Eschweiler: 666-jähriges Bestehen: Mittelalterliches Jubiläum auf der Burg

Eschweiler: 666-jähriges Bestehen: Mittelalterliches Jubiläum auf der Burg

Seit mindestens 666 Jahren gibt es die Röthgener Burg bereits. Und auch wenn das Gemäuer im Vorbeifahren oftmals kaum oder gar nicht wahrgenommen wird, wie es selbst eine ihrer aktuellen Bewohnerinnen, Kristen Kugel, nun anmerkte, hat sie eine große Bedeutung für die Stadt. Am Samstag feierte Familie Kugel das besondere Jubiläum ihrer Burg mit den Eschweilern.

Auf der Anlage rund um die Röthgener Burg erwartete die Besucher ein buntes Programm, bei dem auch die Erwachsenen, aber vor allem die Kinder auf ihre Kosten kamen.

Freiluft-Gottesdienst auf Stroh

Zusammen mit dem Schirmherren des Burgfestes, dem Kulturmanager Max Krieger, hatten sich die Kugels einiges einfallen lassen. Den offiziellen Auftakt machte ein Open-Air-Gottesdienst, der von Pfarrer Hannokarl Weishaupt gehalten wurde. Der provisorische Altar befand sich gut sichtbar für alle auf einer Bühne aus Strohballen. Im Anschluss an den Gottesdienst segnete Pfarrer Weishaupt einige Ponys und Pferde auf dem Reitplatz. Da Kirsten und Karl-Heinz Kugel auf der Burg eine erfolgreiche Reitschule betreiben, standen auf dem Fest natürlich auch die Vierbeiner im Vordergrund. Auf den Shetlandponys Max und Moritz durften die kleinen Besucher ihre ersten Reiterfahrungen machen und wurden ein paar Runden über den Platz geführt. Dass man eine Dressur-Quadrille auch ohne Pferd machen kann, zeigte eine Gruppe junger Reiterinnen — sie hüpften mit Steckenpferd im Takt zur Musik. Vier Reitschülerinnen führten dann aber auch eine richtige Quadrille vor — mit Pferden. Sie hatten diese selbst erdacht und einstudiert. Für ihre Darbietungen erhielten die Mädchen jeweils viel Applaus.

Wer es nicht so mit Pferden hat, der konnte sich das Lager der „Stolberger Burgritter“ anschauen, die auf der angrenzenden Weide kampierten. Dort zeigten die Mittelalter-Akteure unter anderem, wie damals gekocht wurde oder wie Seile hergestellt wurden. Mit Gerd Bergheim alias „Gerdhard von Krewinkel“ war auch ein Sarwürger, also ein Kettenhemdflechter, vertreten. Er zeigte Groß und Klein seine Auswahl an Kettenhemden. Grundlage für diese sei einfacher Zaundraht, der beim Wurmen aufgerollt und in kleine Ringe geschnitten wird. Aus diesen „strickt“ Bergheim dann die Schutzausrüstung. Ein Kinder-Kettenhemd besteht zum Beispiel aus 9.000 Ringen und wiegt neun Kilo, eins für Erwachsene besteht aus 24.000 bis 30.000 Ringen und wiegt entsprechend 24 bis 30 Kilo. Bis zu 140 Arbeitsstunden braucht Bergheim für ein Hemd und investiert 60 Euro in Material. „Im Mittelalter hat ein Sarwürger bis zu einem Jahr pro Kettenhemd gebraucht, da er das Material ja noch selbst herstellen musste“, verdeutlichte Bergheim den hohen Wert des Handwerkproduktes.

Nicht nur bei Gerd Bergheim kamen die Kinder ins Staunen — auch beim Bogenschießen, an dem sie großen Gefallen fanden. Unter Anleitung konnten sie sich selbst am Bogen ausprobieren und versuchen, die Zielscheibe zu treffen. Zudem konnten die Kleinen noch Hufeisen oder Ritterhelme selber basteln oder sich schminken lassen.

Für die Erwachsenen standen Führungen durch die Röthgener Burg auf dem Programm. Marie-Theres Kugel, die seit 53 Jahren dort wohnt und viel über die Burg weiß, erzählte den Besuchern gerne einige Details über ihr Zuhause. Zusammen mit dem Eschweiler Geschichtsverein wird Kugel auch ein Buch über die Röthgener Burg herausbringen: in zwei Wochen soll es erhältlich sein.

Bei strahlendem Sonnenschein und spätsommerlichen Temperaturen freuten sich auch die Burgherren Kirsten und Karl-Heinz Kugel sehr über ihr gelungenes Burgfest. „Es war mir eine Herzensangelegenheit, das Fest zu veranstalten“, sagte Kirsten Kugel. „Der Alltag kann so schön sein, aber leider wird die Burg oft nicht mehr wahrgenommen“, gab sie zu bedenken.

Lob für die Burgherren

Max Krieger, Kulturmanager und Schirmherr des Festes, lobte daher das Engagement der Kugels: „Ich weiß, dass es schwer ist, heutzutage eine solche Immobilie instand zuhalten und zu betreiben. Meine Hochachtung!“ Er hob besonders den Reitschulbetrieb der Familie Kugel hervor und wie sehr sie sich dort für das beliebte Hobby vieler Kinder einsetzen. Auch die stellvertretende Bürgermeisterin Helen Weidenhaupt stimmte zu, dass die Arbeit mit den Kindern wichtig sei. Zum Geburtstag wünschte Weidenhaupt der Röthgener Burg noch ein langes Bestehen: „In 666 Jahren wird von uns keiner mehr hier sein, aber hoffentlich die Burg noch!“ Mit diesem Gedanken sprach sie am Samstag sicherlich nicht nur den aktuellen Besitzern, aber auch den Besuchern aus der Seele.

(zsa)