Nordeifel: Weinbergschnecken: Immer mit großem Haus unterwegs

Nordeifel: Weinbergschnecken: Immer mit großem Haus unterwegs

In unserer Region gibt es bis auf einen kleinen Weingarten bei Dedenborn keinen Weinanbau, aber Weinbergschnecken gibt es zumindest im Rurtal bei Dedenborn jede Menge. Sie sind die größten Gehäuseschnecken in der hiesigen Gegend.

Ihr Schneckenhaus kann durchaus einen Durchmesser von bis zu fünf Zentimetern erreichen. Sie sind im Gegensatz zu den großen Nacktschnecken keine Gartenschädlinge, denn sie ziehen welke Nahrung frischen Pflanzen vor. So sind sie denn auch in Dedenborn vorwiegend an Komposthaufen oder Abfallplätzen zu finden. Auf der Suche nach geeigneter Nahrung verlässt sich die Weinbergschnecke — wie alle anderen Schnecken auch — auf ihre vier Fühler.

Ihre Raspelzunge, mit der sie die Nahrung aufnimmt, besitzt nahezu tausend winzige Zähnchen. Sie ist wie das Band eines Schaufelradbaggers ausgebaut: Die Zunge bewegt sich über einen Knorpelkern und wird dabei durch die Nahrung gezogen. Die Zähnchen lösen dabei kleinste Teile aus der Nahrung und befördern sie nach hinten in den Schlund. Im hinteren Bereich der Raspelzunge entstehen laufend neue Zähnchen, die die abgenutzten Zähne ersetzen.

Weinbergschnecken sind Zwitter und besitzen männliche wie weibliche Geschlechtsorgane. Aufgrund ihrer langsamen Fortbewegung ist ihr Aktionsradius sehr klein und die Chance, auf einen Paarungspartner zu treffen, ist relativ gering.

Als Zwitter haben sie nun die Möglichkeit, sich mit jedem paarungsbereiten Artgenossen zu paaren, auf den sie treffen. Außerdem kann die Begattung wechselseitig erfolgen, das heißt, sie kann gleichzeitig als Männchen und als Weibchen fungieren. Bei der langsamen Fortbewegungsweise der Schnecken ist dieses Ergebnis der Evolution ein wirklich enormer Vorteil.

Vier bis sechs Wochen nach der Paarung — Ende Juni bis Mitte August — sucht die Weinbergschnecke einen passenden Ort für die Eiablage auf, was in der Regel eine selbst gegrabene Höhle von mit einer Tiefe von drei bis fünf Zentimetern ist. Wenn es ihr gelungen ist, ein passendes Versteck zu vollenden, beginnt sie während einer mehrstündigen Pause mit der Befruchtung der Eier.

In Zeitabständen von 15 bis 30 Minuten legt die Schnecke etwa sechs Millimeter große Eier. Die Gelegegröße schwankt zwischen 40 und 60 Eiern, deren Ablage 20 bis 30 Stunden dauern kann. Anschließend kriecht sie aus der Höhle und deckt sie mit Erdkrumen zu, und die Entwicklung der jungen Schnecken findet ohne weiteres Zutun der Schnecken statt.

Es dauert vier bis fünf Wochen, bis aus den befruchteten Eiern die Jungschnecken schlüpfen, die schon ein durchsichtiges Gehäuse besitzen. Die ersten acht bis zehn Tage verbringen die Jungschnecken noch in der Bruthöhle, aus der sie sich mit eigener Kraft befreien müssen. Anschließend versuchen sie, so schnell wie möglich an Pflanzenstängeln emporzuklettern, um Fressfeinden wie Ameisen am Boden zu entkommen.

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