Lammersdorf: Wie man Handy & Co. richtig nutzt: Grundschüler lernen Medienkompetenz

Lammersdorf: Wie man Handy & Co. richtig nutzt: Grundschüler lernen Medienkompetenz

„Wer von Euch hat denn schon ein Handy?“ fragt Nicole Radis in die Klasse und zaghaft geht ein halbes Dutzend Finger hoch. „Und wer von Euch hätte gerne ein solches Gerät?“ hakt die Diplom-Pädagogin nach und erntet ein Meer emporgestreckter Schülerhände. Die Mädchen und Jungen der Klasse 4a an der Kalltalschule Lammersdorf sind durchaus repräsentativ, wenn es um die Nutzung des wohl wichtigsten Mediums unserer Zeit geht.

Denn immer mehr zieht sich die Nutzung von Mobiltelefonen schon in den Grundschulbereich und auch bei Kindern unter zehn Jahren wächst der Wunsch, bei diesem Medium nicht außen vor zu sein. Dies hat man auch an der Kalltalschule Lammersdorf erkannt und bei einem mehrwöchigen Medienprojekt in Zusammenarbeit mit professionellen Referenten interessante Erkenntnisse gewonnen.

Zunächst die Eltern informiert

Den Anstoß dazu gaben bereits vor einigen Monaten konkrete Vorfälle an der Schule, wie Schulleiterin Sandra Arnolds sich erinnert: „Wir haben festgestellt, dass bereits in der Grundschule WhatsApp-Gruppen unter den Kindern erstellt werden, in denen es zu Problemen kommt, die auch in die Schule hineingetragen werden.“ Aufgrund dieser Entwicklung sei man auf die Stellen für Suchtvorbeugung und Kriminalprävention zugegangen und habe ein Projekt zu diesem Thema organisieren können, sagt Sandra Arnolds.

Bevor die Kinder in die Workshops starten konnten, mussten ihre Eltern allerdings die Schulbank drücken. „Wir konnten Peter Arz von der Kriminalprävention der Polizei Aachen und Nicole Radis von der Fachstelle für Suchtvorbeugung zunächst als Referenten für einen Elternabend für die Eltern aller Klassen gewinnen“, freute sich die Schulleiterin. „Mögliche Gefahren der Handynutzung durch Kinder“ lautete der Titel des Abends, und viele interessierte Eltern kamen in die Schule, um sich zu informieren, zu diskutieren und auch kritische Fragen zu stellen.

Neben dem großen Thema „Umgang mit dem Smartphone“ waren das „Cyber-Mobbing“ und die „digitale Selbstdarstellung“ in Sozialen Netzwerken weitere Schwerpunktthemen. Realitätsbezogen und anhand vieler Beispiele erhielten die Eltern Informationen, bekamen Präventionstipps und wurden zum Nachdenken auch über eigenes Verhalten angeregt. Zum Schluss gab es noch Informationsbroschüren und das Angebot beider Referenten, auch persönliche Fragen zu stellen oder sich an eine der Beratungsstellen zu wenden.

Ende Januar wurde es dann spannend für die knapp 40 Kinder der vierten Klassen von Elisabeth Kreutz (4a) und Karen Waldbröl. Nicole Radis erarbeitete mit den Mädchen und Jungen intensiv das Thema Medien und spürte schnell, dass Kinder 2018 darunter etwas anderes verstehen als Zeitung, Bücher und Fernsehen. Tablet, Smartphone, Laptop und auch „Exoten“ wie Applewatch, VR-Brillen oder Alexa kennen die Kinder schon, auch wenn sie diese neueste Informationstechnik noch nicht oder ganz selten nutzen (dürfen). Und fast allen sind Programme wie WhatsApp, Instagram, Snapchat oder Youtube ein Begriff.

In der Freizeit andere Dinge tun

Doch vorbildlich berichteten die Kinder auch von Regeln, die es im Umgang mit solchen Geräten und Programmen zu Hause einzuhalten gilt. „Meine Schwester motzt dann immer rum, wenn sie fürs Abendessen das Handy weglegen muss. Und Papa telefoniert manchmal noch am Tisch. Er sagt dann immer, es sei wichtig“, erzählt ein Junge ganz offen.

Nicole Radis lenkte die Schulstunde der besonderen Art hin zu sanften Tipps, wie lange man elektronische Medien nutzen („insgesamt maximal eine Stunde am Tag“) und warum man es zeitlich einschränken sollte. Beim „Ich-Spiel“ im Kreis schärfte die Pädagogin das Bewusstsein der Kinder „für all die anderen tollen Dinge, die ihr in Eurer Freizeit machen könnt, besonders mit Freunden“.

Peter Arz, der „Polizist ohne Uniform“, widmete sich dann bei der Fortsetzung des Medienprojekts nach Karneval vor allem dem Thema Mobbing — auch und besonders via Smartphone und in der Schule. Anschaulich stellte der Experte von der Kriminalprävention die Rollen eines Mobbings vor: von Ole, dem Opfer und seinem Verteidiger Vito, über die Täter Till und Theo und die Mittäter Moritz und Miriam bis hin zu den Lachern und Nichtstuern, „die genau so schlimm sind“, so Arz. Auch dass es kein Petzen ist, wenn man Mobbing dem Lehrer erzählt, was man mit einem Kettenbrief macht und welche Rechte man am eigenen Bild hat, gab Peter Arz den Kindern mit auf den Weg.

Als zum Ende des Medienprojekts gefragt wurde, wer denn ein eigenes Handy besitzt, gingen in der 4a schon mehr Finger hoch. „Einige Kinder wurden für ein gutes Zeugnis belohnt“, wusste ihre Lehrerin. Außerdem sind die „Kalltal-Kinder“ nun fit im Umgang mit Smartphone und Co.