Roetgen: Windpark Münsterwald: Zur Wartung geht es über Roetgener Boden

Roetgen: Windpark Münsterwald: Zur Wartung geht es über Roetgener Boden

Nachdem die Gemeinde Roetgen erfolglos gegen den geplanten Windpark im Münsterwald geklagt hatte, will sie jetzt dem Betreiber, der juwi GmbH, gestatten, zur Wartung der Anlagen einen gemeindlichen Weg zu benutzen. Das hat der Bauausschuss der Gemeinde in seiner jüngsten Sitzung beschlossen.

SPD, CDU und die Grünen stimmten dafür, während PRB und UWG dagegen votierten. Dr. Georg Dittmer (FDP) enthielt sich seiner Stimme.

Zuvor hatte Martin Vollnhals als Vertreter des Betreibers die Details zur beabsichtigten Nutzung des Weges erläutert. Bei dem Anliegen gehe es nicht um den Bau der Windkraftanlagen — dafür werde die Zufahrt über die B 258 im Bereich der Himmelsleiter erfolgen —, sondern lediglich um die Wartung der Anlagen. Die erfolge in den ersten beiden Betriebsjahren einmal monatlich mit einem Fahrzeug vom Typ Mercedes Sprinter und in den weiteren Betriebsjahren dann halbjährlich. Für Reparaturen sei wie beim Bau eine Zufahrt über die B 258 vorgesehen.

Ursprünglich hätte die Wartung auch über die B 258 erfolgen sollen, dafür habe der Landesbetrieb Straßenbau NRW aber keine Ausnahmegenehmigung erteilt. Also würde die Wartung der fünf Anlagen westlich der Himmelsleiter über den von der Monschauer Straße abzweigenden Weg „Mühle“ erfolgen.

Die Wartung der beiden Anlagen östlich der Himmelsleiter könne über Rotterdell und das Gebiet der Stadt Aachen erfolgen. Dafür müsse der dort vorhandene Weg aber auf einer Breite von vier Metern und einer Länge von etwa 170 Metern erweitert werden, wofür dann auch noch ein Stück Wald gerodet werden müsste. „Das wäre ein unnötiger Eingriff in die Natur und die Landschaft“, sagte Vollnhals.

Im Gegensatz dazu seien für die Nutzung des Weges der Gemeinde Roetgen, der vom Filterwerk an der L 238 zwischen Roetgen und Rott in den Münsterwald führt, kein Ausbau und keine Rodung nötig. Der Betreiber sei bereit, für die Nutzung ein „marktübliche Vergütung“ zahlen, sagte Vollnhals. Auf Nachfrage erklärte er, die Summe würde sich im dreistelligen Bereich bewegen. Ein höherer Betrag sei nicht möglich, sonst könne es sich um Bestechung handeln.

Logische Verweigerung

Silvia Bourceau (UWG) sah andere Möglichkeiten für das Unternehmen, die Anlagen zu erreichen, etwa über Rotterdell und das Gebiet der Stadt Aachen. Schließlich könne von einem guten nachbarschaftlichen Verhältnis zur Stadt Aachen, auf deren Gebiet die Windkraftanlagen entstehen werden, keine Rede sein. „Man stellt seinen Komposthaufen dem Nachbarn auch nicht direkt vor das Wohnzimmerfenster“, sagte Bourceau. Eine Verweigerung der Nutzung sei nur eine logische Konsequenz.

Michael Seidel (CDU) erklärte, die CDU sei bekannterweise kein Befürworter der Windkraftanlagen im Münsterwald. Hier gehe es aber nur um die Wartung der Anlagen, deshalb sei das Anliegen vertretbar. „Wir sind da nicht so die Prinzipienreiter“, sagte Seidel.

Klaus Onasch (SPD) hätte Verständnis für eine Verweigerung, wenn der Weg zum Bau der Anlagen nötig wäre. „Es wäre aber kleinlich, wenn wir ihn nicht für Wartungszwecke zur Verfügung stellen würden. Damit verhindern wir die Windräder nicht“, sagte er.

Ähnlich sah das auch Bernhard Müller (Grüne). Die kommunale Zusammenarbeit solle nicht wegen Kleinigkeiten gefährdet werden. Anders sehe es aus, wenn der Weg zum Bau der Anlagen genutzt würde.

Für den parteilosen Günther Severain stand der finanzielle Aspekt im Vordergrund. Der Betreiber wolle den Weg der Gemeinde „für einen Appel und ein Ei“ nutzen, um die Kosten für eine Erschließung von Rotterdell zu sparen. Wenn die Gemeinde die Nutzung ihres Weges ermögliche, müsse dafür „auch ganz normal Miete gezahlt werden“, forderte Severain.

Bernd Vogel (PRB) sprach sich gegen eine Nutzung des Gemeindeweges aus. Das sei für den Betreiber sicherlich wirtschaftlicher, aber er könne das Interesse der Gemeinde nicht erkennen.

(ag)