Reit- und Therapiezentrum: Auf dem Lohner Hof arbeiten Pferd und Mensch seit 20 Jahren im Einklang

Reit- und Therapiezentrum : Auf dem Lohner Hof arbeiten Pferd und Mensch seit 20 Jahren im Einklang

Die gemeinnützige Einrichtung Lohner Hof feiert am kommenden Wochenende Jubiläum. Leiterin Claudia Schönborn blickt auf 20 Jahre harte Arbeit, aber auch glückliche Klienten, von denen es 100 wöchentlich gibt, zurück. Doch die große Herausforderung der Finanzierung bleibt.

Als das Reit- und Therapiezentrum Lohner Hof gegründet wurde, begann alles als Ein-Mann-Unternehmen. Besser gesagt als Ein-Frau-Unternehmen, denn am Anfang gab es in der gemeinnützigen Einrichtung nur Claudia Schönborn mit Pferd Max. Das war vor 20 Jahren. Mittlerweile arbeiten 17 Beschäftigte und zehn Pferde auf dem Hof.

Richtig gelesen: Auch die Pferde arbeiten, denn sie sind allesamt ausgebildete Therapiepferde. Bis zu zweimal täglich werden sie eingesetzt, um Menschen mit und ohne Behinderung zu helfen. „Unsere Pferde leisten mindestens so viel wie ein Turnierpferd“, ist Leiterin Claudia Schönborn überzeugt. Es sei eine enorme psychische Belastung, sich immer wieder auf verschiedene Therapeuten und neue Klienten einzustellen.

Die Angebote im therapeutischen Reiten haben Schönborn und ihr Team in den vergangenen Jahren nämlich stetig ausgebaut. Mittlerweile bieten sie heilpädagogische Förderung, Hippotherapie, Behindertensport, pferdegestütztes Coaching und tiergestützte Therapie an. Sieben qualifizierte Therapeuten betreuen rund 100 Klienten pro Woche. Die Pferde werden mehrere Jahre ausgebildet und langsam an die Therapie herangeführt.

„Generell darf ein Therapiepferd keine schlechten Erfahrungen mit Menschen gemacht haben und sollte eine gewisse Neugier mitbringen“, erklärt Schönborn die Anforderungen. Sie müssten aber im Kopf und Herz Pferd bleiben. Zum Ausgleich gibt es dann spielerische Elemente wie Zirkuslektionen und Ausritte.

Eine große Herausforderung sieht Schönborn darin, fähige, ausgebildete und qualifizierte Therapeuten zu finden. Aber auch die Finanzierung der gemeinnützigen Einrichtung bereitet den Verantwortlichen oft Kopfzerbrechen. Viele Therapien werden aus Spenden finanziert, richtige Kostenträger fehlen. „Die Leistung für die Klienten zahlt keine Krankenkasse und kein Sozialamt, aber die pferdegestützte Therapie sollte keine Elitetherapie sein“, kritisiert Schönborn.

Das Problem sei, dass die Art der Therapie in Deutschland noch nicht als therapeutische Maßnahme anerkannt werde. „Das therapeutische Reiten bewirkt positive Effekte, aber es fehlen wissenschaftliche Studien“, sagt Schönborn. Sie wolle mit ihrem Team weiter an der Qualität arbeiten, damit sich irgendwann Kostenträger finden, die die gute Arbeit refinanzieren.

Heinz Brosig und Claudia Schönborn blicken auf 20 Jahre Lohner Hof zurück. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Das oftmals knapp bemessene Geld zeigt sich auch in der baulichen Situation. Der Hof war lange Jahre nur gepachtet, bevor das Reit- und Therapiezentrum ihn 2016 kaufen konnte. Die Wiesen drumherum sind weiterhin gepachtet, „wir haben hier kein Land für die Tiere, das wir unser eigen nennen können“, bedauert der Vorsitzende Heinz Brosig.

Trotzdem ist in den vergangenen Jahren auf dem Hof viel weiterentwickelt worden. Der Kuhstall wurde zu Pferdeboxen umgebaut, der ehemalige Schweinestall ist jetzt ein Werkraum. Ein Aufenthaltsraum ist entstanden, ebenso wie die Reithalle. „Die war früher ein Lagerschuppen, da standen Karnevalswagen auf Betonboden im Dunkeln“, erinnert sich Brosig.

Ein Highlight war laut Schönborn und Brosig die Aufführung des Musicals „Der kleine Tag“ von Wolfram Eicke. Das war 2004 im Aachener Dressurstadion in Zusammenarbeit mit vielen anderen Einrichtungen und dem Kinderchor St. Katharina. „Die Leute waren begeistert vom therapeutischen Reiten, das durch Kostüme und Musik gewirkt hat“, erzählt Schönborn. Wenn man ein ganzes Stadion mit therapeutischem Reiten füllen könne, habe das schon etwas zu sagen, findet Brosig.

Ausbildung zum Pferdepfleger und Stallhelfer

Zum Konzept gehört seit einigen Jahren auch die berufliche Bildung für Menschen mit Behinderung. Sie werden zum Pferdepfleger und Stallhelfer ausgebildet. Jacqueline, Alicia und Paul befinden sich zurzeit in dieser Ausbildung. „Wir müssen zum Beispiel den Stall ausmisten, Pferde rausbringen und füttern“, erzählt Jacqueline. Ihr erstes Praktikum auf dem Lohner Hof hat sie bereits 2013 absolviert, zwischendurch war sie auch auf anderen Höfen. Aber nirgendwo hat es ihr so gut gefallen wie in Eschweiler.

„Ich bin gerne auf dem Lohner Hof, weil es ein super Team ist. Am Anfang habe ich mit Claudia mein Selbstbewusstsein wiedergefunden, seitdem komme ich jeden Tag mit einem Lächeln nach Hause. Das ist einfach mein zweites Zuhause“, erzählt Jacqueline. Auch Alicia ist begeistert von der Arbeit. „Ich habe am liebsten mit den Pferden zu tun, sie sind wie ein innerer Spiegel für die Menschen und verstehen einen.“

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