Eschweiler: Aus Playstation-Piloten werden Bachlauf-Paten

Eschweiler: Aus Playstation-Piloten werden Bachlauf-Paten

Dass Wolfgang Scheilen Lebewesen mit besonderem Respekt begegnet, davon zeugt schon der Name seiner Tierhandlung: „St. Pet” hat er die genannt - heiliges Tier. Dort, in Weisweiler, verkauft er nicht nur Zierfische und anderes Getier, er hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, jungen Leuten ein Bewusstsein für die Wunder der Natur zu vermitteln.

In diesen Tagen tut er das fernab der heimischen Aquarien: im Auenland. In dem Freizeit- und Fortbildungsgelände am Waldrand bei Mulartshütte hat sich die Klasse M4 der Willi-Fährmann-Schule tatkräftig ins landesweite Projekt „Schulen ans Wasser” gestürzt. Mit Schulsozialarbeiterin Carolin Emonds-Seeger und Klassenlehrerin Brigitte Vonken-Möller erkunden hier bis zu 15 Jungs im alter von 12 bis 15 Jahren die nasse Seite von Mutter Natur, finden staunend heraus, was für höchst unterschiedliche Lebewesen sich im Bachlauf der Vicht tummeln. Köcherfliegen, Bachflohkrebse, Kaulquappen, Libellenlarven - für die meisten der Jungs bislang unbekannte Wesen. „Die hatten von nichts eine Ahnung”, unterstreicht Wolfgang Scheilen. „Die haben ihre ganze Freizeit bisher vor der Playstation verbracht.” Florian Leistner verteidigt sich: „Wo ich wohne, da ist keine Natur, da ist Industriegebiet.” Florian wohnt in Königsbenden - keine 50 Meter Luftlinie von den Indeauen entfernt...

Jetzt hier im Grünen zu forschen, das finden sie alle richtig „cool”. „Dabei hatten sie im Vorfeld überhaupt keine Lust zu diesem Projekt”, sagt Brigitte Vonken-Möller. Da hieß es „Ich geh nicht ins Wasser!” und „Ich heb keinen Müll auf!” Taten sie dann aber doch. Und waren stolz auf das Ergebnis: Säckeweise holten sie Abfall aus dem Bachlauf. Und wollen das auch weiterhin tun: Die Schule hat eine Patenschaft für den Bach im und ums Auenland übernommen. „Wir werden jetzt etwa alle sechs bis acht Wochen hier anrücken und aufräumen!”, verspricht Carolin Emonds-Seeger.

Beim zweiten Frühstück ziehen die Jungs eine erste persönliche Bilanz der zurückliegenden anderthalb Tage: „Mir hat die Natur sehr gefallen. War schon interessant, dass wir im Wasser so viele Lebewesen gefunden haben”, sagt Kilian Stollenwerk (13). Und Florian Diederich (13) findet es besonders spannend, dass er im Bachlauf einen menschlichen Unterarmknochen gefunden hat. Den Rest will er noch suchen. Arlind Drasgusha, ebenfalls 13, kann kaum fassen, was die Leute an Unrat in den Bach werfen.

Heute wollen die Jungs gemeinsam mit einem Mitarbeiter von Auenland-Leiter Zoran Medic einen Steg in den Bach bauen, von dem aus sie künftig Wasserproben nehmen können. Oder Libellen beobachten. „Nach deren Vorbild sind die Hubschrauber entwickelt worden”, erzählt Wolfgang Scheilen. „Was wiederum beweist, dass alles Leben seinen Ursprung im Wasser hat.”

Dessen Qualität ist von vielen Faktoren abhängig, erläutert Scheilen mit Hilfe einiger Experimente. So ganz verstanden haben das nicht alle: „Frau Seeger, was ist denn ein BH-Wert?!” Kurz darauf wusste der junge Mann, dass der ph-Wert die saure oder alkalische Reaktion einer wässrigen Lösung misst. Und dass Schnecken keinen Panzer tragen, sondern ein Gehäuse haben. „Wie - die haben Läuse?!”

Last not least dass Libellenlarven gern mal Kaulquappen fressen: „Voll korrekt, die Tiere!”