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Ärger um Raser in der Eschweiler Fußgängerzone

Anwohner verärgert, keine Lösung in Sicht : Fußgängerzone alles andere als autofrei

Die Fußgängerzone wird vor allem an Wochenenden oft ihrem Namen nicht mehr gerecht. Dann wird dort unerlaubt geparkt oder die Straßen, wo eigentlich maximal Schrittgeschwindigkeit erlaubt ist, werden deutlich schneller durchfahren.

Das Thema ist nicht neu, vielen aber immer noch ein Dorn im Auge. Eine Lösung wurde bisher allerdings nicht gefunden, wie Ordnungsamtsleiter Michael Effenberg bestätigt. „Dies ist eine für alle Seiten unbefriedigende Situation“, sagt er. Man wolle sich im Rathaus erneut Gedanken machen und nach einem Weg suchen, kündigt er an.

In der Vergangenheit setzte man sich in der Verwaltung schon häufiger mit dem Thema auseinander. Vor Jahren kam unter anderem der Gedanke auf, versenkbare Poller einzusetzen. Die Grünen-Fraktion hatte einen Antrag formuliert. Diese Idee wurde jedoch wieder verworfen. Zu teuer, hieß es. Das war im Jahr 2010. Probleme sah man auch darin, sämtliche Zufahrten zur Fußgängerzone zu kontrollieren. Sieben Möglichkeiten bestehen: an der Hospitalgasse sowie Ufer-, Englerth-, Josef- und Grabenstraße. Die Stadtverwaltung rechnete vor, dass mindestens 14 Poller notwendig seien. Die Kosten wurden auf 267.000 Euro geschätzt. Auch die Regelung der Zugangsberechtigungen kann sich als kompliziert herausstellen. Die modernen „Pilomaten“ werden mit Chipkarten gesteuert. Es muss also geklärt werden, wer alles eine solche Karte erhält.

Ordnungsamtsleiter Michael Effenberg betont, dass eine solche Entscheidung nur vom Stadtrat gefällt werden, man als Stadtverwaltung aber Vorschläge unterbreiten könne. Er weist auch darauf hin, dass bei versenkbaren Pollern gesichert sein muss, dass eine Servicefirma rund um die Uhr greifbar ist, sollte es zu technischen Problemen kommen. Auch die Versicherungsfrage müsse geklärt werden.

In Aachen wurden vor zwei Jahren nach Ratsbeschluss versenkbare Poller angeschafft. Dies geschah allerdings zur Terrorabwehr. Die „Pilomaten“ sollen selbst einen Lastwagen bei einer Geschwindigkeit von bis zu 80 Stundenkilometern stoppen. Standorte sind die Jakobstraße/Judengasse, Büchel/Rethelstraße, Großkölnstraße und Buchkremer-/Ursulinerstraße. Etwa 300.000 Euro musste die Stadt Aachen dafür zahlen.

Für die Falschparker in der Fußgängerzone ist das Ordnungsamt zuständig, wer unberechtigt und zu schnell unterwegs ist, kann nur von der Polizei belangt werden. Oder anders formuliert: Den ruhenden Verkehr überwacht die Stadtverwaltung, den rollenden Verkehr regelt die Polizei. Die Behörden stünden in ständigem Austausch, sagt Effenberg. Das Ordnungsamt Eschweiler beschäftigt insgesamt zehn Personen im Außendienst. Strafzettel zu verteilen, ist allerdings nur eine Aufgabe von vielen. Die Stadtbediensteten müssen sich unter anderem auch darum kümmern, wenn Bürger sich über ruhestörenden Lärm beschweren, illegale Müllberge gemeldet oder herrenlose Hunde entdeckt werden. „Die anderen Bereiche nehmen immer mehr zu“, betont Michael Effenberg.

Am normalen Wochenende sind nicht sämtliche Mitarbeiter des Ordnungsamtes im Einsatz. „Zwei, drei Personen“ sind dann im Dienst. Auch die Polizei ist an Wochenenden nicht in voller Besetzung. Zu diesen Zeiten allerdings häufen sich die Beschwerden der Anwohner in der Fußgängerzone. Gerast werde vor allem abends und an Sonn- und Feiertagen, schildert eine Frau, die nicht namentlich genannt werden will. Die Polizei kontrolliert zwar immer wieder, kann allerdings nicht rund um die Uhr vor Ort sein.

Also doch versenkbare Poller als Lösung des Problems? Vor Jahren verstärkten Polizei und Ordnungsamt kurzzeitig die Kontrollen in der Innenstadt und konnten das Falschparken und -fahren damit eine Zeit lang mindern. Ein längerfristiger Effekt blieb jedoch aus.

Die Eschweiler Fußgängerzone ist mit dem Gebotszeichen 242 gekennzeichnet, das Passanten immer Vorrang einräumt. Sind keine Ausnahmen angegeben, gilt ein grundsätzliches Durchfahrverbot für Fahrzeuge. In Eschweiler gelten Ladezeiten von 7 bis 10 Uhr, 13 bis 14 Uhr und 19 bis 21 Uhr. Dann dürfen Fahrzeuge mit Schrittgeschwindigkeit die Fußgängerzone befahren, müssen für die Anlieferung den kürzesten Weg wählen und die Ware schnellstmöglich verladen. Einsatz- sowie von der Kommune beauftragte Reinigungs- und Entsorgungsfahrzeuge sind vom Zufahrtsverbot befreit. Wer unerlaubt in die Fußgängerzone fährt oder dort parkt, kann übrigens mit einem Bußgeld von bis zu 75 Euro belangt werden.