Viel weniger Schwalben als noch vor 50 Jahren

Aus der Natur unserer Heimat : Viel weniger Schwalben als noch vor 50 Jahren

Einst, als noch oberirdische Stromleitungen die Häuser mit Elektrizität versorgten, hockten um diese Jahreszeit, Ende August/Anfang September, manchmal einige hundert Schwalben auf diesen Kupferdrähten, jagten mit rasantem Tempo über unsere Dörfer, um Fliegen zu fangen und auch um die Flugmuskulatur für die weite Reise ins südliche Afrika zu trainieren. Diese Zeiten sind wohl endgültig vorbei.

Erstens: Es gibt kaum noch oberirdische Lichtleitungen. Zweitens: Es gibt kaum noch Schwalben. Die Ursachen für den dramatischen Rückgang unserer zwei Schwalbenarten sind eindeutig und leicht zu erklären.

Die eine Schwalbenart, die Rauchschwalbe, brütete in Ställen, und da es in unseren Dörfern keine Ställe mehr gibt, brüten hier auch keine Rauchschwalben mehr. Lediglich in den Ställen der Aussiedlerhöfe außerhalb der Ortschaften sind noch brütende Rauchschwalben anwesend. Recht häufig wurde in der jetzigen Brutsaison diese Schwalbenart zwischen Mützenich und der Boverei beobachtet.

Die Mehlschwalbe brütet nicht in Ställen, sondern baut ihre Nester an Wänden unterhalb der Dachüberständen. Insofern gibt es für sie eigentlich noch ausreichend Nistplatz. Im Ortsteil Rauchenauel von Dedenborn sind in diesem Jahr an drei Häusern insgesamt mindestens 30 besetzte Nester gezählt worden. Die Mehlschwalbe ist also noch häufiger in unserer Heimat anzutreffen als die Rauchschwalbe, aber auch bei dieser Vogelart sind die Bestände gegenüber der Zeit vor 50 Jahren erheblich zurückgegangen.

Wie bei vielen Tierarten ist auch bei den Schwalben der Rückgang auf mangelnde Nahrung zurückzuführen: Die Masse der Insekten hat dramatisch abgenommen. Da Schwalben sich ausschließlich von Insekten ernähren, die sie beim Jagen in der Luft ergreifen, ist ihr Rückgang programmiert und wird sich auch nicht aufhalten lassen, es sei denn, die Menschheit verzichtet etwas auf Wohlstand zugunsten der Natur.

Ein weiterer Grund für die Abnahme der Schwalben ist wohl die Tatsache, dass es an keinem Weg oder auf Wiesen Pfützen gibt, aus denen diese Vögel ihr Baumaterial für ihre Nester entnehmen können. Unsere Schwalbenarten sind Kulturfolger und sind zum Überleben in unserer Region auf den Menschen angewiesen, und bevor hier Menschen siedelten, wird es hier auch keine brütenden Schwalben gegeben haben. Mehlschwalben waren einst Brutvögel an senkrechten Felswänden, und in manchen Gegenden sind sie auch heute noch Brutvögel in hohen Felsregionen. Für ihre Nahrungsaufnahme sind Mehlschwalben auf freie Flächen mit niedriger Vegetation angewiesen. Auch größere und flache Gewässer sind wegen der dortigen Insekten geeignete Jagdgebiete.

Der ursprüngliche Lebensraum der Rauchschwalbe sind halboffene Landschaften mit wildlebenden Huftierherden, bevorzugt in Wassernähe sowie mit Höhlen in Felsen angrenzender Bergregionen. In der mitteleuropäischen Kulturlandschaft haben die weidenden Haustiere diese Funktion übernommen. Als Brutplätze werden die Stallungen dieser Haustiere bevorzugt, also Höhlen wie einst in Felsen. Da es in unserer Region solche Lebensräume nicht gibt, dürften Rauchschwalben erst mit der Besiedlung mit Menschen hier heimisch geworden sein. Weil diese Schwalbenart früher häufig durch den Rauchabzug in die Gebäude gelangten, erhielten sie von den Menschen den Namen Rauchschwalbe.

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