Einruhr: Vor 60 Jahren ist Pleushütte im Stausee versunken

Einruhr: Vor 60 Jahren ist Pleushütte im Stausee versunken

Als die Rurtalsperre vor 60 Jahren aufgestockt wurde, war das für viele Menschen aus Einruhr und Pleushütte ein einschneidendes Ereignis. Viele Einwohner der beiden Orte, die lediglich durch die Rur getrennt waren, mussten umsiedeln oder verließen ihre Heimat ganz. Dabei traf es Pleushütte besonders hart, da es mit der Aufstockung der Talsperre dem Untergang geweiht war.

Nach der Einweihung der Rurtalsperre im Jahr 1938 wurde 1952 entschieden, den See aufzustocken, was die Emotionen bei den Betroffenen in den Orten hochkochen ließ. Fakt war, dass der See, der bisher mehrere Kilometer unterhalb von Einruhr endete, das Dorf seitlich umschließen und Pleushütte ganz von den Fluten verschlungen würde. Trotz erbitterten Widerstandes begannen 1955 in Rurberg die Bauarbeiten am Paulusdamm, der dann 1958 fertig wurde.

Einruhr und Pleushütte (im unteren Bildteil) waren vor der Aufstockung der Talsperre nur durch die Rur getrennt. 1958 versank Pleushütte dann in den Fluten. Siegbert Heup (r.), der heutige Vorsitzende des Eifelvereins Einruhr/Erkensrur, wurde in Pleushütte geboren. Als junger Bursche hat er die Flutung seines Geburtsortes miterlebt und weiß als Zeitzeuge darüber zu berichten. Foto: Karl-Heinz Hoffmann

Der in Pleushütte geborene Siegbert Heup (76), kann sich noch erinnern, dass vor der Flutung das Eisenwerk geschlossen, Häuser abgetragen und Familien umgesiedelt wurden. Heup, Vorsitzender des Eifelvereins Einruhr/Erkenrur, ist als junger Bursche nach Kriegsende bereits nach Einruhr umgezogen und hat noch in Erinnerung, dass einige Familien vor der Flutung ins Bergische Land gezogen sind.

Nach der Flutung brauchte es einige Zeit, bis sich der Fremdenverkehr in Einruhr wieder in verstärktem Maße einfand. Allerdings war Einruhr schon vor der Aufstockung bei Touristen beliebt. Die Gäste kamen, um in der Rur zu baden und um bei den Bauern auf den Heuböden für wenig Geld zu schlafen.

Das waren die Zeiten, in denen in den Gästezimmern lediglich ein Krug mit Wasser zum Waschen stand. In den 1960er Jahren tauchten dann die ersten Schilder auf, die mit fließendem warmen Wasser in den Pensionen warben, womit sich Einruhr im Laufe der Zeit zum „Dorf am See“ und einem bedeutenden touristischen Ziel wandelte.

Großbaustelle über Jahre

Mit der Aufstockung der Talsperre änderte sich das Gesicht des Dorfes grundlegend. Über Jahre war Einruhr eine einzige Großbaustelle. Zwölf Häuser wurden in Einruhr abgerissen und auf dem angeschütteten Gelände wieder neu errichtet. Im Zuge der Neugestaltung des Dorfes wurde am Ufer des Sees ein Badestrand ausgebaut und ein Landesteg für die Elektroboote der Rursee-Schifffahrt eingerichtet.

Die B 266 musste auf einer Strecke von zwei Kilometern verlegt und die Rurbrücke im Zuge der Bundesstraße erneuert werden. Rund 200 Morgen wurden angeschüttet, um das Land vor der Wasserflut zu schützen. Siegbert Heup erinnert sich noch daran, dass damals der Friedhof verlegt und eine neue Schule gebaut werden musste.

Eine der wichtigsten Maßnahmen war der Bau einer modernen Kanalisation mit Kläranlage, die auch den Anforderungen eines Ferien- und Fremdenverkehrsortes zu entsprechen hatte. Heup: „Wir waren damals einer der ersten Orte, die kanalisiert wurden.“ Da auch die Trinkwasserversorgung des Ortes verloren gegangen war, musste in Einruhr ein neuer Hochbehälter angelegt werden, der mit einer durch den Obersee verlaufenden Rohrleitung mit dem Hochbehälter in Rurberg verbunden wurde.

Im Laufe der Jahre sind die Wunden, die durch die Aufstockung des Sees und die Flutung von Pleushütte entstanden waren, längst verschwunden, da sich Einruhr danach mit seinem Markennamen „Dorf am See“ zu einem überaus beliebten touristischen Ziel entwickelte.

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