Roetgen: Von Neujahr an bleibt das „Füllhorn” leer

Roetgen : Von Neujahr an bleibt das „Füllhorn” leer

„Fast jeden Stein hier habe ich selbst in der Hand gehabt”, sagt Hans-Dieter Fischer und schaut dabei ein wenig wehmütig auf die Mauern seines Lokals.

Seit 1941 ist das Haus, das heute das Restaurant „Zum Füllhorn” beherbergt, bereits in Familienbesitz, und seit 1993 wird das Roetgener Traditionslokal an der Hauptstraße von Hans-Dieter Fischer und seiner Frau Elke betrieben. Doch damit soll es ab Mittwoch vorbei sein: „Silvester ist unser letzter Tag, dann machen wir zu.”

Der Grund für diese schweren Herzens getroffene Entscheidung ist der Gesundheitszustand des Ur-Roetgeners, der eine weitere Tätigkeit als Wirt nicht länger zulässt. Dass mit der Aufgabe des Restaurant starke Emotionen verbunden sind, gibt der 67-Jährige unumwunden zu: „Es ist schon sehr schwer. In meinem tiefsten Herzen bin ich eben Romantiker, und an dem Restaurant hängen viele schöne Erinnerungen.”

Nach dem Erwerb des Hauses durch seine Eltern Hans und Elli Fischer, ließ der Sohn eigene Ideen einfließen und baute den ursprünglich landwirtschaftlich genutzten Betrieb ganz nach seinen Vorstellungen von einer Metzgerei zu einer gemütlichen Gastronomie um. Ein Gedenkstein, entnommen aus dem Mauerwerk des früher angegliederten Pferdestalles, erinnert noch heute an diese Zeit. Eine Heimstatt bot das „Füllhorn” vielen Ortsvereinen, die sich hier regelmäßig trafen.

Wenn sein Gesundheitszustand es zugelassen hätte, so Fischer, wäre es für ihn auf jeden Fall weitergegangen, daran lässt der gelernte Fleischer keinen Zweifel. Sein Kopf sei nämlich noch voller Ideen, die er eigentlich noch gerne umsetzen würde.

Regelmäßige Besucher des „Füllhorn” wissen genau, was damit gemeint ist: Schon seit Jahren engagiert sich Hans-Dieter Fischer, der selbst lange Jahre Vorsitzender des Kirchenchores war, literarisch und musikalisch, öffnete seine Räumlichkeiten beispielsweise regelmäßig für Hausmusikabende oder Lesungen. Und nicht nur seine Stammgäste dürften schon das eine oder andere Mal erlebt haben, wie der Wirt seinen Kunden den Genuss ihrer Mahlzeit - in der Regel bestehend aus Spezialitäten der guten Deutschen Küche - mit einem seiner selbstverfassten Gedichte, 120 hat er inzwischen insgesamt geschrieben, versüßt hat.

Seine literarischen Aktivitäten möchte er auf jeden Fall fortsetzen, und auch für die Zukunft seines Restaurants erträumt er sich einen Nachfolger der dahingehende Ambitionen hegt: „Ich würde mir einen Käufer oder Pächter wünschen, der das Füllhorn in meinemn Sinne weiterführt”, erklärt er. Jemand, der ebenso kulturell interessiert sei wie er, der sowohl alteingesessene Roetgener als auch Neubürger daran erinnert, dass sie in ihrem Wohnort Kultur erleben können, ohne dafür weit fahren zu müssen. Der Grundsatz müsse stets lauten, den Gästen etwas zu bieten, Kontakt mit ihnen zu halten und auch mal ein persönliches Wort an sie zu richten, aber dafür benötige man den entsprechenden Idealismus.

Leider habe er in der Familie keinen passenden Nachfolger finden können, sein Sohn lebe in Kanada, und auch für seine Tochter sei eine Übernahme des Restaurants keine Option gewesen. „Es hat sich einfach nicht so ergeben”, seufzt er und zuckt mit den Schultern. Seiner Meinung nach wäre es aber sehr schade, wenn ein solcher Traditionsbetrieb der Bevölkerung nicht länger zur Verfügung stünde. „Ein wenig ärmer wäre Roetgen damit sicherlich”, ergänzt er, erzwingen könne man allerdings nichts.

Für den Mittwoch, seinen letzten Tag hinter dem Tresen, hat Fischer noch nichts Besonderes geplant. Das wolle er einfach auf sich zukommen lassen. Ein eher trauriger Start in das neue Jahr wird dies wohl sein, das befürchtet auch der Wirt. Schon jetzt seien bei ein paar Gästen Tränen geflossen, und auch für ihn würde der Abschied schwer werden.

Aber welche Zukunft dem „Füllhorn” auch bevorsteht: Sollte sich ein Interessent für die Räumlichkeiten finden, bietet Hans-Dieter Fischer diesem an, seinen Erfahrungsschatz als Gastronom mit ihm zu teilen und ihm mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

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