Simmerath: Werden die Steinsetzungen an der Kall zum Bodendenkmal?

Simmerath : Werden die Steinsetzungen an der Kall zum Bodendenkmal?

Vermutlich wird das Rätsel um die Steinsetzungen an der Kall nahe Bickerath nie gelöst werden, aber inzwischen sind die zum Teil tonnenschweren Steine, die aufrecht im Erdreich stehen und eine lange Reihe bilden, wenigstens tiefer ins öffentliche Bewusstsein gedrungen. Zu finden sind Steinsetzungen im Kalltal bei Simmerath sowie zwischen Bickerath und Lammersdorf.

Die Steinformationen wurden inzwischen freigeschnitten. Seit altersher gehören sie zum vertrauten Landschaftsbild. Was aber hat es damit auf sich?

Diese Frage beschäftigt seit knapp vier Jahren auch die Hobby-Heimatforscherin Resi Röder aus Simmerath, die sich mit der häufig gehörten Erklärung, dass Landwirte ihre Felder von schweren Steinen geräumt hätten und diese am Rand der Wiesen aufschichteten, nicht mehr zufrieden geben wollte. Resi Röder ist fest überzeugt davon, dass die tief in den Boden eingelassenen Steine „für die Ewigkeit“ gesetzt wurden und möglicherweise auf Opfer- oder Grabstätten hinweisen. Außergewöhnlich sei auch die aus schweren Steinplatten errichtete Brücke über die Kall.

Experte vor Ort

Der nachhaltige Einsatz von Resi Röder, die auch ein Buch zum Thema veröffentlichte, scheint jetzt Früchte zu tragen, denn auch die Fachwelt hat sich inzwischen näher mit den auffälligen Formationen befasst. Resi Röder verfolgt jetzt das Ziel, dass die Steinsetzungen als Bodendenkmal unter Schutz gestellt werden, auch wenn dieser Prozess wahrscheinlich noch viele Jahre dauern wird.

Dr. Matthias Piecha vom Geologischen Dienst NRW in Krefeld hat vor sechs Wochen eine Ortsbesichtigung an der Kall vorgenommen. Die hier vorgefundenen quarzitischen Sandsteine, die zur Kalltal-Formation gehörten, stammten aus der Unterdevon-Zeit und seien etwa 415 Millionen alt. Beim für die Steinreihen verwendeten Material handele es sich um Ton-, Schluff- oder Sandsteine der Wehebach-Formation aus der Tremadoc-Zeit im Unterordoviz, so der Experte. Das Alter des Gesteins schätzt der Geologe auf ungefähr 480 Millionen Jahre. „Alle Gesteine stammen aus der unmittelbaren Umgebung“, sagt Dr. Piecha in seinem Gutachten. Aus der Sicht des Geologen könne er lediglich Angaben zum Gestein selbst machen, „jedoch keine Angaben zum Zeitpunkt und den Gründen für die Setzung der Steine“. Diese Aufgabe müssten die zuständigen Fachbehörden erledigen.

Resi Röder stellte das Gutachten des Geologischen Dienstes Krefeld umgehend dem Landschaftsverband Rheinland zur Verfügung, und erhielt eine erfreuliche Antwort: „Die historische Bedeutung der Steinbrücke sowie die Bedeutung der in den ‚Knicks‘ verbauten Steine für die neuzeitliche Kulturlandschaft ist unstrittig“, schrieb Petra Tutlies vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Die Steinformationen seien schützenswert, da sie ein Merkmal für die Heckenlandschaft rund um das Kalltal darstellten.

Seitens des Landschaftsverbandes wurde auch die Gemeinde Simmerath in ihrer Funktion als Untere Denkmalbehörde in das Verfahren eingebunden.

Resi Röder hat zwischenzeitlich eine positive Antwort des Bürgermeisters erhalten, der eine Unterschutzstellung der Steinsetzungen als Bodendenkmal für sinnvoll hält. Sobald vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege ein entsprechendes Eintragungsersuchen vorliege, werde man seitens der Verwaltung gerne das förmliche Verfahren zur Eintragung in die Liste der Bodendenkmäler einleiten.

(P. St.)
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