Leerflächenmanagement gibt, wurde auch seitens der Kommunalpolitiker kritisiert. Gödde allerdings betont, dass die Verwaltung sich auch heute schon einzuschalten versuche: „Eigentümern klarzumachen, dass es Sinn macht, aus drei leeren, nebeneinander liegenden kleinen Läden einen großen zu machen, ist gar nicht so einfach.“

Die SPD forderte innovative Ideen für die Nutzung leerer Ladenlokale: „Shared Workspaces“ zum Beispiel, so Fraktionsvorsitzende Nadine Leonhardt. Dort arbeiten Freiberufler, Kreative und kleinere Start-ups zugleich, oft zeitlich befristet, in offenen Räumen und können so voneinander profitieren.

Auch für die CDU ist Autoverkehr in den Einkaufsstraßen nicht das unbedingte Allheilmittel. „Wir haben nie der grundsätzlichen Problematik der Fußgängerzone mit der Öffnung für den Verkehr begegnen wollen“, betont Stadtverbandsvorsitzender Thomas Schlenter. Wir wollten lediglich eine grundsätzliche Diskussion anstoßen und nichts von vornherein ausschließen.“

Dass etwas geschehen sollte, sieht auch Linke-Vertreter Albert Borchert so: „Wir sollten auf jeden fall die Diskussion darüber führen, wie wir die Innenstadt attraktiver gestalten können. Wir sollten Gespräche mit Geschäftsleuten und Bürgern führen und Workshops einrichten.“ Er persönlich vermisse zum Beispiel in der Neustraße eine gewisse Aufenthaltsqualität: „Man huscht da einfach durch.“ Borchert: „Keiner von uns wird eine Patentlösung haben. Aber so weitergehen kann es nicht. Die Kannibalisierung durch den Onlinehandel wird sich verschlimmern.“

Das unterstreichen auch Zahlen, die die Verwaltung vorlegte. Nach einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung sowie des Handelsverbands Deutschland werden in Deutschland bis 2020 rund 50.000 Geschäfte vom Markt verschwinden — rund zehn Prozent des derzeitigen Angebots. Vor allem seien dies Sportartikelhändler, Spielwarenläden, Boutiquen und Elektronikgeschäfte. Betroffen sei vor allem der inhabergeführte Fachhandel, der bei den neuen technischen Entwicklungen kaum mithalten könne und nur selten die Kapazitäten und Fachkenntnisse habe, Strategien zu entwickeln, um seine potenziellen Kunden auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen zu erreichen.

Jetzt allerdings sich des Problems in Arbeitskreisen oder Workshops anzunehmen, hält die SPD für „Aktionismus“. Christian Braune von der FDP sieht das anders: „Wir sollten jetzt Fachleute hinzuziehen und alle Möglichkeiten ausloten. Wir stehen im Wettbewerb zu anderen Städten — auch Stolberg und Düren prüfen derzeit ihre Möglichkeiten. Also: die besten Köpfe ranholen!“

Bis auf weiteres setzt die Stadt auf ihre eigenen Möglichkeiten: An der Schnittstelle zwischen Handel, Immobilienbesitzern, Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing, so heißt es aus dem Rathaus, wurde bei der Verwaltung eine Stelle eingerichtet, die Planungen und Konzepte vorantreibt und koordiniert und den von Ehrenamtlern getragenen Citymanagementverein professionell unterstützt. „Die Wirtschaftsförderung“, so betont die Stadt, „wird zukünftig mit Ideen und Hilfestellungen eine enge Begleitung anbieten.“

Mehr von Aachener Nachrichten