Roetgen: Was macht den Roetgener zum Roetgener? Diskussion über die Heimat

Roetgen : Was macht den Roetgener zum Roetgener? Diskussion über die Heimat

Eins wurde an diesem Abend schnell klar: Egal ob alteingesessener Roetgener oder Zugezogener — die Einwohner der Gemeinde sehen sich als Gemeinschaft. Anlässlich des „Tags der Lokalpresse“ hatten der Zeitungsverlag Aachen und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) unter dem provokanten Motto „Wie viel Aachen verträgt Roetgen“ in den Bürgersaal der Gemeinde Roetgen eingeladen.

Viele Besucher waren zur Veranstaltung gekommen und sprachen und diskutierten über ihren Heimatort.

Im Rahmen des „Tags der Lokalpresse“ hatten sich viele Interessierte im Roetgener Bürgersaal eingefunden, um über den Ort zu sprechen und zu diskutieren. Unter dem gewählten Motto „Wie viel Aachen verträgt Roetgen“ wurde eins schnell klar: Egal ob alteingesessener oder zugezogener Roetgener — die Einwohner der Gemeinde sehen sich als eine Gemeinschaft. Foto: H. Schepp

Moderiert wurde die Veranstaltung von René Benden, verantwortlicher Leiter der Lokalredaktionen dieser Zeitung, und Hubert vom Venn als Vertreter des DJV. Im Gespräch mit Bürgermeister Jorma Klauss, Silvia Bourceau und Rolf Wilden vom Heimat- und Geschichtsverein ging es unter anderem um das „Roetgener Lebensgefühl“, die B 258, die infrastrukturelle Entwicklung und das Vereins- sowie soziale Leben.

BU. Foto: H. Schepp

Was macht Roetgen aus?

Die erste Station am „Tag der Lokalpresse“ war am frühen Morgen die Gemeinschaftsgrundschule Roetgen. Es war eine tolle Überraschung für die Kinder der Klasse 4c, als der pfiffige Kater Karlo Clever das Klassenzimmer betrat (Bild oben). Am Nachmittag tauschte sich die Redaktion und Hubert vom Venn als Vertreter des Deutschen Journalisten-Verbands mit dem Jugendbeirat aus. Foto: R. Benden

„Was Roetgen ausmacht ist, dass wir gemeinsam viel auf die Beine stellen und es keinen Unterschied macht, ob man ein Ur-Roetgener oder ein Zugezogener ist“, sagte Jorma Klauss, der selbst auch kein Ur-Roetgener ist. Diese Stellungnahme fand bereits zu Anfang große Zustimmung des Publikums. Eine Diskrepanz zu schaffen, davon solle man sich verabschieden. „Wir sind alles Eifeler und wir bleiben auch Eifeler“, sagte Hubert vom Venn. Ob es das Roetgener Lebensgefühl gibt? Beschreiben konnte Siliva Bourceau das nicht. „Dass ich mein Dorf liebe, in dem ich schon jahrelang lebe, ist glaube ich klar“, sagte sie. Trotzdem fühle sie sich manchmal so, als stecke man sie in Schubladen. „In Aachen bin ich ein Bauernmädchen, in der ‚richtigen Eifel‘ die Vorstadttante.“

Was hat sich in den vergangenen Jahren verändert?

Verändert hat sich in den vergangenen Jahren einiges in Roetgen. Die Entwicklung der Bevölkerung zeigt die Beliebtheit der Gemeinde als Wohnort auf: 1970 waren es 4800 Einwohner, heute sind es 8500. Auch bauliche Veränderungen stehen im Raum. „Wird ein Haus abgerissen, geht es nicht unbedingt um den Wert des Gebäudes, sondern um die Wahrnehmung der Leute. Wenn sich solche baulichen Veränderungen häufen, ist man nicht mehr zufrieden“, sagte Rolf Wilden.

B 258 — Fluch oder Segen?

