Urft/Konzen: Wo die Landesregierung einen Atomschlag überleben wollte

Urft/Konzen: Wo die Landesregierung einen Atomschlag überleben wollte

Die Schrecken der beiden Weltkriege haben eine tiefe Angst in den Köpfen der Menschen hinterlassen. Doch in den 1960er-Jahren ist der nächste Krieg längst ausgebrochen, der „kalte Krieg”.

Es sind die Jahre der Kubakrise, des Mauerbaus und der atomaren Aufrüstung in Ost und West. Die beiden Machtblöcke bedrohten sich mit immer stärkeren Atomwaffen. Die Rüstungsspirale beeinflusste Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Militär. Jederzeit konnte aus dem „kalten Krieg” ein „heißer” werden.

In aller Stille trafen die Bundesregierung und die Regierungen der Bundesländer vorbeugende Maßnahmen für einen möglichen Atomkrieg. Unter hoher Geheimhaltung wurden geschützte Ausweichsitze errichtet. In unterirdischen, atombombensicheren Bunkern sollten die Regierungen mit ihren Krisenstäben weiterarbeiten können. Dabei ging es um schelle und sichere Erkennung von Angriffen und Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung.

Mehr als 30 Jahre betriebsbereit

Der Ausweichsitz der Düsseldorfer Landesregierung in Urft wurde mehr als 30 Jahre ständig betriebsbereit gehalten. Eine strenge Geheimhaltung sollte verhindern, dass die Bevölkerung von seiner Existenz und den dort durchgeführten Übungen erfuhr.

Dieser Tage besuchte der Heimatverein Konzen bei einer Exkursion den Ausweichsitz der Landesregierung in Urft. Erst in den 1990er-Jahren wurde der Bunker stillgelegt und an den Schwiegersohn des Betriebsleiters Dr. Claus Röhling verkauft. Nun, nach 15 Jahren, können Besucher den Bunker besichtigen.

Es waren etwa 30 Grad im Bus auf der Fahrt durch die Eifel. Dann ging es in der Nähe von Urft vier Etagen unter die Erde bei sieben Grad. Nach zweieinhalb Stunden waren alle froh, sich wieder über Tage am Sonnenschein erfreuen zu können. Alle Teilnehmer waren sehr beeindruckt von der engagierten Führung und dem sichtbaren Versuch, einen Atomkrieg zu überleben.

Die immensen Kosten, die dieser Bunker den Staat gekostet hatte, ließen sich nur dadurch rechtfertigen, dass mit der Handlungsfähigkeit der Regierungen auch gewährleistet worden war, dass es nicht zu einem solchen Weltuntergang gekommen ist. Den Besuchern war auch bewusst, dass nach den 30 Tagen des Überlebens im Bunker draußen an ein Weiterleben nicht mehr zu denken gewesen wäre. Die Erleichterung, dass dieses Gebäude nie gebraucht worden ist, war allen Teilnehmer anzusehen, als sie wieder durch den als Garage getarnten Ausgang in den grünen Eifelwald blickten.