Monschau: Vollbremsung im Bus: Udos Flug wirkt noch lange nach

Monschau: Vollbremsung im Bus: Udos Flug wirkt noch lange nach

Klaus Hamacher drückt aufs Gas. Der Bus beschleunigt auf knapp 30 km/h. Dann macht der Fahrer plötzlich eine Vollbremsung und Udo segelt zwei Meter weit durch den Mittelgang des Busses und landet ziemlich unsanft unter einer Sitzreihe. Glück gehabt.

Udo ist nichts passiert, denn Udo ist eine Puppe aus Schaumstoff, die schon so manchen Sturzflug im Bus hinter sich gebracht hat, und die in dieser Woche wieder hart im Einsatz ist.

Die Vollbremsung ist unangefochten das Highlight der Busschule des Regionalverkehrs, die zu jedem Schuljahresbeginn auf dem Stundenplan steht. Allein schon die Erfahrung am eigenen Leib, dass 30 Stundenkilometer ganz schön flott sind, ist für Schüler ein nachhaltiges Erlebnis.

An den weiterführenden Schulen in der Stadt Monschau steht in dieser Woche die Sicherheit im Bus im Blickpunkt, denn für viele der Fünftklässler, die bisher nur den wohl behüteten Weg zur ihrer Grundschule kannten, ist Schulbusfahren eine ganz neue Erfahrung. Am Mittwoch war Trainingstag an der Elwin-Christoffel-Realschule

„Viele sind sozusagen Novizen, was das Busfahren betrifft”, sagt Klassenlehrerin Ursula Brandt, die mit ihren 25 Kindern der Klasse 5a auf dem Parkplatz vor der Schwimmhalle zum praktischen Teil der Busschule angetreten ist. Insgesamt drei Klassen werden an diesem Vormittag in Theorie und Praxis fit gemacht für den nicht immer ganz stressfreien Schulweg.

„Die häufigsten Fehler werden beim Ein- und Aussteigen gemacht”, weiß Klaus Hamacher, zuständig für die Verkehrsaufsicht beim Regionalverkehr Euregio Maas-Rhein (RVE). Außerdem würden die Kinder angehalten, bis ganz nach hinten im Bus zu gehen. Was es für Folgen haben kann, wenn man im Bus Faxen macht, statt Platz zu nehmen, führte wie gesagt Udos Flugshow eindrucksvoll vor Augen. Nicht minder nachhaltig für die Schüler ist auch der Crashtest, wenn der 18 Tonnen schwere Bus in voller Fahrt gegen eine Plastiktonne stößt und damit simuliert, was passieren kann, wenn man unachtsam die Straße überquert.

Engagiert im Einsatz ist beim Bustraining auch die Polizei. Die beiden Bezirksbeamten Bernd Goffart und Siegfried Sieben vermitteln gemeinsam mit Verkehrssicherheitsberater Udo Scholten ganz kindgerecht, dass man es mit der Sicherheit im Bus ernst nehmen sollte.

Um das Gelernte zu vertiefen, dürfen die Kinder alle einmal kurz auf dem Fahrersitz des Busses Platz nehmen, um die Tücken des toten Winkels zu erkennen, selbst wenn drei riesige Rückspiegel zur Verfügung stehen.

Die Klassenlehrerin hat sich während der 45 Minuten dauernden Trainingseinheit fleißig Notizen gemacht, um das Gesehene und Gehörte noch im Unterricht nachzuarbeiten. Unterdessen hat in den 5er-Klassen auch RVE-Betriebsleiter Holger David bereits den theoretischen Teil der Busschule übernommen. Seine Aufgabe ist es, den Schülern den Fahrplan zu erläutern und wie es problemlos gelingt, in den richtigen Bus einzusteigen.

Die Schüler haben an diesem sonnigen Sommermorgen viel Neues erfahren. „Man soll sich immer im Bus festhalten und auch auf die anderen achten, besonders wenn sie gehänselt werden,” sagt Jan Niklas Claßen (10) aus Mützenich, und auch für für Annika Wilden (10) aus Rohren wird das Bustraining mit Sicherheit über den Tag hinaus nachwirken: „Ich habe viel gelernt, und das Beste war die Vollbremsung.”