Eschweiler: An Karneval auch ohne Alkohol Spaß haben

Eschweiler : An Karneval auch ohne Alkohol Spaß haben

Es geht ihm nicht gut. Zusammengekauert sitzt Felix (Name geändert) in einem Sitzsack, lässt seinen Kopf zwischen seinen Knien nach unten hängen. Vor ihm steht ein Eimer — für den Notfall. Denn dem jungen Mann ist übel von dem vielen Bier und den Spirituosen, die er heute Morgen bereits getrunken hat.

So wie Felix geht es am Fettdonnerstag vielen Jugendlichen. Während die einen noch grölend durch die Straßen laufen, sitzen andere schon k.o. am Straßenrand. Damit es gar nicht erst soweit kommt, bietet die Mobile Jugendarbeit Eschweiler Jugendlichen in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt eine Ruhepause in der „Chill-out-Area“ an. Auf Sitzkissen können sich die Feiernden dort niederlassen, Brötchen essen, einen Tee oder einen alkoholfreien Cocktail trinken. Das Angebot wird von den jungen Menschen gut angenommen: „Man weiß, dass man hier jederzeit hinkommen kann, wenn es ein Problem gibt“, sagt Maurice Schneider. Daher hat er an diesem Morgen bereits einen Freund zur „Chill-out-Area“ gebracht. „Bevor er auf der Straße hockt, wollte ich ihn lieber hierher bringen. Hier verpfeift uns auch keiner ans Ordnungsamt.“

Olaf Tümmeler vom Jugendamt und Christian Kolf von der Mobilen Jugendamt klären über die Folgen von Alkohol auf. Foto: Laura Laermann

Anders als die Kontrollen des Ordnungsamtes oder des allgemeinen Sozialen Dienstes, ist das Angebot der mobilen Jugendarbeit nämlich ein freiwilliges. „Wir versuchen aus einem präventiven Ansatz heraus zu helfen“, erklärt Olaf Tümmeler vom Jugendamt Eschweiler. „Wir sprechen die Jugendlichen aktiv an, geben ihnen Ratschläge im Umgang mit Alkohol und laden sie in die ,Chill-out-Area‘ ein.“ Drei einfache Tipps gibt er jedem mit auf dem Weg: „Kein Komatrinken, aufeinander achten, Wasser trinken und essen.“ Die Resonanz sei positiv, betont Tümmler: „Die Mehrzahl der Jugendlichen pflegt einen vernünftigen Umgang mit Alkohol.“ Wenn jemand aber doch zu viel getrunken hat, erkennt der Streetworker das schnell. Im Notfall sind er und sein Team darauf vorbereitet, Erste Hilfe zu leisten oder den Notdienst anzurufen.

Das gute Wetter...

Die Feuerwehr und die Hilfsorganisationen hatten allein an Fettdonnerstag 33 Einsätze, bei denen Personen wegen übermäßigen Alkoholkonsums oder Schlägereien notärztlich versorgt werden mussten. Darunter zwölf Jugendliche unter 18 Jahren, wie Feuerwehrsprecher Axel Johnen mitteilte. Im Vorjahr waren es nur fünf, die ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Ein Grund dafür sei das gute Wetter, wie Olaf Tümmeler erklärt. „Auf der einen Seite ist es für die Karnevalisten schön, bei Sonnenschein zu feiern, auf der anderen Seite sind die Jugendlichen auch länger draußen und trinken mehr.“

Die jüngste Person, die ins Krankenhaus gebracht werden musste, war ein 15-Jähriges Mädchen. Nicht selten werden bereits unter 16-Jährige mit Alkohol bei Kontrollen erwischt, weiß Tümmeler. Und gerade die schauen oft zu tief ins Glas. „Viele überschätzen sich, wenn sie zum ersten Mal Alkohol trinken“, erklärt der Leiter der Kinder- und Jugendförderung. Diese Erfahrung hat auch Maurice Schneider schon in seinem Freundeskreis gemacht: „Ich habe schon erlebt, wie jemand auf einer Party über den Boden gerobbt ist.“ Für ihn selbst unvorstellbar: „Ich finde Alkohol in Maßen okay, aber sobald man seine Selbstkontrolle verliert, wird es gefährlich. Es kann passieren, dass man irgendwo zusammengeschlagen in der Ecke liegt und am nächsten Tag nichts mehr davon weiß.“

Horrorszenarien wie diese kommen immer wieder vor. Wolfgang Hundt von der Suchthilfe Eschweiler warnt vor den Folgen: „Bei übermäßigem Alkoholkonsum können vor allem bei jungen Menschen Störungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Bewusstlosigkeit eintreten.“ Zudem euphorisiere und enthemme Alkohol, so dass es schneller zu sexuellen Übergriffen kommen könne. „Bei regelmäßigem Konsum können auch alle Organe geschädigt werden — nicht nur die Leber!“

Risiken und Gefahren

Über Folgen wie diese klären auch die „Feierstarter“, eine Gruppe von 15 jungen Menschen im Alter von 16 bis 25 Jahren, auf. Sie wurden von der Mobilen Jugendarbeit und der Suchthilfe der Städteregion Aachen dazu ausgebildet, andere Jugendliche über die Risiken und Gefahren von Alkohol- und Mischkonsum, also Drogen in Verbindung mit alkoholischen Getränken, aufzuklären. Auch an Fettdonnerstag vermitteln sie Gleichaltrigen ihr Wissen und bieten am Stand der Mobilen Jugendarbeit ganz nach dem Motto „Manchmal ist weniger mehr“ alkoholfreie Cocktails an. Dabei kann man zwischen „Feier on Ice“ oder „Blue Hawaii“ wählen. „Wir wollen zeigen, dass es auch ohne Alkohol schmeckt und man Spaß haben kann“, erklärt Faouzia Bah-Trare von den „Feierstartern“.

Das sehen wohl einige Jugendliche genauso — jedenfalls ist die Nachfrage nach den fruchtigen Cocktails groß.

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