Eschweiler/Stolberg: Aus Camp Astrid wird Camp CO2-Zero

Eschweiler/Stolberg: Aus Camp Astrid wird Camp CO2-Zero

Mit dem Namen kann er sich nicht recht anfreunden. „Vielleicht fällt da ja jemandem mal was besseres ein”, hofft Bürgermeister Rudi Bertram. Von der Sache an sich aber ist er hellauf begeistert.

Und nicht nur er: „Camp CO2-Zero” - das dahinter stehende Konzept nachhaltiger Entwicklung von Gewerbe- und Forschungsflächen auf ehemaligem Militärgelände bei gleichzeitiger Schaffung und Erhaltung großzügiger Waldflächen (nicht nur) zu Naherholungszwecken stieß auch in Düsseldorf auf Beifall.

NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg zeichnete die Indestadt dafür jetzt mit dem begehrten „Eco Industrial Park”-Label aus. Neben Eschweiler können sich linksrheinisch bisher lediglich Hemer und Goch über dieses Prädikat freuen. Über das Netzwerk „Nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung in NRW” stehen den Kommunen nun eine Vielzahl von Kontakten und Erfahrungen zur Verfügung.

Gut ein Jahr ist es her, dass die Stadt Eschweiler gemeinsam mit Vertretern der RWTH und der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (AGIT) ihre Pläne für die Zukunft des einstigen belgischen Militärcamps Reine Astrid im Propsteier Wald erstmals an die Öffentlichkeit trug. Pläne, die mit der simplen Schaffung von Gewerbegebieten, wie sie allerorten betrieben werden, nichts gemein haben. Auf den bereits versiegelten Flächen der einstigen Kaserne sollen unter anderem regenerative Energien und ihre Anwendung - ob Geothermie oder Photovoltaik - erforscht und erprobt werden. Hier könnten auch Baustoffe wie Recyclingmaterialien und ihre möglichen Auswirkungen auf die Umwelt in natürlicher Umgebung erforscht werden. Energiegewinnung aus Biomasse, „ressourcenoptimiertes solares Bauen und Wohnen”, „stille” Windräder und ähnliches mehr sollen hier entwickelt werden.

Die Idee dazu hatten Professor Dr. Peter Doetsch und sein RWTH-Kollege Dipl.-Ing. Eberhard Büttgen, der als St. Jöriser die Möglichkeiten des Camps bestens kennt. Mit im Boot sind neben der Stadt, dem LFA (Lehr- und Forschungsgebiet Abfallwirtschaft) der RWTH Aachen und der AGIT inzwischen auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als bisherige Eigentümerin des 320 Hektar großen Gebietes und die Indeland-Gmbh. Letztere finanzierte im vergangenen Jahr auch die im September fertiggestellte Machbarkeitsstudie für das Projekt „Camp CO2-Zero”, das inzwischen auch Modellstandort im Interreg-Forschungsprojekt „SIS - Sustainable Industrial Sites” wurde.

Im Dezember gab die Stadt weitere Fachgutachten und Entwickungsschritte in Auftrag: Neben der Konzeption des Forschungsstandortes und der Entwicklung eines Tourismuskonzepts geht es da u.a. um ein inzwischen ebenfalls vorliegendes Rückbau- und Sanierungskonzept. Noch sind einige dicke Bretter zu bohren, ehe die ersten Forscher hier ihre Tätigkeit aufnehmen. Dabei stehen einige Firmen und Institutionen schon „Gewehr bei Fuß”, um im Zukunftscamp mitarbeiten zu können, wie der Technische Beigeordnete Hermann Gödde berichtet. In einem Camp, das Labor- und Fertigungsflächen für ausgewählte Forschungsprojekte von Hochschulen oder privaten Forschungsinstituten ebenso bietet wie ein Freiflächentestfeld zur Untersuchung von Anpasssungsstrategien an den Klimawandel.

Geplant ist auch die Ansiedlung kleiner und mittelständischer Unternehmen aus den Bereichen Regenerativer Energien und Umwelttechnik sowie die Einrichtung eines Bildungs- und Ausbildungszentrums für Schulen, Hochschulen, Handwerk, Gewerbe, Architekten, Fachplaner und andere mehr.

Im Mai/Juni soll die Entscheidung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben über den Verkauf der Fläche an die Stadt fallen. Schon im kommenden Jahr könnten dann Sanierung und Bau des neuen Camps beginnen. Professor Peter Doetsch: „Hier geht es nicht um das schnelle Ansiedeln prosperierender Gewerbesteuerzahler, sondern um die feinfühlige Entwicklung zukunftsträchtiger Aktivitäten.”