Andrea McCartney im Interview zum Eschweiler Jumping Festival

Interview zum Eschweiler Jumping Festival : „Mit großem Sponsor bereit für mehr“

In der näheren Umgebung ist kaum ein Fremdenzimmer mehr frei, die Hotels sind weitestgehend ausgebucht. Das ist selten in und um Eschweiler, aber wenn das so ist, trägt Andrea McCartney die „Schuld“.

Sie organisiert das Eschweiler Jumping Festival, das Pferdesport-Event in Weisweiler. Über die Entwicklung des Turniers sprach die 29-Jährige mit unserem Redakteur Carsten Rose.

Frau McCartney, Ihr Familienprojekt hat sich in der weltweiten Reiterszene etabliert, dieses Jahr geht erstmals Marcus Ehning an den Start, er ist mehrfacher Olympiasieger. Wie sieht das Eschweiler Jumping Festival wohl in fünf, zehn Jahren aus?

Andrea McCartney: Wir können nicht größer werden, mehr als jetzt geht nicht, uns fehlt der Platz. Deswegen können wir nur an der Qualität arbeiten. Wir sind in fünf oder zehn Jahren deswegen auch mindestens noch auf dem Drei-Sterne-Level wie jetzt.

Gehen denn auch mehr Sterne, unabhängig vom fehlenden Platz?

McCartney: Das ist alles eine Frage des Geldes. Wenn ich einen der großen Fünf-Sterne-Sponsoren des CHIO hätte, wäre ich auch bereit für mehr. Dann müsste man diesen Sponsor aber auch halten. Es bringt ja nichts, einmal kurz hoch zu springen. Seit wir das erste Mal ein Drei-Sterne-Turnier ausgetragen haben, sind wir nie darunter geblieben.

Warum ist Eschweiler überhaupt interessant für viele bekannte
Reiter?

McCartney: Wir sind das erste Freiluftturnier des Jahres, und das wollen wir auch bleiben. Marcus Ehning zum Beispiel wird einige junge Pferde einreiten, die noch keine Fünf-Sterne-Pferde sind, aber irgendwo müssen sie ja ausgebildet werden.

Hat vor Ort die größte Verantwortung: Andrea McCartney, 29, Tochter von Helena Stormanns. Foto: ZVA/Carsten Rose

Stört es Sie, wenn jeder Ihr Turnier irgendwie mit dem weltbekannten CHIO in der Aachener Soers vergleichen will?

McCartney: Nein, es stört mich gar nicht, dass man uns „den kleinen CHIO“ nennt. Wir sind nun mal viel kleiner, haben im Vergleich zu Aachen nur zwei Hektar und nicht mehr als 20. Wir haben viele kleine, nette Sponsoren aus der Region im Umkreis von 40 bis 50 Kilometern. Hier entsteht ein großer Marktplatz und kein Eventcharakter wie in
Aachen. Das soll nicht negativ klingen, ich habe dem CHIO ja viel zu verdanken, weil ich dort drei Jahre ausgebildet worden bin

Sie wollen sich also mit einer familiären Atmosphäre und Nähe zu Sportlern und Pferden unterscheiden?

McCartney: Ja, genau, das ist mein Anspruch. Beim CHIO zum Beispiel können die Reiter in ihre eigenen Zonen flüchten, hier gibt es aber auf dem unmittelbaren Gelände keinen Zaun. Ein Marcus Ehning und ein John Whitaker müssen auch dort essen, wo alle anderen essen. Es gibt bei uns auch die sogenannte „Futterkrippe“ mit Bar, in der Sportler und Besucher zusammen entspannen und den Sport auf einer Leinwand verfolgen können.

Man könnte meinen, dass sich Vollprofis wie es mehrfache Olympiasieger, Welt- und Europameister nun mal sind, an so etwas stören würden. Haben die bekannten Reiter einen hohen oder anderen Anspruch an Sie, die Organisation, das Turnier?

McCartney: Sagen wir es so: Wir Organisatoren kommen aus dem Reitsport, wir wissen, was die Sportler möchten, es ist ein Turnier von Reitern für Reiter. Das heißt, wir achten sehr auf die praktischen Dinge wie zum Beispiel die Erreichbarkeit von Wasser und kurze Distanzen. Wenn die praktischen Dinge stimmen, und wir mehr Service bieten als nötig, sind Profis schnell zufrieden. Und man muss sie mit genug und gutem Essen versorgen – da ist jeder Mensch gleich (lacht).

Kommen wir nochmal zurück zu der Atmosphäre und den Anreizen für die Zuschauer.

McCartney: Wir haben gemerkt, dass unser Angebot für die Besucher aus der direkten Umgebung, also Düren, Langerwehe, Stolberg, einfach zu gering war. Acht Stunden Sport ist für einen normalen Besucher zu viel. Deswegen gibt es dieses Jahr erstmals ein Osterfest von Ostersamstag bis -montag. Kinder wollen nun mal Pferde sehen und fühlen. Das geht aber mit Sportpferden nicht, weil man nie weiß, wie sie auf Kinder reagieren. Deswegen wollen wir mit Ponys und therapeutischem Reiten die Kindern an die Tiere und den Sport heranführen. Das ist quasi meine persönliche Note an dem Turnier in diesem Jahr.

Sie sind eigentlich die alleinige Organisatorin?

McCartney: Es hat keinen Leitungswechsel in dem Sinne zwischen meiner Mutter und mir stattgefunden. Ich habe nur zwangsläufig mehr Verantwortung, weil meine Mutter selten hier und in den anderen Zeitzonen ist. Gerade in Mexico, danach in Miami. Wir tauschen uns viel über Chats aus.

Reiten Sie in diesem Jahr auch selbst?

McCartney: Ja, ich will es dieses Jahr wirklich noch einmal mit zwei Pferden probieren. Mir muss dann jemand das Handy wegnehmen und mir alles andere vom Hals halten. Es wäre dem Pferd nicht fair gegenüber, wenn ich mich nicht auf den Sport konzentrieren würde.

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