Hanfplantage im Keller: Wenn die Polizei kommt und das Falsche findet

Hanfplantage im Keller : Wenn die Polizei kommt und das Falsche findet

Mit einer Strafe von einem Jahr und zehn Monaten Haft ist der aus Imgenbroich stammende Schrotthändler Heinz-Dieter K. (61) noch richtig gut beim Aachener Landgericht weggekommen, vor allem auch deswegen, weil sie zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Denn der seit einiger Zeit in einer argen finanziellen Klemme steckende Angeklagte war auf die Angebote eines niederländischen Brüderpaars eingegangen und hatte es zugelassen, dass die beiden Anbauexperten für Maríhuana-Pflanzen bei ihm in seinem Haus und dort in einem hübschen Kellerraum ihre Pflänzlinge aufziehen durften.

Ab Oktober 2016 bis Ende Januar 2017 zogen sie mindestens 130 Setzlinge in Kübeln, sie hatten zuvor, wie ein Experte des LKA bestätigte, „eine professionelle Lichtanlage“ und ein ebenso professionelles Bewässerungssystem installiert. Der Ertrag: mindestens sechs Kilogramm Marihuana bester Qualität.

Der Angeklagte hatte zugegeben, im Verlaufe der „Handlangerdienste“ für die beiden Holländer verrichtet zu haben, er wässerte die Pflanzen und blieb zudem am Ende des Arrangements noch auf einer Stromrechnung von 7000 Euro sitzen.

ARD-Eifelserie „Mord mit Aussicht“

Die kriminellen Aktivitäten des immer wieder von Krankheiten heimgesuchten Altmetallhändlers hätten auch für eine Folge der ARD-Eifelserie „Mord mit Aussicht“ gereicht. Denn die Plantage in dem großen Haus mit zwei Garagen, in dem der Angeklagte nach eignen Aussagen ebenso immer wieder alte Wagen herrichtete und ähnlich wie der ehemalige Fernsehstar MacGyver alle möglichen E-Geräte mit geringsten Bordmitteln wiederherstellte, flog keineswegs durch einen völlig überhöhten und mithin verdächtigen Stromverbrauch auf.

Nein, als bei einem Anwalt eingebrochen worden war, verdächtigte dieser den jetzigen Angeklagten, er habe entweder Sachen mitgehen lassen oder die Beute zumindest als Hehlerware versteckt. Der Anwalt mobilisierte die Polizei, die mit einem Hausdurchsuchungsbefehl kam   – und im Keller verdächtige Pflanzenkübel fand. Die Beamten suchten weiter und stießen auf die Plantage mit den rund 130  Hänflingen, die allerdings gerade seit zwei Tagen abgeerntet waren und sicherlich in den Niederlanden ihre Abnehmer fanden – und vermutlich als sogenannte „Reimporte“ wieder im deutschen Grenzgebiet landen.

Dem Vorsitzenden der 7. Großen Strafkammer,  Richter Jürgen Beneking, gingen die anfänglichen Einlassungen des 61-Jährigen lang nicht weit genug. „Ihre Handlangerdienste“, herrschte er den Angeklagten an, „waren mehr als das. Sie haben die Pflanzen regelmäßig gewässert und ihnen sogar Dünger zugeführt“, stellte der Richter fest, am Ende gab K. das auch zu.

„Im Oktober angefangen“

Doch weit schlimmer schien zunächst die Sache mit dem Strom zu sein. Denn der LKA-Experte hatte aus den Daten des Stromanbieters errechnet, dass mit diesen Massen an Energie, die damals verbraucht wurden, nicht nur eine Ernte, sondern möglicherweise noch zwei weitere aufgezogen worden waren – was der Angeklagte jedoch vehement abstritt. „Ich habe erst im Oktober angefangen“, beteuerte er immer wieder. Doch dann tauchten aus den Tiefen der Verteidiger-Akte von Rechtsanwalt Thomas Pohlhammer diverse Belege und Abrechnungsnachweise des Stromanbieters auf, die in einer solchen Verwirrung endeten, dass die Kammer hier nicht verlässlich einen festen Betrag an Kilowattstunden belegen konnte, man einigte sich auf nur eine Ernte.

„In Sachen  Handel mit Betäubungsmitteln haben wir Sie nur wegen Beihilfe dazu verurteilt“, klärte Richter Beneking am Ende auf, als Mittäter hätte die Strafe wesentlich höher ausfallen müssen, sagte er. Die beiden niederländischen Plantagenbetreiber sind inzwischen festgenommen, ihnen droht ebenso ein Prozess.

Mehr von Aachener Nachrichten