Zehn Jahre Nationalpark-Infopunkt in Schmidt

Zehn Jahre Nationalpark-Infopunkt in Schmidt: Kirche öffnete sich für neue Nutzung

Nicht nur auf Begeisterung stieß der Kirchenvorstand der katholischen Pfarre St. Hubertus Schmidt, als er vor zehn Jahren das Vorhaben eines Infopunktes des Nationalparks Eifel im Kirchengebäude in die Tat umsetzte.

Die Idee, in den Mauern des Gotteshauses – und dann auch noch in der Taufkapelle – dauerhaft eine Informations-Anlaufstelle des zwei Jahre zuvor aus der Taufe gehobenen Nationalparks zu errichten, ging einigen traditionsbewussten Gläubigen dann doch zu weit. Die Widerstände von damals sind heute weitgehend überwunden, und der Infopunkt in „St. Mokka“, wie die Schmidter Pfarrkirche im Volksmund heißt, ist längst zum Erfolgsmodell und Vorzeigeprojekt geworden. Gemeinsam mit rund 60 Gästen feierten die Initiatoren von damals, Nationalparkverwaltung und Kommunen, jetzt in der Pfarrkirche den zehnten Geburtstags des Infopunktes.

Ohne Zweifel ist diese Anlaufstelle des Nationalparks Eifel die ungewöhnlichste aller 15 Info-Einrichtungen rund um das Großschutzgebiet. Dieses Alleinstellungsmerkmal hob auch Bert van London als Vertreter des Kirchenvorstandes und zugleich Schmidter Ortsvorsteher in seiner Geburtstagsansprache hervor. „Nicht vorbehaltlos geliebt“ habe die Bevölkerung anfangs den Infopunkt, aber inzwischen habe sich die Einrichtung zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt, zumal er nicht nur den zentralen Nationalpark-Gedanken einer schützenswerten Natur in Blickpunkt rücke, sondern im „Raum des Friedens“ auch die historisches Bedeutung des Ortes Schmidt gegen Ende des Zweiten Weltkrieges thematisiere. Hier solle eine „entmystifizierte Auseinandersetzung“ mit den Kriegsereignissen in der Eifel stattfinden, wünschte sich van London.

Es habe allerdings schon seine Zeit gedauert, ehe sich die Menschen mit der neuen Betrachtungsweise arrangiert hätten. Die Kirche werde zu profan, habe ein Vorwurf gelautet, und in einem Beschwerdebrief an das Bistum Aachen habe ein Bürger die Veränderungen in der Pfarrkirche gar mit den in der Bibel vorkommenden Händlern im Tempel von Jerusalem verglichen, die Jesus von dort vertrieben habe.

Die große Resonanz auf die Einrichtung und zahlreiche Kommentare von Gästen aus aller Welt (nicht zuletzt auch vom Café St. Mokka in Köln-Bickendorf) unterstrichen, dass sich der Infopunkt inzwischen etabliert habe. Bert van London: „Anfangs noch kritisch beäugt, ist das Konzept von St. Mokka inzwischen ein Identifikationsobjekt erstens Ranges.“

Nideggens Bürgermeister Marco Schmunkamp bezeichnete den Infopunkt als „innovative Idee mit einem Mehrwert für alle“. Der Tourismus sei in der Stadt Nideggen der Wirtschaftsfaktor Nummer eins. Der Infopunkt biete nicht nur den Zugang zu einer „unbeschreiblichen Natur“, sondern auch zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges.

Diesen Gedanken griff auch Astrid Hohn, die stellvertretende Landrätin des Kreises Düren, auf. Durch den Infopunkt strahle die Kirche eine besondere Atmosphäre aus und setze damit ein Zeichen für Offenheit und Auseinandersetzung mit der jüngeren Zeitgeschichte.

Michael Lammertz, der stellvertretende Leiter des Nationalparks Eifel, sah den Infopunkt in der Pfarrkirche Schmidt als Symbol für eine „strategische Allianz zwischen Kirche und Nationalpark. Die hier gelebte Kooperation finde ich genial“. In diesem Zusammenhang erinnerte Lammertz auch an das Netzwerk Kirche im Nationalpark, das bereits in einer sehr frühen Entwicklungsphase des Nationalparks unter dem Gedanken „Schöpfung bewahren“ entwickelt worden sei.

Lösungen gefunden

Michael Lammertz erinnerte sich noch gut daran, wie Konrad Schöller, der damalige Rendant der Kirchengemeinde, die Idee eines Infopunktes in der Kirche thematisiert habe. Seitens der Nationalparkverwaltung sei man begeistert gewesen, doch habe man nichts aus der Kirche verdrängen wollen. Da die Pfarre aber für den Taufstein einen noch besseren Platz im Kircheninneren gefunden habe, und auch eine Lösung gefunden worden sei, Kirchenbesucher nicht zu stören, habe man die praktische Umsetzung in Angriff genommen. Wesentliche Punkte beim Umbau waren, dass der bisherige Zugang vom Kirchenraum zur Taufkapelle akustisch durch eine Glaswand verschlossen wurde und dass durch eine 1,30 Meter dicke Mauer seitlich des Haupteingangs ein neuer Zugang zum Infopunkt geschaffen worden sei.

Für den Abschluss der gelungenen Feierstunde sorgte Konrad Schöller, inzwischen der „gute Geist von St. Mokka“ genannt. In einem ebenso süffisant-humorvollen wie auch pointiert-anschaulichem Streifzug erinnerte er an „schwere Zeiten“ für St. Mokka im Zusammenhang mit der Entstehung des Infopunktes. Längst ist dieser zu einer hoch frequentierten Anlaufstelle geworden, und auch das Schmidter Gotteshaus, das täglich geöffnet ist, hat durch die innovative Idee zusätzliche Attraktivität erhalten.

(P.St.)
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