Eschweiler: Autor Tilman Röhrig liest in der Realschule Patternho

Eschweiler: Autor Tilman Röhrig liest in der Realschule Patternho

Mucksmäuschenstill ist es im Klassenraum der 10. Jahrgangsstufe der Realschule Patternhof. Gebannt verfolgen die Schüler die Worte, Gesten und die Mimik von Tilman Röhrig. Der Autor liest aus seinem Roman „In 300 Jahren vielleicht“.

In diesem schildert es die schrecklichen Erlebnisse der Bewohner des erfundenen Dorfes Eggebusch während des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648) im 17. Jahrhundert. Für den Roman erhielt Tilman Röhrig im Jahr 1984 den Deutschen Jugendliteraturpreis.

Der Schriftsteller nutzt während seiner Lesung seine schauspielerische Ausbildung, um die jungen Zuhörer möglichst realistisch in eine Welt zu entführen, die ihnen vollkommen fremd ist. „In Deutschland haben wir nun seit 68 Jahren Frieden. Das hat es zuvor in der deutschen Geschichte noch nie gegeben“, macht Tilman Röhrig auf eine Tatsache aufmerksam, die gerade für viele junge Menschen heutzutage zwar selbstverständlich erscheint, aber keinesfalls selbstverständlich ist.

Warum er ein so trauriges Buch geschrieben habe, möchte eine Schülerin wissen. „Weil es über Krieg nichts Gutes, und erst recht nichts Lustiges zu sagen gibt“, lautet die Antwort. „Auch ich finde das Buch grausam, dabei beschreibe ich auf lediglich fünf Seiten Gewalt. Ansonsten stehen die Konsequenzen der Gewalt im Vordergrund. Und genau dies macht das Buch, das ein Aufruf sein soll, sich für den Frieden einzusetzen, so schrecklich“, blickt Tilman Röhrig auf seine Erzählung, die er vor drei Jahrzehnten verfasste.

Gebannt hörten die Schüler der Realschule Patternhof zu, als Autor Tilman Röhrig aus seinem Buch „Thoms Bericht“ las. Foto: Andreas Röchter

Aber warum ein Krieg, der so lange zurückliegt? „Weil im Hinblick auf den 30-jährigen Krieg nicht mehr diskutiert wird, wer woran Schuld war. Stattdessen steht allein das Leid der Menschen im Vordergrund. Dabei dient das fiktive Dorf Eggebusch als Beispiel für jeden Ort in jedem Krieg“, begründet der 68-Jährige seinen Entscheidung, weit zurückzuschauen.

Einen Blick auf seine eigene, wenig erfreuliche Kindheitsgeschichte wirft Tilman Röhrig in seinem stark autobiographisch geprägten Jugendbuch „Thoms Bericht“, das im Jahr 1973 erschien und nach dessen Erfolg er sich entschloss, als freier Schriftsteller zu arbeiten. Dieses Werk steht im Blickpunkt, als er die integrative Lerngruppe der 5. Jahrgangsstufe besucht.

Autor von Peter Lustigs Sätze

Doch zunächst löchern ihn die Schüler mit Fragen. Wie viele und welche Bücher er denn sonst noch so geschrieben habe? „Insgesamt habe ich bisher 42 Bücher und 56 Drehbücher verfasst.“ Der Behauptung Tilman Röhrigs, dass wohl die meisten Schüler schon mal etwas von ihm gesehen hätten, schenken diese zunächst keinen Glauben. Als der Autor dann aber das Stichwort „Löwenzahn“ fallen lässt, fällt bei vielen der Groschen. „Vieles, was Peter Lustig sagt, hat sich nicht er, sondern habe ich mir ausgedacht“, macht Tilman Röhrig seinen staunenden Zuhörern klar. Und Schreibfehler? „Das Leben ist ungerecht. In der Schule wurden meine und werden eure Fehler angestrichen. Heute darf ich aber so viele Fehler machen, wie ich will. In meinem Verlag ist extra jemand angestellt, der meine Rechtschreibfehler stillschweigend korrigiert“, überrascht der Autor die Kinder erneut.

Dann greift Tilman Röhrig zu „Thoms Bericht“ und schlägt die erste Seite auf. „Es ist die Geschichte eines 14-Jährigen, der etwas tut, was für seinen Vater und ihn schlimm ist, um seinem Vater zu zeigen, dass es ihn gibt.“

Ein besonderer Schultag für die jüngsten und ältesten Schüler der Realschule Patternhof, wie auch Schulleiterin Michaela Silbernagel und Konrektor Günther Busch unterstreichen. Bis zum nächsten Besuch wird der Schriftsteller weitere Werke vorantreiben. Sieben Tage in der Woche.

(ran)