Nordeifel: Wenn Musik auf einmal viel Arbeit für Pfarrgemeinden macht

Nordeifel : Wenn Musik auf einmal viel Arbeit für Pfarrgemeinden macht

Wenn demnächst auf Pfarrfesten, Seniorenveranstaltungen und anderen Feiern der Pfarrgemeinden Musik erklingt, dürfte das mit mehr Kosten und einem deutlich höheren bürokratischen Aufwand verbunden sein als bisher. Seit Anfang des Jahres müssen die Pfarrgemeinden nämlich solche Veranstaltungen bei der Rechteverwertungsgesellschaft Gema anmelden und entsprechend abrechnen.

Ende März ist die von der Gema gewährte Frist abgelaufen. Gottesdienste sind von dieser Regelung aber nicht betroffen. Nachdem die Gema die Jahrespauschale für die öffentliche Nutzung von Musik in Höhe von 45 Euro jährlich pro Pfarre auf 75 Euro erhöhen wollte, war die katholische Kirche im Gegensatz zur evangelischen Kirche nicht bereit, den neuen Vertrag zu akzeptieren. Der alte Vertrag wurde von der Gema gekündigt.

Dieser habe pauschal eine geringe Anzahl von Veranstaltungen abgedeckt, erklärt der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn (DBK), Matthias Kopp. Zu diesen Veranstaltungen hätten ein Pfarrfest pro Jahr, ein Kindergartenfest pro Jahr und eine Seniorenveranstaltung pro Monat gehört. Diese Veranstaltungen seien bis zum 31. Dezember 2017 weder melde- noch vergütungspflichtig gewesen. Allerdings hätten auch in der Vergangenheit alle Konzerte der Ernsten Musik, der liturgischen Musik und Konzerte mit Gospelgesang bei der Gema gemeldet werden müssen.

Alle anderen Veranstaltungen seien auch bisher melde- und vergütungspflichtig gewesen. „Eine Fortführung dieses Vertrages ist letztlich daran gescheitert, dass die Vertragspartner keine Einigung über eine angemessene Vergütung und Vertragslaufzeit sowie über eine substanzielle Verringerung der Meldepflichten für die kirchlichen Veranstalter erzielen konnten“, sagt Kopp.

Stattdessen gibt es jetzt einen Rahmenvertrag, der für alle kirchlichen Einrichtungen einen Nachlass von 20 Prozent auf die zu zahlenden Tarife gewährt. Bei religiöser, sozialer oder kultureller Zweckbestimmung der Veranstaltung werden weitere 15 Prozent Rabatt gewährt. Wie viel gezahlt werden muss, hängt unter anderem von der Größe des Veranstaltungsraumes und der Höhe des Eintritts ab.

Das Bistum Aachen bedauert „den Rückschritt“, zu dem es durch den neuen Vertrag gekommen sei. „Die vertraglichen Neuregelungen sind erst um die Jahreswende 2017/2018 bekannt geworden, so dass von Seiten der Bistümer kein nachhaltiger Einfluss mehr auf die Verhandlungen ausgeübt werden konnte“, heißt es in einer Stellungnahme.

„Das stellt uns schon vor große Herausforderungen“, sagt Pfarrer Michael Stoffels als Leiter der Gemeinschaft der katholischen Gemeinden „Selige Helena Stollenwerk Simmerath“. Ein Pfarrfest lebe davon, dass sich alle ehrenamtlich einbringen würden — die Vereine und die Bevölkerung. „Jetzt müssen wir Gebühren für den ehrenamtlichen Einsatz bezahlen. Das ist für mich schwierig nachzuvollziehen. Wir überlegen jetzt, wie wir damit umgehen werden“, sagt Stoffels.

Der finanzielle Aufwand sei nicht so groß, aber das neue Gesetz bringe viel „Papierkram“ mit sich, meint die Koordinatorin der Verwaltung im Kirchengemeindeverband Monschau, Gisela Peeters. Ein Pfarrfest bedeute viel Organisation, da sei man froh, auf ehrenamtliche Helfer zurückgreifen zu können.

„Schade, dass die jetzt auch noch die Formulare ausfüllen müssen. Es wird alles komplizierter. Ohne die Ehrenamtler wäre das gar nicht zu stemmen, deshalb möchten wir sie gerne entlasten. Aber so ist das nicht möglich, im Gegenteil“, sagt Peeters. Das einzig Positive sei, dass jetzt auf die Gema viele Anträge und eine Menge Arbeit zu käme. „Vielleicht überlegen die sich das ja nochmal“, sagt Peeters.

Das Thema sei eine komplexe Angelegenheit, sagt Dieter Hennes, Vorsitzender des Kirchengemeindeverbands Aachen-Kornelimünster/Roetgen An der Himmelsleiter. Durch die Erfassung der Daten und den damit verbundenen Zeitaufwand entstünden auch deutlich höhere Kosten. Außerdem befürchte er auch stärkere Kontrollen der Gema durch das höhere Potenzial an Gebühren. Auch Hennes hat die Ehrenamtler im Blick: „Ich bin mir nicht sicher, ob man den Ehrenamtlern zumuten kann, alles penibel weiterzuleiten“, sagt er.

Auch das Bistum würde gerne wieder zu einer Pauschalvereinbarung zurückkehren. Das würde letztlich auch für die Gema den jetzt eintretenden Verfahrensaufwand verringern; immerhin muss auch die Gema nunmehr jede einzelne gemeldete Veranstaltung abrechnen.

(ag)
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