Ausstellung „Paradise“: Rau und hügelig oder ruhig und märchenhaft?

Ausstellung „Paradise“ : Rau und hügelig oder ruhig und märchenhaft?

„Paradise“ – das Paradies ist seit vielen Jahrhunderten ein wiederkehrendes Motiv in der bildenden Kunst. Es steht für Natur pur, für Frieden zwischen Tier und Mensch sowie Mensch und Natur. In der Vorstellung vom Paradies gibt es Nahrung im Überfluss, und der Mensch verfügt darüber ohne Müh und Not – die Natur präsentiert quasi die zum Leben erforderlichen Mittel auf dem „goldenen“ Teller.

Unter dem Titel „Paradise“ ist ab Sonntag, 17. März, eine Ausstellung in der Galerie Art Engert an der Wilhelmstraße 73g zu sehen. Die Vernissage beginnt um 17 Uhr. Ihre Werke zeigen Zipora Rafaelov (Cutouts), Bernhard Kucken (Skulpturen), Happy Dannenberg (Objekte) und Ansgar Skiba (Gemälde, Zeichnungen).

Die bildende Kunst hat seit ihrem Anbeginn über die Jahrhunderte hin das Paradies dargestellt, so wie sein Bild sich in der Vorstellung des Menschen entwickelt hat. In der Moderne ist das Bild vom Paradies mehr und mehr verblasst und zerfleddert. Der religiöse Hintergrund ist verschwunden, ein schwer definierbares Gefühl des Verlustes  der Harmonie und des Friedens mit der Natur hat sich verstetigt.

Im ersten Teil der mehrstufigen  Ausstellung präsentieren die vier Künstler ihre völlig unterschiedlichen Vorstellungen von Sehnsucht nach Harmonie in der Natur, aber auch von der Mühsal des modernen Lebens. Die Sehnsucht des modernen Menschen nach der ungestörten, harmonischen Natur manifestiert sich in den Gemälden von Ansgar Skiba auf eine direkte, handfeste und farbstarke Weise. Skibas Farben wirken wie ein Schrei nach Unverfälschtheit. Viel Farbe, starke Kontraste, rau und hügelig – so wie die Natur.

Skiba nimmt keine Rücksicht auf die Kunstrichtungen der Moderne, er strebt keinen Applaus der Realisten an. Die Natur ist für Ansgar Skiba ein Zufluchtsort, ein Ort der Versenkung und Selbstfindung: „Die Hingabe zur Natur kann man bei mir nicht hoch genug einschätzen. Schon als Kind war sie mir Trost, seelischer Ausgleich und Inspirationsquelle zugleich und bildet bis heute den motivischen Schwerpunkt meiner Malerei“, so der Künstler, der 1959 in Dresden geboren wurde, dort und in Düsseldorf Kunst studierte und mit seinen Arbeiten in namhaften Sammlungen im Inn- und Ausland vertreten ist.

Jedes Bild eine Geschichte

In einer ganz anderen Weise zeigt Zipora Rafaelov das Paradies in ihren Arbeiten. Die Künstlerin hat nach einem Studium des Journalismus zunächst am Institut für Schöne Künste in Bat-Yam in Israel Kunst studiert und während der 80er Jahre an der Kunstakademie Düsseldorf ihre Ausbildung abgeschlossen. Sie bedient sich der Technik des Scherenschnitts, um in schwarzen, weißen und manchmal auch pastellfarbenen Schnitten ihre Art Paradies zu zeigen.

Die besondere Faszination ihrer räumlichen Zeichnungen liegt nicht zuletzt in der Ambivalenz ihrer Linien, mitunter ist die Negativform wichtiger als die stehen gelassene Linie.  Die Linien sind so ineinander verwoben, dass die eingearbeiteten Figuren erst nach dem zweiten oder dritten oder manchmal nur nach intensivem Suchen zu erkennen sind.

Und jedes Bild erzählt eine Geschichte: meist die  einer Frau oder eines Liebespaares in märchenhafter Natur, umgeben von friedlichen, manchmal schmusenden Tieren, Blumen, Bäumen und rankenden Sträuchern. Die Phantasie des Betrachters wird herausgefordert. Die Werke von Zipora Rafaelov entfalten eine anhaltende Faszination – sie  sind zeitlos.

Wieder eine ganz andere Geschichte vom Paradies erzählt Bernhard Kucke. Der Bildhauer  wurde 1960 in Düsseldorf geboren, studierte Kunst in Neuss und arbeitet seit 1985 freischaffend in den Bereichen Bildhauerei, Malerei und Grafik. Seine Holzplastiken sind schlanke himmelwärts rankende Stelen, die aus in den Stamm geschnitzten Menschenleibern geformt werden. Menschlicher Körper steht auf menschlichem Körper, die sich sozusagen aufeinander abstützen.  Das Bild eines Gemenges an Menschen entsteht: Deder klammert sich an den anderen, ineinander verwoben geben sie den Eindruck von Untrennbarkeit und von irdischer Gebundenheit. Kuckens Kunst zeigt das Leben behaftet von der Erbsünde als Gestaltwerdungsprozess, der eben kein „Zuckerschlecken“ ist.

Ein kleines Stückchen vom Paradies lässt Ulrik Happy Dannenberg „schmecken“: In Pop-Art-Manier hat er zwei überdimensionale Lutscher geformt, die ein wenig Eisdielenatmosphäre unter das „Paradiesische“ bringen. Das „echte“ Paradies der Kinder neben den Symbolen des „Paradise Lost“, sie fremdeln auf den ersten Blick ein wenig, aber zu Disharmonien führt es nicht.

Die Ausstellung ist bis zum 8. Juni geöffnet, dienstags bis freitags von 14 bis 19 Uhr, samstags nach Vereinbarung.

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