Simmerath: Wirbel um Geburtshilfe in der Eifelklinik legt sich allmählich

Simmerath : Wirbel um Geburtshilfe in der Eifelklinik legt sich allmählich

Die gute Nachricht verbreitete sich am Samstag wie ein Lauffeuer: „In der Eifelklinik St. Brigida werden auch in Zukunft Babys zur Welt kommen!“ vermeldete unsere Zeitung schon vormittags, und das Echo war gewaltig.

Alleine auf der Facebookseite „Eifeler Zeitung/Nachrichten Lokales“ wurde die gute Nachricht über 16.000 Mal angesehen, mehr als 100 Mal weiter verbreitet, über 30 Mal kommentiert und mehr als 430 Mal mit „gefällt mir“ markiert.

„Danke an alle, die es mit ihrem Engagement möglich gemacht haben!“ „Eine klare Ansage an künftiges Leben und die einzig richtige!“ Und: „Ich wünsche der Geburtshilfe Simmerath, dass dies eine Lösung auf Dauer ist. Denn was kann es Wichtigeres geben für ein Krankenhaus, als Leben auf den Weg zu bringen und zu begleiten — in guten und weniger guten Situationen?“ Dies waren nur einige der Kommentare unter dem Artikel im sozialen Netzwerk.

Natürlich gab es auch kritische Äußerungen und Nachfragen: „Hoffentlich haben die Hebammen jetzt einen fairen Vertrag, der sie auch von ihrem Gehalt leben lässt“ und „Hoffentlich funktioniert das aber nicht durch noch mehr Aufopferung seitens des Personals“ meinten zwei Leserinnen und eine weitere fragte: „Wie sieht es denn nach September aus?“

Zu diesen und anderen Fragen gab zu Wochenbeginn Dr. Benjamin Behar, der Geschäftsführer der Eifelklinik St. Brigida, Auskunft.

„Unser Ziel ist es natürlich, dass wir die Geburtshilfe in Simmerath gemeinsam mit allen Beteiligten — sprich dem Ministerium, dem Hebammenverband NRW, den Gemeinden und vor allem den Hebammen vor Ort — als wichtige Anlaufstelle für die werdenden Mütter in der Region langfristig sicherstellen können“, sagte er auf die Frage, was nach Ablauf des Dienstplans Ende September passiere.

„Im Moment haben wir zur Überbrückung für die Monate Juli bis September eine Lösung gefunden, die noch teils große Abweichungen vom gemeinsam ausgearbeiteten Konzept aufweist, um alle Hebammen ihrer kurzfristigen Verfügbarkeit entsprechend einbinden zu können. Für die Zeit danach gilt es nun, eine innerhalb des Konzepts final tragfähige, homogene Struktur zu schaffen, mit festem Team und einheitlicheren Konditionen. Die Dienstpläne werden wie bisher auch immer Mitte des Monats für den Folgemonat geschrieben — je früher sie jeweils stehen, desto lieber ist es natürlich auch uns“, so Dr. Behar.

Der Geschäftsführer ging auch auf die Personalsituation insgesamt auf der Station 1 ein. „Wir hoffen sehr, dass die unruhige Situation der vergangenen Wochen nicht dazu geführt hat, dass unsere langjährigen Mitarbeiter sich bereits umorientieren. Wir sind hier aber guten Mutes und haben das Gefühl, dass uns die Mitarbeiter treu die Stange halten“, meinte Dr. Benjamin Behar, der in der Sondersitzung des Simmerather Gemeinderates zum Thema Geburtshilfe die Kündigung einer Kinderkrankenschwester erwähnt hatte.

„Bis auf diese Schwester hat auch niemand mehr gekündigt. Hier sind wir bereits auf der Suche nach Ersatz, bis dahin kann die Stelle durch die Kollegen gut aufgefangen werden, so dass weiterhin alle Patientinnen bestens versorgt sind“, versicherte Dr. Behar.

13 Hebammen eingebunden

Überaus komplex ist nach seinen Worten der Dienstplan für die insgesamt 13 eingebundenen Hebammen. „Die Anstellungsmodelle sind sehr unterschiedlich: Von Beleghebammen nach dem bisherigen Modell, über Teilzeit-Angestellte bis hin zu geringfügig Beschäftigten ist alles dabei“, so der Geschäftsführer.

„Vollzeit“ sei bis dato niemand eingebunden; für die langfristige Planung sei es aber wichtig, „ein stabiles Team zu entwickeln, in dem mehrere Personen auch größere Anteile am Dienstplan übernehmen“.

Etwa die Hälfte der nun verpflichteten Hebammen komme aus der unmittelbaren Umgebung, also Monschau, Simmerath und Roetgen, die andere Hälfte werde aus der Städteregion, unter anderem aus Aachen, Herzogenrath oder Alsdorf, zum Dienst in die Eifel kommen.

Von den bisher in der Eifelklinik Simmerath tätigen Hebammen seien drei weiterhin mit dabei, wobei insbesondere Eva Krings hier nach wie vor eine tragende Rolle übernehme, betont Dr. Behar: „Sie war und ist die tragende Säule des Teams und übernimmt anteilsmäßig die meisten Dienste. Deshalb gilt Frau Krings auch ein ganz besonderer Dank. Ohne sie hätten wir die letzten Monate sicherlich nicht überbrücken können“, lobte der Eifelklinik-Geschäftsführer die aktuell Dienstälteste der Eifeler Hebammen.

Für die Frauen, die auch künftig ihr Kind in Simmerath zur Welt bringen werden, ändert sich also bis auf eine größere Auswahl möglicher Hebammen nichts: „Bei den Abläufen gibt es keinerlei Änderungen im Vergleich zu den Vormonaten beziehungsweise den vergangenen Jahren“, verwies Dr. Benjamin Behar darauf, dass auch künftig in Simmerath erst ab der 36. Schwangerschaftswoche entbunden werden kann und eventuelle Risikogeburten vorsorglich an Häuser mit angeschlossener Kinderklinik, vorzugsweise Stolberg, verwiesen werden.

Namenswahl ein Zufall?

Eine ganz „normale“ Geburt war aber jene von Benjamin Gabbert, der in der Nacht zum Montag sozusagen als erstes Baby der „neuen Zeit“ auf Station 1 des Simmerather Krankenhauses das Licht der Welt erblickte. „Ich bin sehr froh, dass ich am Ende doch noch in Simmerath entbinden durfte. Mit Wehen von Konzen bis nach Aachen fahren zu müssen, ist für mich nur schwer vorstellbar“, meinte die glückliche Mutter Silke Gabbert.

Ob die Namenswahl der Eltern für den gesunden kleinen Jungen in irgendeinem Zusammenhang mit dem Vornamen des Geschäftsführers der Eifelklinik steht, war indes nicht in Erfahrung zu bringen...