Eschweiler: Aktionswochenende der Deutschen Wanderjugend

Eschweiler: Aktionswochenende der Deutschen Wanderjugend

Wenn sich 200 Kinder treffen, um zwei Tage Gemeinschaft zu erleben, wenn sie nicht nach Herkunft, Hautfarbe oder Behinderung fragen, wenn Mitmachen wichtiger ist als Gewinnen, Spaß und Freude vor Ergebnissen und Bewertungen kommen, dann ist Pfingsttreffen der Deutschen Wanderjugend des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen.

Das ist eine Organisation, die mit jungen Menschen alles unternimmt - außer Wandern. Das Treffen fand in der Jugendherberge auf der Burg Blankenheim statt. Aus Eschweiler, wo der Eifelverein die Organisation vor Ort übernahm, machten sich 23 Kinder mit ihren sieben Jugendleitern auf den Weg. Mit dabei war natürlich auch das Maskottchen Theo. Der flauschige Teddy half den Neuen ihre Ängste zu meistern, also denen, die nicht zum zweiten oder dritten oder fünften Mal zum Pfingsttreffen fuhren. Ohne Eltern auf eine Burg, das war spannend. In Blankenheim angekommen verschwanden Spannung und Skepsis. Begeisterung machte sich breit.

Die Burg ist in ein freundliches Hotel für junge Gäste verwandelt worden. Es ist nicht düster, kalt und feucht wie in Ritterfilmen, auch wenn man noch genau erkennen kann, wo einst der Burghof war, der Rittersaal und das Verlies. Rüstungen stehen in den Ecken und das System der verwinkelten Gänge, das allen Umbauten trotzte, lädt zu Erkundungen ein.

Busse aus allen Gegenden Nordrhein-Westfalens luden immer mehr Teilnehmer ab. Die jüngsten waren gerade einmal sieben Jahre alt, die ältesten hatten schon graue Haare. Zählte man die Organisatoren mit, kam eine Teilnehmerzahl von über 250 zusammen. Das Durchschnittsalter lag bei elf Jahren. Jeder erhielt bei der Ankunft ein Armband, das sie an den folgenden zwei Tagen sicht- und unsichtbar verband. „Fair.Stark.Miteinander.” stand in großen Buchstaben auf dem Armband. Unter diesem Motto bildet die Deutsche Wanderjugend ihre haupt- und ehrenamtlichen Jugendleiterinnen aus. Sie lernen einfache, wirkungsvolle Regeln, die dafür sorgen, dass Veranstaltungen wie dieses Pfingsttreffen gelingen.

In einem Klima aus Toleranz und gegenseitiger Achtung breitete sich bis zum Abend Pfingstgeist unter den Teilnehmern aus. Derweil riefen wummernde Bässe und knackige Beats zur Begegnungsdisco, dem Höhepunkt und Abschluss des Samstags. Es wurde spät oder richtiger früh.

Nach langen Gesprächen von Bett zu Bett fanden die letzten Kinder in den Schlaf, als sich einige schon weider zum Frühsport fertigmachten. Manchem stand beim Frühstück ins zerknitterte Gesicht geschrieben, dass er daheim niemals um halb acht aufgestanden wäre. Der straffe Zeitplan der Jugendherberge ließ aber keine Wahl. Um halb zehn wurde die Küche geschlossen und um zehn begannen die Workshops: Manche studierten einen Tanz ein, andere bastelten Masken oder Freundschaftsbänder. Eine Gruppe komponierte gar ein neues Lied. Am Nachmittag trafen sich alle zur Präsentation der Ergebnisse aus den Workshops. Die Jugendlichen, die das Lied komponiert hatten, wurden zu den Stars des Treffens. Nach kurzem Üben sangen alle den Refrain mit: Wir sind fair, wir sind fair, wir sind stark, wir sind stark, auch wenn nicht immer jeder jeden mag.

Ein Waldspaziergang erinnerte an die Wurzeln der Deutschen Wanderjugend. Im Dunkeln machten sich die Kinder am Ende des Sonntags, auf die Suche nach Blanki dem Burggespenst. Es hatte die Burg verlassen und der verzweifelte Herbergsvater bat die Kinder um Hilfe, seine wichtigste Attraktion wiederzufinden.

Am Montagmorgen fiel das Aufstehen noch schwerer als am Sonntag. Aber trotz des Schlafmangels waren alle dabei, als die Leiter zu einem Mix aus Gruppenspielen einluden. Die Spiele waren so alt wie die Wanderjugend und älter, doch spielten sie viele Teilnehmer zum ersten Mal. Verwundert stellten sie fest, dass nach dem Mittagessen schon die Verabschiedung auf dem Programm stand. Wo waren die zwei Tage geblieben? Die Zeit war viel zu schnell vergangen. „Bis nächstes Jahr zum Pfingsttreffen in Olpe im Sauerland”, verabschiedeten sich neue und alte Freunde, als die Gruppe in den Bus kletterte, der sie zurück nach Eschweiler brachte.