Eschweiler: Andrea Porten: Vollblut-Musikerin und gerne in Eschweiler zu Hause

Eschweiler : Andrea Porten: Vollblut-Musikerin und gerne in Eschweiler zu Hause

Andrea Porten gilt unter Kennern als eine der vielfältig einsetzbarsten Stimmen der Stadt und der Region. Sie lebt im Eschweiler Stadtteil Röhe und kann aus den vergangenen Jahrzehnten eine beeindruckend lange Liste mit eigenen Bands und Kooperationen mit namhaften internationalen Künstlern vorweisen.

Unser Mitarbeiter Paul Santosi sprach mit ihr über die Kunst, gleichzeitig Musik zu machen, Haushalt, Kinder, Hund und Job zu managen.

Andreas Porten ist als Background-Sängerin gefragt, hier mit Supertramp-Gitarrist Carl Verheyen. Foto: Paul Santosi

Frau Porten, Sie sind ein „Original Eschweiler Mädchen“. Was bedeutet das für Sie?

Porten: Das bedeutet für mich vor allem „Zuhause sein“. Und Menschen um mich herum zu haben, die ich mag und schätze. Ich habe überwiegend hier in der Region gelebt und gewohnt. Schließlich hat es mich aber doch immer hierher gezogen, nicht zuletzt wegen meiner Familie.

Sie sind Vollblut-Musikerin. Erinnern Sie sich noch an ihre ersten musikalischen Gehversuche?

Porten: Ja, die begannen schon im zarten Alter von zwei Jahren. Meinen ersten öffentlichen Auftritt hatte ich mit meinem Vater, da war ich sechs Jahre alt. Damals sang die kleine Andrea für das Feuerwehr-Orchester. Es war aufregend und schön, denn mein Vater hatte eine wunderschöne Bassstimme. Ich denke, dass wir damals die Herzen der Menschen berührt haben. Das hat mich geprägt und ist einer der Gründe, warum ich so gerne auf die Bühne gehe. Ich hatte zwar Gitarren- und Gesangsunterricht, aber bin größtenteils Autodidaktin.

Machen Sie sich etwas aus stilistischen Schubladen? Ist Ihnen Jazz lieber als Rock?

Porten: Überhaupt nicht. Es ist eine Stimmungsfrage. Musikalisch bin ich nicht auf eine Sache fixiert. Ich mag Blues-Musik. Damit hat man eine gute Basis für andere Stile wie Rock und Jazz, den das Eine ist ohne das Andere kaum denkbar.

Wann wurde Ihnen klar, dass die Sache mit dem Blues Ihr Ding ist?

Porten: Als ich den Film „Roots“ sah, der hat mich sehr beeindruckt. Blues ist Emotion und ich halte mich für einen sehr von Emotionen geprägten Menschen. Als ich dann einige Jahre später in die Aachener Band „Blues Delivery“ einstieg, da habe ich endgültig gemerkt, dass das mein Ding ist. In dieser Band konnte ich mich stimmlich frei entfalten.

Blues Delivery ist ein gutes Stichwort. Böse Zungen sagen: „Schnarchmusik einer vergangenen Ära“. Andere sagen: „Traditioneller, ehrlicher Sound“. Wie sehen Sie das?

Porten: Gottseidank hat da jeder seine eigene Meinung, was Musik anbelangt. Die junge Generation hört ja nun mal ganz andere Sachen. Natürlich höre ich auch gerne modernere, rhythmische, tanzbare Musik, weil ich auch gerne tanze. Aber jeder muss für sich selbst entscheiden, was er gut oder schlecht findet. Dennoch denke ich, dass „Blues Delivery“ zurecht zu den Blues-Institutionen der Region gehörte, weil wir sehr warmherzige Musik transportiert haben. Als Band waren wir nahezu 30 Jahre lang unterwegs. Wir wussten, was wir taten und jeder konnte sich zu jedem Zeitpunkt auf den anderen verlassen. Das Teamgefühl war immer spürbar und das ist einfach immer gut beim Publikum angekommen.

Vor einigen Jahren begannen Sie, mit dem US-Musiker Carl Verheyen zu arbeiten, einem gefragten US-Studiomusiker und aktuellem Mitglied der Band Supertramp. Wie kam es zur ersten Begegnung und wohin hat sie das geführt?

Porten: Ich hab ihn zum ersten Mal im Eschweiler Talbahnhof gesehen und war sofort begeistert von seiner Technik, seinem Songwriting und seiner sympathischen Ausstrahlung. Da hab ich ihn einfach gefragt, ob er denn keine Background-Sängerin für seine Konzerte in Deutschland haben möchte. Zu meinem Erstaunen hat er spontan zugesagt. Die Proben verliefen prima. Wir haben dann zwei kleinere Touren mit insgesamt 40 Auftritten gemacht.

