Eschweiler: Am Montag sind die „Untoten“ unterwegs

Eschweiler : Am Montag sind die „Untoten“ unterwegs

Montagabend wird die Stadt in Dunkelheit erschaudern. Blutige Zombies werden durch die Gassen schleichen und nur mit ihrem Anblick für Gänsehaut sorgen — und für Freude, Unverständnis, Gelächter oder Erstaunen. Das liegt ganz im Auge des Betrachters, denn dem einem gefällt der Halloween-Kult, andere ärgern sich oder müssen für die Sicherheit am Halloween-Abend sorgen.

Denn der wird dieses Jahr ungewöhnlicher als sonst: Nach Angaben des Veranstalters treffen sich über 100 Verkleidete um 19 Uhr am Talbahnhof. Hier beginnt der sogenannte Zombiewalk, der eine Stunde lang durch die Innenstadt verlaufen soll und vor der Diskothek Klejbor‘s endet. Dort geht die Halloweenparty um 21 Uhr nach dem Fußmarsch weiter. Diese Idee hat sich der Veranstalter, Dako Gnjato, aus Moskau, Sankt Petersburg, Köln und Berlin abgeguckt.

„Das erste Mal habe ich den Zombiewalk voriges Jahr in Aachen angekündigt“, blickt Gnjato zurück. Rund 2000 Aachener im Alter zwischen sechs und 60 Jahren haben daran teilgenommen. „Dieses Jahr wird er in Eschweiler stattfinden. Da hier auch der Karnevalszug größer ist als in Aachen, sehe ich für die Zukunft noch viel Potenzial“, erklärt Gnjato, der im Event-Marketing der Diskothek tätig ist.

Angeführt wird der Zombiewalk von einem Wagen, der die Marschroute vorgibt und Musik spielt. Im Schneckentempo folgen die verkleideten Leute, müssen sich aber an Regeln halten. „Das Event soll friedlich ablaufen. Die Teilnehmer sind aufgefordert, nicht zu übertreiben beim Erschrecken von Passanten“, erklärt Gnjato.

Getränke dürften zwar mitgebracht werden, aber sollen ordnungsgemäß entsorgt werden. Clowns und Menschen in ziviler Kleidung sind nicht erwünscht beim Zombiewalk. Im Regelwerk steht außerdem: „Sollten euch Ordnungshüter ansprechen, was der Blödsinn denn soll oder was ihr da macht, erklärt ihnen einfach freundlich, dass ihr nette Untote seid.“

Die Ordnungshüter sehen das nicht ganz so locker: „Entscheidend ist, wie viele Menschen dort zusammenkommen und welche Strecke sie nehmen wollen“, sagt Michael Effenberg vom Eschweiler Ordnungsamt. Die Route will der Veranstalter im Laufe des Wochenendes auf der Facebook-Seite bekanntgeben.

Diese war bis Mitte der Woche die einzige Quelle, über die auch die Stadtverwaltung von dem geplanten „Zombiewalk“ erfahren hat. Unserer Zeitung teilte Dako Gnjato mit, dass er sich mit Ordnungsamt und Polizei in Verbindung setzen wird. Der Verkehr werde allerdings nicht behindert, versichert Gnjato, daher müsse der Zombiewalk nicht angemeldet werden.

Aus Sicht der Ordnungshüter „steht die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer im Mittelpunkt“, sagt Effenberg. Nutzen die „Untoten“ also am Montagabend die Gehwege, halten sich an die Verkehrsregeln und lassen andere Passanten in Ruhe, stehe dem Zombiewalk nichts im Wege.

Dennoch ist die Marschrichtung des Ordnungsamtes und der Polizei an Halloween klar: „Wir werden verstärkt vor Ort sein“, sagt Polizeisprecher Paul Kemen. Zahlen will er natürlich nicht nennen, auch das Ordnungsamt schweigt zur Personalstärke. „Dieser Abend wird vergleichbar mit der Mainacht sein“, teilt Michael Effenberg mit. Schon am Montagnachmittag werden die ersten zusätzlichen Beamten unterwegs sein. Das Ziel aller Beteiligten: ein friedlicher Halloween-Abend.

Friedlich geht es am Montag auch in den Kindergärten der Stadt zu. Viele Kitas feiern das Fest nämlich nicht, da es keinen christlichen Hintergrund hat. In der Awo-Kita „Der kleine Prinz“ in Dürwiß konnten sich die Kinder aussuchen, ob sie Halloween feiern möchten oder nicht. Zwei der drei Gruppen haben sich dafür entschieden, nicht etwa weil sie sich gruseln und erschrecken wollen, sondern auf das Kostüm kommt es ihnen an.

„Ich gehe als Spinne, aber die ist nicht gruselig“, erzählt ein Mädchen. Auch Hexe, Gespenst oder Vampire sind beliebte Figuren. „Mit Halloween verbinden die Kinder Verkleiden und Spaß. Der Hintergrund des Festes ist nicht so relevant, wie zum Beispiel bei Sankt Martin oder Weihnachten“, weiß Antje Würsig, die Kitaleiterin. Die Kinder dürfen sich hier jeden Tag verkleiden und in andere Rollen schlüpfen.

„Unsere pädagogischen Inhalte und Ziele richten sich nach den Interessen der Kinder.“ Die Erzieher geben keine Inhalte vor, sondern setzen Impulse mit Ideen für den Tag. Zwei Mädchen haben sich für etwas Kreatives entschieden: „Wir haben Gespenster gebastelt und das war gar nicht so einfach.“

Bei der Feier am Montag wird getanzt, gespielt und die Kostüme der Kinder angeschaut. Wer weder Lust auf Verkleiden, Gruseln oder Tanzen hat, bleibt über die Halloween-Nacht lieber zu Hause bis der Spuk wieder vorbei ist.

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