„Mensch-Hund-Coach“ und Fachbuchautor: Andreas Ohligschläger hat nun seine eigene Fernsehshow

„Mensch-Hund-Coach“ und Fachbuchautor : Andreas Ohligschläger hat nun seine eigene Fernsehshow

Ein Revier nur für Hunde? Nein, auch für Menschen. Andreas Ohligschläger, der in seinem „Revier für Hunde“ als Mensch-Hund-Coach für die Beziehungen zwischen tierischen und menschlichen Weggefährten sensibilisiert, freut sich. Ab August wird seine eigene Fernseh-Sendung im WDR ausgestrahlt.

 „Es war ein sehr emotionaler Moment für mich“, gesteht Andreas Ohligschläger, wenn er an das Treffen mit dem WDR-Team zurückdenkt, als er eine wichtige Frage gestellt bekam. Im Frühjahr bot ihm der Westdeutsche Rundfunk eine eigene Fernsehsendung an. Doch wie kam es soweit?

Angefangen hat alles in den 1980er-Jahren im Tierheim in Aachen. Mit 16 Jahren arbeitete Andreas Ohligschläger dort als Hundepfleger und -betreuer und verdiente sich zusätzlich bei einem Paketdienst als Verteiler und Zusteller Geld. Im Alter von 19 Jahren ging er für ein Jahr nach Portugal und beobachtete Straßenhunde. Schon dort machte er die Erfahrung, dass die Tiere Freiraum brauchen. 2001 wagte Ohligschläger dann mit einem Ausführservice und einer mobilen Hundeschule den Schritt in die Selbständigkeit und führte Hunde aus und half Mensch und Vierbeiner bei ihren Problemen. Dieser Weg führte den staatlich geprüften Hundetrainer nur drei Jahre später zum heutigen „Revier für Hunde“.

Ohligschläger weiß, dass nicht immer der Hund das Problem ist: „In unserem Zentrum für Hunde und Menschen werden nicht nur die Vierbeiner resozialisiert. Wir sensibilisieren Menschen für ihr Verhalten im Umgang mit Hunden. Emotionen und auch Probleme der Zweibeiner schlagen sich oft auf ihre treuen Gefährten nieder. „Manche Menschen übertreiben es häufig mit der Zuwendung und Fürsorge und dabei wird der Hund oftmals zu sehr vermenschlicht. Dadurch wird die Bedürftigkeit des Menschen zu sehr in den Vordergrund gesetzt und Probleme im hündischen Verhalten können entstehen.“, erklärt Ohligschläger, der auch als Buchautor tätig ist.

Zweitägiges Intensiv-Training

 Die Sensibilisierung, dass Hunde nicht immer das Problem sind, sondern der Ursprung mitunter im Verhalten der Menschen liegen kann, findet mittlerweile seit 15 Jahren im „Revier für Hunde“ statt und das auf verschiedene Art und Weise. Während beim Einzeltraining individuell ein Mensch-Hund-Duo gecoacht wird, besteht auch die Möglichkeit, mehrere Tage oder gar Wochen neue Erkenntnisse zu gewinnen. Ob zweitägiges Intensiv-Training, Gruppenseminare oder die sogenannten Erlebniswochen, bei denen man mit oder ohne Hund die Dynamik des Rudels erfährt und viel über sich und die Vierbeiner lernen kann. Andreas Ohligschläger und Jenni Jansen, seine Geschäftspartnerin und Hundetrainerin, haben mit der Zeit Einiges aufgebaut.

Das Herzstück ist aber die Hundetagesstätte. Mit täglich bis zu 50 Vierbeinern ist das „Revier für Hunde“ eine der größten Hundetagesstätten Deutschlands. Auf den weiten Wiesen in der Aue zwischen Pumpe und Röhe haben die Tiere einerseits viel Platz und Auslauf, andererseits interagieren sie rege miteinander. So werden auch verhaltensauffällige Hunde durch ihre Artgenossen und durch geschultes Personal resozialisiert.

Andreas Ohligschläger ist ein Allrounder. Neben der Hundetagesstätte hat er zudem 2015 sein eigenes Buch geschrieben. Der Titel „Vertrau auf deinen Hund“ ist eine Aufforderung, dass man als Frauchen und Herrchen auch mal loslassen muss, um wieder mehr zu den Wurzeln der Natur zurückzukehren. Die Verbundenheit zu Letzterer ist dem Natur-und Tierfreund sehr wichtig.