Diese Freundschaft bescherte Ihnen dann ja auch eine USA-Reise. Wie erlebten Sie Land und Leute?

Porten: Das war sehr spannend und aufregend. Ich habe Carls Familie kennengelernt und eine Menge anderer Musiker und Freunde in der Gegend um Los Angeles. Unterwegs war ich zudem mit dem Auto kreuz und quer durch Kalifornien. Das war eine tolle Erfahrung, die ich gerne mal wiederholen würde.

Mit wem haben Sie noch nicht zusammen auf der Bühne gestanden, würden es aber gerne mal?

Porten: Da gibt es viele, einige leben leider nicht mehr. Aber oft, wenn ich bei Konzerten im Publikum stand und auf die Bühne schaute, beschlich mich das Gefühl, auf der falschen Seite zu stehen. Ich bin nun mal Musikerin mit Leib und Seele.

Sie arbeiten hauptberuflich im „Welcome-Center“ der RWTH Aachen und begegnen dort täglich Menschen aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen. Kommen Sie da schon mal an Ihre Grenzen?

Porten: Es geht ja im Kern darum, Menschen, die hierher zu uns kommen, freundlich zu empfangen und ihnen einen ersten Eindruck davon zu vermitteln, wie wir kulturell aufgestellt sind. Klar gibt es so etwas wie einen beiderseitigen Kulturschock. Man tritt halt oft in Fettnäpfchen, ohne es zu merken, beziehungsweise man merkt es erst sehr viel später. International Forschende sind mobil, das bedingt einen entsprechenden Erfahrungsaustausch, der die Forschung erst vorantreibt. Ich erlebe die Menschen daher meist nur bei ihrer Ankunft oder der Vorbereitung. Es macht jedoch viel Spaß und ist sehr interessant, wenn man die Personen dann nach einiger Zeit trifft und sieht, dass sie sich hier bei uns wohl fühlen.

Als alleinerziehende Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Jungs plus Familienhund braucht man doch sicher ein Geheimrezept, um alles unter Dach und Fach zu bekommen. Wie lautet Ihres?

Porten: Vorleben statt Erziehen. Beide meiner Jungs sind ambitionierte Musiker aus freien Stücken. Der Ältere spielt leidenschaftlich Klavier und produziert Musik in der Werbe-Branche. Der Jüngere spielt Gitarre. Das führte manchmal dazu, dass wir anstatt am Wochenende nachts zu schlafen, gemeinsam in der Küche Musik gemacht haben oder einen spontanen Karaoke-Wettbewerb inszenierten. Wir hatten immer viel Spaß dabei. Anstelle eines Geheimrezepts gibt es nur das wahre Rezept des Verständnis und der Liebe.

Aber wie füttern Sie Ihren berühmten „blauen Seelenvogel“, wenn Ihnen wirklich mal alles über den Kopf wächst?

Porten: Ganz einfach. Ich gehe gern in die Sauna, wo ich mich bestens herunterfahren kann. Außerdem entspannen lange Spaziergänge mit dem Hund ungemein. Der braucht auch seine Portion Zuneigung. Aber ich bin auch gerne mit der Gitarre alleine. Das sind die schönen Momente, in denen gute Songs entstehen, weil ich ja nun mal auch gerne komponiere. Außerdem sind gute Freunde besonders wichtig. Die habe ich und für die bin ich sehr dankbar.

Gute Vorsätze für 2018?

Porten: (Lacht) Nicht mehr rauchen, mehr Sport treiben, gesund leben, Freude am Leben haben und diese Freude weitergeben.

Wie viel davon werden Sie umsetzen können?

Porten: Ich denke, bis aufs Rauchen, alle. Hoffentlich nehmen sich andere aber auch ein paar gute Vorsätze vor. Für die Musiker im Raum Aachen wünsche ich mir, dass mehr Proberäume zur Verfügung stünden. Kreativität sollte überall gefördert werden. Jeder sollte die Chance haben, selbst zu erfahren, wie es ist, Musik zu machen. Ich weiß, es ist nicht einfach, passende Örtlichkeiten zu finden, aber Kultur fängt nun mal da an, wo der Mensch lebt. Für den Zusammenhalt und die Stimmung in einer Stadt ist es wichtig, dass es Entfaltungsmöglichkeiten gibt. Und für Musiker sind das eben Proberäume, in denen man laut werden kann, ohne andere zu stören.

Wo können Sie Ihre Fans das nächste mal live und in Farbe erleben?

Porten: Die nächste Gelegenheit ergibt sich in unmittelbarer Nähe bei den niederländischen Nachbarn in Vaals. Da bin ich am Freitagabend, 5. Januar, im legendären „Vereinshoes“ zu Gast.

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