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Wilderei

Die Jäger in der Eifel sind wachsam

Die Jäger in der Eifel sind wachsam: Wenn sich die Tiere anders verhalten als sonst, könne das ein Hinweis sein, dass sie nachts oder vom Auto aus bejagt wurden. Das sei typisch für Wilderer, sagt der Jagdberater der Städteregion Aachen, Karl- Heinz Kuckelkorn. FOTO: Andreas Gabbert

Nordeifel Wenn nachts Schüsse zu hören sind, unbekannte Geländewagen in Waldgebieten unterwegs sind oder Kadaver von Wildtieren gefunden werden, vermuten manche, dass Wilderer am Werk sind. Ist Wilderei in der Nordeifel auch ein Thema?

Im Bereich Kreuzau und Bad Münstereifel wendeten sich jüngst einige Jäger mit diesem Verdacht an die Öffentlichkeit. Dort soll es auch zu einer Verfolgungsjagd mit den mutmaßlichen Wilderen gekommen sein.

Die Frage, ob Wilderei in der Eifel auch ein Thema ist, lässt sich nicht so einfach mit Ja oder Nein beantworten. Die Zahlen der Polizei sprechen dagegen. Von 2015 bis heute wurden vier Verdachtsfälle angezeigt, zwei in der Gemeinde Simmerath, zwei in der Gemeinde Roetgen. Im vergangenen Jahr wurden bei der Polizei im Kreis Düren drei Fälle von Wilderei angezeigt, zwei davon datieren aus dem vergangenen Dezember. Tatort war in beiden Fällen das Stadtgebiet Heimbach. In ganz Nordrhein-Westfalen sind es jährlich etwa 120 Fälle pro Jahr, die angezeigt werden. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Die Polizei geht von einer gewissen Dunkelziffer aus, und Jagdwilderei wird fast nie angezeigt.

Das hat auch Günther Plum, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Aachen, früher nicht getan, wenn er mal ein totes Tier gefunden hatte, bei dem die Vermutung nahelag, dass es nicht eines natürlichen Todes gestorben war. Die Anzeigen gegen unbekannt verlaufen in der Regel nämlich im Sande und werden von der Staatsanwaltschaft meist mangels Erfolg eingestellt.

Inzwischen hat Günther Plum seine Meinung geändert: „Ich rate jetzt dazu, Anzeige zu erstatten, auch wenn es oft zu nichts führt. Dann wird es zumindest aktenkundig“, sagt er. Erst vor kurzem habe es im Bereich Lichtenbusch einen neuen Verdachtsfall gegeben. Dort sei ein Wildschwein gefunden worden, das verdächtige Verletzungen aufwies.

Von Wilderen angeschossene Tiere verenden häufig qualvoll. Wenn das Tier nicht tödlich getroffen wurde, schreibt das Jagdgesetz die sogenannte Nachsuche vor, um unnötiges Leid zu verhindern. „Für Jäger ist das Ehrensache. Für Wilderer ist das kein Thema. So könnten sie ja auffallen“, erklärt Plum. Auch die Jagd mit Schlingen habe fürchterliche Qualen für die Tiere zur Folge, sagt er.

Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft geht im Vergleich zu den angezeigten Fällen von einer recht hohen Dunkelziffer aus. „Wenn man die Zahl der tot aufgefundenen Tiere auf die Zahl der möglicherweise verschwundenen überträgt, ist das Problem der Wilderei größer geworden“, hatte er schon vor Jahren festgestellt, und das würde er heute auch noch so sagen.

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Hohe Strafen sind möglich

Auf Wilderei stehen empfindliche Strafen, bis zu fünf Jahren Gefängnis sind in besonders schweren Fällen möglich. Was unter Wilderei zu verstehen ist, wird im Paragraphen 292 des Strafgesetzbuchs geregelt und ist sehr komplex. Von besonders schweren Fällen sprechen Juristen, wenn die Tat „gewerbs- oder gewohnheitsmäßig, zur Nachtzeit, in der Schonzeit, unter Anwendung von Schlingen oder in anderer nicht waidmännischer Weise oder von mehreren, mit Schusswaffen ausgerüsteten Beteiligten gemeinschaftlich begangen wird“. Aber auch die Mitnahme eines Geweihs, das am Boden liegt, fällt unter Wilderei.

Er hat deshalb die Jäger gebeten, wachsam zu sein, die Kennzeichen verdächtiger Fahrzeuge zu notieren und die Polizei sowie die Pächter der Nachbarreviere bei Verdachtsfällen zu informieren, aber bloß nicht selbst als eine Art Polizist aufzutreten.

„Wilderei hat es immer gegeben“, meint der Jagdberater der Städteregion Aachen, Karl-Heinz Kuckelkorn aus Lammersdorf. Seit 1986 ist er als Jagdaufseher tätig. Ob häufiger in den Wäldern der Eifel gewildert wird, kann auch er nicht mit Gewissheit sagen. „Ich befürchte aber, dass es mehr geworden ist, weil die technischen Möglichkeiten größer geworden sind“, sagt er. Dazu würden zum Beispiel Wärmebildkameras, Nachtsichtzielgeräte und Schalldämpfer zählen. Deshalb falle auch Jägern Wilderei oft kaum auf, wenn nicht gerade tote Tiere gefunden würden, die entsprechende Verletzungen aufweisen. „Das Wild tritt ja morgens nicht zum Rapport an. Ein Jäger, der sein Revier kennt, merkt aber wenn etwas nicht stimmt“, sagt Kuckelkorn. Wenn sich die Tiere anders verhalten als sonst, könne das ein Hinweis sein, dass sie nachts oder vom Auto aus bejagt wurde. „So was ist typisch für Wilderer. Beides ist Jägern nicht erlaubt. Nur Wildschweine dürfen nachts gejagt werden“, erklärt der Jagdberater.

Plum sieht das ähnlich. „Oft handelt es sich um ein nicht greifbares Gefühl, dass etwas nicht stimmt.“ Einem Auto würde das Rotwild beispielsweise meist einfach hinterhergucken. „Es sei denn, die Tiere haben schlechte Erfahrungen gemacht.“

Fast wäre es Kuckelkorn einmal gelungen, einen Wilderer zu überführen, als er im Wald unterwegs war und einen Mann mit einer Schlinge hantieren sah. „Er hat sich rausgeredet und behauptet, er wolle die Schlinge entfernen. Dann hat er mich mit seinem Hund bedroht“, berichtet der Jäger. Anschließend folgte er dem Verdächtigen bis zu dessen Auto, notierte sich das Kennzeichen und verständigte die Polizei. „Rumgekommen ist dabei nichts. Es war ihm nichts nachzuweisen.“

Wilderei sei heute ein Geschäft. „Jedes Kilo Fleisch ist bares Geld für die Wilderer. Mit Romantik wie in den Heimatfilmen von Ganghofer hat das nichts zu tun. Wenn Leute sagen, sie würden günstig Wildfleisch von Bekannten bekommen, werde ich stutzig“, sagt Kuckelkorn. „Ich weiß nicht, ob es der Fleischbeschaffung dient, oder ob es die Lust auf Abenteuer und eine Art von Spiel ist“, meint Plum.

Um Wilderei zu verhindern, bitten die Jäger um Unterstützung. „Wir müssen mehr zusammenhalten: Jäger, Landwirte, Förster, Wanderer, Reiter, Mountainbiker und alle, die im Wald unterwegs sind. Wir neigen dazu, die Augen zuzumachen. Das betrifft alle gesellschaftlichen Bereiche“, betont Kuckelkorn.

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