Hundetrainer mit eigener Fernsehsendung: Andreas Ohligschläger. Foto: Manuel Hauck

 Bereits in seinen Anfängen im Jahr 2001 begleitete ihn die Lokalzeit vom WDR beim Dog Walking. In unregelmäßigen Abständen berichteten sie über ihn, schließlich war und ist er auch bei „Tiere suchen ein Zuhause“ regelmäßig als Coach und Hundeexperte zu sehen. Eine weitere Herzensangelegenheit ist der Tierschutz. „Völlig sprachlos war ich, als ich letztes Jahr zusammen mit der Moderatorin Simone Sombecki das größte Tierheim der Welt besucht habe. Das traurige Lied von rund 6000 Hunden ist leider im rumänischen „Smeura“ Realität. Auch dabei und bei weiteren Reisen im Sinne des Tierschutzes begleitete der Fernsehsender den gebürtigen Indestädter.

 Und dann kam in diesem Jahr die große Frage: Eine eigene Fernsehsendung, bei der er, Andreas Ohligschläger, allein im Mittelpunkt steht? Für ihn war das kein Problem, Bühnenerfahrung kann er schon seit den 1980er- Jahren als Sänger und Gitarrist sammeln. Er sagte zu und gesteht heute lachend: „Ich stehe gerne auf der Bühne und vor der Kamera, dort kann ich vieles ‚Rund um den Hund’ bewegen und Menschen, für die Themen Tierschutz, hündische Kommunikation und Mensch-Hund-Beziehungen informieren und sensibilisieren. Besonders freue ich mich auf das Heimspiel im Talbahnhof am 12. Oktober mit meinem neuen Programm ‚Weggefährten’.“

Nach einem ersten Treffen in Köln im April ging dann alles ganz schnell. Fernsehsender und Produktionsfirma waren sich einig, dass Ohligschläger das gewisse Etwas hat und sympathisch rüberkommt. Nur ein Monat später, als alles in trockenen Tüchern war und sich alle Seiten auf einen gemeinsamen Nenner geeinigt hatten, begann der Dreh.

Die Fernsehproduktion

Bei den ersten Drehtagen reiste er durch ganz Nordrhein-Westfalen und traf unvermittelt auf Menschen und ihre Hunde, die er vorher nicht kannte. Dass er dabei dann auch noch von der Kamera gefilmt wurde, war für ihn ungewohnt. Nach dem Anlauf wurde dann zurück in der Heimat im Revier für Hunde gedreht, er und das Team waren mittlerweile eingespielt und er hatte gelernt. Wenn ein Flugzeug flog oder ein Zug vorbeirollte, konnte eben kurz nicht gesprochen werden.

Mehrere Wochen war Ohligschläger mit den Fernsehaufnahmen beschäftigt. „Die Tage waren konsequent strukturiert. Das Team um Kamera, Ton und Schminke hatte einen konkreten Plan und setzte diesen professionell um.“, schildert er seine Wahrnehmung: „Es war auf jeden Fall eine zielführende Zeit, anstrengend, aber gleichwohl lustig.“

Während die Sendung im August mit den ersten zwei Pilotfolgen ausgestrahlt wird und sowohl die Arbeit mit Problemfällen aber auch vor Ort im Revier für Hunde präsentiert wird, blickt Andreas Ohligschläger dankbar und optimistisch in die Zukunft.

 Aufregend werden nicht nur die weiteren Drehs, da eine ganze Staffel geplant ist. Ebenso der Betrieb der Hundetagestätte sowie das eigene Abendprogramm wie im Oktober im Talbahnhof sind vielfältige Aufgaben.

„Wir haben mehrere Herausforderungen, eine ist derzeit, Mitarbeiter zu finden, die leidenschaftlich Hunde betreuen.“, gesteht der Mensch-Hund-Coach. Unterstützung kommt aber von verschiedenen Seiten, eine möchte Ohligschläger unbedingt erwähnen:„Unsere Nachbarn sind sehr umgänglich und tierlieb, das ist bei einer Hundetagesstätte wie unsere nicht selbstverständlich.“

Ganz im Sinne des Coaching hat Ohligschläger zum Schluss noch eine Lebensweisheit auf Lager: „Menschen wollen Hunden etwas beibringen, dabei können wir selber viel von den Vierbeinern lernen.“

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