Junger Mann verurteilt: 90 Sozialstunden für den Besitz von Nacktbildern

Junger Mann verurteilt : 90 Sozialstunden für den Besitz von Nacktbildern

Als der heute 20-jährige Lars W. noch 16 war, hat er erotische Aufnahmen von 15 Jahre alten Mädchen gefordert und sie teilweise verbreitet. Jetzt ist er dafür vom Eschweiler Amtsgericht zu 90 Sozialstunden verurteilt worden.

Lars W. ist wohl nicht bewusst gewesen, dass er sich strafbar macht, wenn er 15-jährige Freundinnen dazu bringt und gar nötigt, ihm Nacktaufnahmen über das Internet zu schicken – und die teilweise gegen deren Willen an eine dritte Person weiterleitet. Heute ist Lars W. (Name geändert) 20 Jahre alt, die Sache mit den Fotos und Videos geschah 2015 und 2016, als er 16 war. Dafür hat das Eschweiler Amtsgericht ihn nun zu 90 Sozialstunden verurteilt. Angeklagt waren die Taten Besitz, Erwerb und Verbreitung von jugendpornografischen Schriften, teilweise in Tateinheit mit Nötigung und der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches.

Da die Richterin unter anderem einen eindeutigen Chatverlauf zwischen ihm und einer damals 15-Jährigen vorlas, bestritt W. auch nicht, dass die meisten Vorwürfe gegen ihn stimmten. Zwar hätten seine damaligen Freundinnen, die ihn mitunter nur über das Internet und unter falschem Namen kannten, ihm manche Aufnahmen freiwillig geschickt. Zu weiteren hat er sie aber genötigt. Er tat dies, indem er drohte, bereits verschickte Fotos über Facebook zu verbreiten. „Ich schäme mich komplett dafür“, sagte der heute ruhig und anständig wirkende 20-Jährige reumütig. Das Urteil akzeptierte er umgehend. „Ich hoffe, es waren Jugendsünden, die sich nun ausgewachsen haben“, appellierte die Staatsanwältin an ihn. „Wer nötigt, der kann bald auch Gewalt anwenden. Das ist bei Ihnen in den vergangenen Jahren zum Glück nicht passiert.“

Dass Lars W. erst jetzt der Prozess gemacht worden ist, ist eine Geschichte für sich, zu der die Familiensituation maßgeblich beiträgt. Geboren und aufgewachsen ist W. in Eschweiler, ohne seinen Vater kennengelernt zu haben. Seine liebevolle Mutter, zu der er nach eigenen Angaben immer ein gutes Verhältnis hatte, wechselte im Laufe der Zeit mehrfach den Partner, weshalb Lars W. als Jugendlicher gleich fünfmal innerhalb von NRW umziehen musste. Dadurch wechselte er regelmäßig die Hauptschule, verlor seine Freundeskreise und Struktur. „Es ist schade, wenn ein junger Mensch keine Führung mehr erlebt“, betonte W.s Anwalt, der dem Plädoyer der Staatsanwältin ohne Einwände zustimmte.

Für Behörden nicht greifbar

2017 wurde Lars W. dann obdachlos, weil er nicht zum damaligen Freund der Mutter ziehen konnte. Aus diesem Grund war er für die Behörden nicht greifbar und erschien deswegen nicht zu dem damals schon angesetzten Gerichtsverfahren. Damals wäre er – anders als jetzt, nur er wurde dieses Mal angehört – seinen damaligen Freundinnen begegnet. Die hätten nach Angaben der Staatsanwältin sehr unter den Vorfällen gelitten.

Lars W. hat sich seit den angeklagten Handlungen nichts Derartiges mehr zuschulden kommen lassen. Dieser Umstand und sein Geständnis kamen ihm zugute. Beim ersten angesetzten Termin wäre das eventuell anders verlaufen: W. wurde 2015 im Oberbergischen Kreis schon einmal zu 50 Sozialstunden verurteilt, weil er Nacktaufnahmen von jugendlichen Mädchen verschickt hatte. Vor diesem Hintergrund seien damals „schädliche Neigungen absehbar gewesen“, betonte die Richterin. Dieser Aspekt wäre in das damals verpasste Verfahren eingeflossen. „Zum Glück ist seitdem nichts mehr in der Richtung passiert“, sagte die Richterin. „Man kann aber nicht darüber hinwegsehen, was sie gemacht haben. Die Zeuginnen wirkten sehr bedrückt.“

Abgesehen von den zu leistenden 90 Sozialstunden muss der von Hartz IV lebende Lars W. binnen sechs Wochen einen festen Wohnsitz nachweisen; bislang komme er in Aachen unter. Außerdem muss er ein halbes Jahr lang monatlich Kontakt zum Jugendamt aufnehmen, auch um über mögliche Therapien zu sprechen. Der 20-Jährige zeigte sich nach dem Ende des Verfahrens erleichtert. Er möchte nun einen Realschulabschluss nachholen und strebt eine Ausbildung in der Logistikbranche an.