Lammersdorf/Düren - Verwirrung um Ausbildungserlaubnis eines jungen Mannes aus Ghana

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Verwirrung um Ausbildungserlaubnis eines jungen Mannes aus Ghana

Von: Peter Stollenwerk
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Umar Adam, der in der Unterkunft Lammersdorf-Langschoß lebt, absolviert seit anderthalb Jahren in Düren eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Derzeit ist unsicher, ob er seine Ausbildung zu Ende führen kann. Foto: Detlef Monjean
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Teamspieler: Umar Adam ist in der Mannschaft TuS Lammersdorf eine feste Größe. Foto: Achim Lintzen

Lammersdorf/Düren. Das soll ihm erst mal einer nachmachen: Jeden Morgen verlässt Umar Adam die abseits im Lammersdorfer Wald gelegene Flüchtlingsunterkunft Langschoß. Er setzt sich aufs Fahrrad und radelt die vier Kilometer entlang der B 399 bis Lammersdorf. Im Ort nimmt er dann den Bus nach Aachen. In der Nähe des Hauptbahnhofes steigt er aus und fährt mit dem Zug weiter nach Düren.

Hier steht ein zweites Fahrrad bereit, dass ihn ins weitere vier Kilometer entfernte Gewerbegebiet Birkesdorf bringt. Hier hat das Transportunternehmen Monjean seinen Sitz, und hier absolviert der 27-jährige, aus Ghana stammende junge Mann eine Ausbildung zum Kraftfahrer. Seit nunmehr anderthalb Jahren nimmt er diese Mühsal der An- und Abreise zu seiner Arbeitsstelle in Kauf, um nach drei Jahren die Lehre, zu der auch der Unterricht an der Berufsschule gehört, erfolgreich abzuschließen.

Arbeitserlaubnis entzogen

Doch im Moment ist nicht sicher, ob es zu diesem Abschluss kommt, denn das Ausländeramt der Städteregion Aachen hat Umar Adam die seinerzeit gestattete Arbeitserlaubnis zum Zwecke der Ausbildung zunächst einmal entzogen. Der 27-Jährige darf im Moment nicht arbeiten, und folgerichtig wurde er auch von seinem Arbeitgeber beurlaubt. Detlef Monjean, der Geschäftsführer des Dürener Transportunternehmens, musste so handeln. Er zeigt aber „großes Unverständnis“ für die Entscheidung der Behörde.

Zu Beginn der Ausbildung habe es eine klare Regelung mit dem Ausländeramt darüber gegeben, dass während der laufenden Ausbildung die Arbeitserlaubnis nicht entzogen werde. Dennoch sei jetzt im Februar 2018 der Widerruf der Behörde erfolgt. Monjean, der das Unternehmen in der dritten Generation führt und etwa 50 Mitarbeiter beschäftigt, hätte Adam, den er als „sehr engagiert“ bezeichnet, gerne weiterbeschäftigt, „zumal wir im Moment ohnehin Schwierigkeiten haben, Auszubildende für unsere Branche zu gewinnen.“

Auch in seiner Freizeit hat Umar Adam bereits viele Kontakte geknüpft. Er ist inzwischen fester Bestandteil der Fußballmannschaft des TuS Lammersdorf.

Um unterstützende Hilfe in der jetzigen Situation bemühte sich auch das Café Zuflucht in Aachen. Die unabhängige Einrichtung unterstützt als Beratungs- und Begegnungszentrum Flüchtlinge in Alltagsangelegenheiten und im Umgang mit Behörden. Intensiv des Falles von Umar Adam angenommen hat sich Flüchtlingsberater Ali Ismailovski vom Café Zuflucht. Er steht auch im Austausch mit dem Ausländeramt der Städteregion und bezeichnet es „als nicht nachvollziehbar“, dass Umar Adam die Arbeitserlaubnis zum Zweck der Ausbildung nicht erteilt worden sei. Diese Mitteilung hat der Ghanaer am 20. Februar 2018 erhalten, als er beim Ausländeramt vorsprach.

Ismailovski legt in einem Schreiben an das Ausländeramt dar, dass Adam bereits am 15. November 2016 eine Ausbildungsduldung beantragt habe. Die Ausbildung begann am 1. Oktober 2016. Diese sei, sagt Umar Adam, durch die Ausländerbehörde der Städteregion genehmigt worden. Die Ausbildung zum Berufskraftfahrer Güterverkehr soll am 30. September 2019 enden. Seinen Asylantrag vom selben Tag habe er zurückgenommen, sagt Ali Ismailovski. Fünf Wochen später erhielt er die Mitteilung, dass sein Asylverfahren eingestellt worden sei, da er als Staatsbürger eines sicheren Herkunftslandes gelte. Nach eigenen Angaben reiste der 27-Jährige am 2. Februar 2015 als Flüchtling in die Bundesrepublik Deutschland ein.

Da dem Ausländeramt bekannt gewesen sei, dass Umar Adam seinen Asylantrag zurückgezogen habe, hätte die Behörde dem Rechtsanspruch des Betroffenen auf Erteilung einer Duldung folgen müssen, weil er eine qualifizierte Berufsausbildung aufgenommen habe. Somit hätten die Voraussetzungen für die Erteilung einer Arbeitserlaubnis zwecks Ausbildung vorgelegen. Flüchtlingsberater Ali Ismailovski fordert das Ausländeramt daher auf, „die Ausbildungsduldung für den Gesamtzeitraum zu erteilen“. Umar Adam habe inzwischen eine Geburtsurkunde aus seinem Herkunftsland beschafft und werde zudem in nächster Zeit seine Botschaft aufsuchen, um einen Pass zu beantragen.

Das Ausländeramt der Städteregion signalisiert nach Durchsicht der Akte nunmehr Kompromissbereitschaft und zeigt Wege auf, die es Umar Adam doch noch ermöglichen könnten, seinen beruflichen Weg fortzusetzen.

Ein Pass muss her

Bei der Behörde, so teilt Städteregionssprecher Detlef Funken mit, sei zunächst der Eindruck entstanden, „dass Herr Adam in der Vergangenheit durch seine Rechtsauffassung (oder die Ratschläge der ihn betreuenden Personen) Entscheidungen getroffen hat, die zur Verwirrung geführt haben“. Dazu beigetragen hätten unter anderem die Rücknahme des Asylantrages und eine Klage gegen den entsprechenden Bescheid des Bundesamtes. Um die Fortsetzung der Ausbildung jedoch zu ermöglichen, schlägt das Ausländeramt nun vor, die Nebenbestimmung auf der derzeitigen Duldung mit einem entsprechenden Zusatz zu versehen. Zu diesem Zwecke soll er möglichst kurzfristig bei der Ausländerbehörde vorstellig werden, damit der Fall erneut geprüft werden kann.

„Sollten keine sicherheitsrelevanten Erkenntnisse nach den entsprechenden Abfragen bei den Sicherheitsbehörden vorliegen und die bislang nicht geklärte Identität durch Vorlage eines Nationalpasses nachgewiesen werden, kann die Ausbildungsduldung erteilt werden“, macht das Ausländeramt seinerseits den Weg frei. Die Klärung der Identität durch Vorlage eines Nationalpasses aber sei zwingend Voraussetzung für die Erteilung einer Ausbildungsduldung.

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