Weidetierhalter: So soll die Eifel mit dem Wolf leben

Landesbehörden informieren die Bevölkerung : So soll die Eifel mit dem Wolf leben

Der Wolf ist zurück in der Eifel. Und er wird bleiben. Davon gehen die Experten der zuständigen Landesbehörden aus. Warum das nicht zwangsläufig Probleme bereiten muss, erläuterten sie im Rahmen einer Informationsveranstaltung im Kulturkino Vogelsang.

Über mehrere Stunden mühten sich Vertreter vom Landesumweltamt (Lanuv), dem NRW-Umweltministerium und der Landwirtschaftskammer darum, die Skepsis des Publikums auszuräumen. Knapp 60 Menschen waren in das Herz des Nationalparks gekommen, darunter viele Halter von Schafen und anderen Weidetieren aus dem Monschauer und Schleidener Land.

Groß sind die Befürchtungen vor allem von Berufsschäfern und auch Hobbyzüchtern, nachdem ein Wolf am 12. April dieses Jahres bei Mützenich ein Schaf gerissen hatte. Denn GW926m – so die Bezeichnung der Experten für das Tier – tötete daraufhin am 29. April und am 14. Mai drei weitere Schafe, wobei in zwei Fällen der Nachweis nicht hundertprozentig gelang. Dass seither Ruhe herrscht, muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass der Wolfsrüde weitergezogen ist. „Wölfe decken hierzulande ihren Nahrungsbedarf zu 98 bis 99 Prozent mit Wildtieren ab“, erklärt Matthias Kaiser. Oft erbeuteten sie zum Beispiel Rehe.

Die Tiere meiden den Menschen

Der Wolfsexperte vom Lanuv zeichnete die Spur des Eifeler Wolfs und auch die seiner bei Schermbeck lebenden Artgenossin minutiös nach. Demnach nutzen die Tiere durchaus menschliche Infrastruktur bis hin zu Rheinbrücken und legen dabei erstaunlich lange Strecken zurück. Sie meiden den Menschen im Regelfall aber wie der Teufel das Weihwasser. Für die Bevölkerung heißt das: „Es ist extrem unwahrscheinlich, dass Sie jemals einen Wolf zu Gesicht bekommen werden.“

Klar ist mittlerweile wohl, dass es sich bei dem im Hohen Venn fotografierten Wolf um GW926m handelt. „Wir haben nur eine grobe Vorstellung von seinem Territorium, weil der Wolf hier im Gegensatz zu Schermbeck sehr selten Spuren hinterlässt“, sagte Kaiser. Das Tier halte sich offenbar meist jenseits der Grenze in Belgien auf und unternehme ab und zu Streifzüge ins Monschauer Land. Weil der Wolf aber allen Anzeichen zufolge ein festes Territorium nutzt, ist die Eifel seit Juli offiziell Wolfsgebiet.

„Wir werden dafür sorgen, dass Sie als Tierhalter nicht die Leidtragenden sind“, versprach Christian Stang vom Landesumweltministerium dem Publikum auf Vogelsang. Tatsächlich können Weidetierhalter inzwischen auf umfangreiche staatliche Hilfen zurückgreifen, sollten ihre Tiere einem Wolf zum Opfer fallen. So betonten die Experten, dass im Falle eines Risses der Schaden nicht nur ersetzt werde, wenn es sich um Schafe und Ziegen handele. „Wir ersetzen auch mögliche, aber nicht sehr wahrscheinliche Schäden bei Kühen, Pferden oder auch Jagdhunden“, sagte Stang.

Infoabend im Kulturkino Vogelsang: Rund 60 Interessierte sind gekommen, darunter viele Halter von Schafen und anderen Weidetieren. Foto: Marco Rose

Im Wolfsgebiet und der angrenzenden Pufferzone können sich Tierhalter auch vorbeugende Maßnahmen zu 100 Prozent vom Staat bezahlen lassen. Darunter fallen Weideschutzzäune und bei Haltern von größeren Schafsherden (ab 100 Tiere) auch Kauf und Ausbildung von Herdenschutzhunden. Stang: „Darüber hinaus kommen wir auch für Tierarztkosten auf.“

Das Publikum im Saal folgte den nüchtern vorgetragenen Ausführungen ohne nennenswerte Emotionen. Die kamen lediglich auf, als einzelne Tierhalter von ihren Sorgen berichteten. Eine Frau erzählte, wie sie mit ihrem kleinen Hund mehrere Nächte im Zelt bei ihrer Herde ausgeharrt habe, um den Wolf im Ernstfall vertreiben zu können. „Ist das überhaupt eine gute Idee, wenn ich mich zwischen die Schafe und den Wolf werfe? Gerät er dann in einen Blutrausch und greift auch mich und meinen Hund an?“, wollte sie wissen.

Lanuv-Experte Kaiser konnte sich ein leichtes Schmunzeln trotz der ernsten Thematik nicht verkneifen. Einen „Blutrausch“ kenne die Wissenschaft nicht. Tatsächlich töteten Wölfe in Gehegen mehr Tiere, als sie fressen könnten, weil sie die Situation aus freier Wildbahn nicht kennen würden. „Denn dort flüchten die übrigen Rehe, wenn der Wolf zuschlägt.“ Im Zelt müsse dennoch niemand übernachten. Im Regelfall reiche ein Schutzzaun aus.

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