„Die B 258 ist Fluch und Segen zugleich. Ohne die Bundesstraße hätten wir nicht so eine gute Nahversorgung. Trotzdem teilt sie Roetgen in zwei Teile“, sagte Klauss. Dass es abbiegende Autofahrer sowie querende Fußgänger und Kinder hier schwer haben, weiß der Bürgermeister. „Für dieses Problem muss eine Lösung gefunden werden. Dass wir an der Rosentalstraße eine Ampel bekommen werden, ist ein erster Schritt. Das mag nicht jedem gefallen, aber die Sicherheit ist wichtig“, erklärte er.

Wie will man Verkehrsprobleme lösen?

Die Gemeinde Roetgen brauche mehr öffentlichen Personennahverkehr, um die Verkehrsprobleme besser in den Griff zu bekommen, sagte Klauss. Indes hätte Wilden die ehemalige Bahnanbindung gerne erhalten. Satt einer immer wieder diskutierten Ortsumgehung sehe er einer Zugverbindung als die bessere Alternative. Dem Bürgermeister gefiel die Idee einer Zugverbindung nach Roetgen — und sogar bis nach Monschau. „Ich glaube, da müssen wir aber sehr weit in die Zukunft blicken, bevor hier eine Bahn fährt“, sagte er. Trotzdem sei Roetgen sicher nicht die letzte regionale Kommune, die auch andere Verkehrsmöglichkeiten ins Auge fasse.

Wie könnte ein Konzept für den Ortskern und das soziale Leben aussehen?

„Es ist gut, dass wir uns jetzt Gedanken darum machen, wie Roetgen sich entwickeln soll“, sagte Klauss. Weil man hinsichtlich des Ortskerns selbst vor einer großen Herausforderung stehe, werde man sich Hilfe suchen. „Wir lassen uns beraten und werden auch intensiv diskutieren müssen. Wenn es einfach wäre, hätten wir es schon längst erledigt.“ Den Ortskern dürfe man aber nicht schlecht reden. Hervorragende Händler und Unternehmen seien an der Hauptstraße angesiedelt. „Wir müssen dafür sorgen, dass es so bleibt. Und wir müssen einen Punkt schaffen, wo das Ortsleben stattfinden kann und der einen Begegnungsort für die Einwohner bietet“, erklärte Klauss.

Wie hat sich das Vereinsleben entwickelt?

Dass sich auch das Vereinsleben verändert hat, liegt auf der Hand. „Das ist kein ortsspezifisches Problem, sondern ein gesellschaftliches. Es liegt einfach an mangelnder Zeit“, fand Bourceau. Laut Wilden gebe es immer noch Vereine, die „Vrääme“, also fremde — zugezogene — Leute, nicht akzeptieren würden. Aber laut Bourceau müsse man nicht nur die negativen, sondern vor allem die positiven Aspekte der Gemeinde Roetgen sehen. Viele Projekte würden „neu“ und „alt“ verbinden.

Bei kühlen Getränken und warmen Hotdogs gingen die persönlichen Unterhaltungen mit den Besuchern weiter. Die Gesprächsteilnehmer äußerten noch ihre Wünsche und Visionen für die Zukunft des Ortes. Dabei standen nicht nur ein vernünftiges Verkehrskonzept und mehr Gemeinschaftsgefühl in Roetgen auf der Liste. „Ich schätze das Lockere und Luftige, und ich wünsche mir, dass wir den Spagat zwischen Dorf und Vorstadt hinkriegen“, sagte Silvia Bourceau. Den Bürgermeister freute es vor allem, dass Roetgen eine so junge Gemeinde sei und hoffte, dass das auch in zehn Jahren noch zutreffe.

Begonnen hatte der „Tag der Lokalpresse“ bereits am Morgen in der Gemeinschaftsgrundschule Roetgen, wo sich auch die jüngsten Leser sehr interessiert und gut informiert über das Medium Zeitung zeigten. Karlo Clever, das Maskottchen der Kinderseite dieser Zeitung, war für die Kinder kein Unbekannter. Am Nachmittag hatten sich Vertreter der Redaktion im Kaminzimmer der Tourist-Info mit dem Jugendbeirat getroffen, zusammen mit Hubert vom Venn und Bürgermeister Klauss. In kleiner Runde sprach man nicht nur über den Beruf des Journalismus, sondern auch über inhaltliche Themen und Ideen, wie lokale Pressearbeit besser an Jugendliche herangeführt werden könnte.

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