Wo ist der Neuntöter im Winter?

Aus der Natur unserer Heimat : Wo ist der Neuntöter im Winter?

Bekanntlich verlassen viele Vögel nach der Aufzucht der Jungen ihre Brutgebiete, um in wärmeren Gebieten die kalte Jahreszeit zu überbrücken.

Manche bleiben im Mittelmeerraum, andere überqueren die Sahara, bleiben aber nördlich des Äquators, wie etwa die Dorngrasmücke. Eine dritte Gruppe fliegt noch weiter, überquert den Äquator und lebt während unserer kalten Winterzeit in den heißen Savannen. Zu dieser Gruppe gehört der Neuntöter, der auch in unserer Heimat Brutvogel ist.

In der Gemeinde Simmerath wurde während der Brutzeit des vergangenen Jahres dieser Singvogel im oberen Kalltal bei Bickerath, im Bereich Wüstebach-Leykaul, bei Hirschrott, Erkensruhr, Kesternich und im Naturschutzgebiet Lenzbach beobachtet. Das Brutgebiet im Rurtal zwischen Dedenborn und Einruhr war nicht mehr besetzt.

Fast alle Neuntöter Mitteleuropas nehmen den Weg über den Balkan und über den Mittleren Osten als Zugweg in die Überwinterungsgebiete, nicht wie die meisten Vogelarten den Weg über die iberische Halbinsel. Sie starten zu ihrer weiten Reise, sobald die Jungen flügge und kräftig genug sind, die Strapazen eines solchen Abenteuers zu unternehmen. Der Herbstzug nimmt etwa 100 Tage in Anspruch, sie erreichen ihre Winterquartiere in der Savanne somit erst Ende November oder Anfang Dezember.

Hier bleiben sie rund drei Monate und leben dort an Orten, wo aufgrund von Regenfällen günstige Verhältnisse herrschen. Dort beziehen sie für einige Wochen ein Revier, das sie gegen Neuankömmlinge verteidigen. Wenn sich die Lebensbedingungen verschlechtern, ziehen sie weiter.

Vergleicht man die hiesigen Lebensräume des Neuntöters mit denen seines Winterquartiers, so zeigen die beiden doch weit von einander entfernten Lebensräume große Ähnlichkeiten. Beide sind gekennzeichnet durch nicht zu hohe Kraut- und niedrige Buschvegetation. Die Nahrung besteht auch in Afrika vorwiegend aus Großinsekten, vor allem aus Heuschrecken.

Hier in unseren Brutgebieten führen die Neuntöter ein rastloses Leben, wenn Junge zu füttern sind. Von Sonnenaufgang bis zu ihrem Untergang sind sie ohne wesentliche Unterbrechung auf der Jagd nach Insekten. Im Winterquartier ist der Tagesablauf völlig anders: Mit Sonnenaufgang klettern sie aus den Schlafbüschen, putzen ihr Gefieder und beginnen bald mit der Jagd, die aber nicht alle andauert, weil genügend Beutetiere da sind. Die heißen Mittagsstunden verbringen sie dösend oder schlafend. In manchen Überwinterungsgebieten reichen zwei bis drei Stunden Jagd, um genügend Nahrung zu fangen.

Um Ende März herum verlassen die Neuntöter ihre nahrungsreichen Winterquartiere und sind nach rund 45 Tagen wieder in ihren Brutgebieten, wo der Lebensraum unter anderem aufgrund der intensiven Landwirtschaft immer weiter schrumpft.