Verkehrsentwicklungskonzept für die Gemeinde Roetgen

Mobilität in der Gemeinde Roetgen : Stärken und Schwächen in den Fokus rücken

Die Gemeinde Roetgen will ein Verkehrsentwicklungskonzept erarbeiten. Deshalb hat die Verwaltung mit den Vertretern des „Zukunftsnetzes Mobilität NRW“ erste Gespräche geführt.

Unter der Leitung des Zukunftnetzes gab es auch bereits einen Workshop im Rathaus, zu dem sich die mit dem Thema Mobilität in der Gemeindeverwaltung befassten Mitarbeiter sowie Vertreter von Polizei und Grundschule trafen, um eine weit gefasste Bestandsaufnahme zu erstellen. Für die Themenfelder Individualverkehr, ÖPNV sowie Rad- und Fußgängerverkehr wurden die Stärken und Schwächen sowie die Chancen und Risiken herausgearbeitet.

Zu den Stärken des Individualverkehrs gehören demnach unter anderem die schnelle Anbindung an die Autobahn und die Stadt Aachen sowie eine leistungsfähige B 258. Als Schwächen werden beispielsweise das hohe Verkehrsaufkommen auf der B 258 und wenig leistungsfähige innerörtliche Straßen genannt. Autonomes Fahren, Parkraummanagegement, eine Umgehungsstraße und eine Park+Ride-Anlage am Bahnhof werden zum Beispiel als Chancen erkannt. Risiken werden unter anderem in der „hohen Bequemlichkeit der Bevölkerung“, in der Schulwegsicherung und im Schwerlastverkehr im innerörtlichen Bereich gesehen.

Bei den Stärken des ÖPNV werden die gute Schnellbusanbindung und das Fahrradbusangebot an den Wochenenden während der Sommersaison aufgeführt. Deutlich mehr Punkte werden bei den Schwächen aufgezählt.

Dazu gehören unter anderem ein ausgedünntes beziehungsweise fehlendes ÖPNV-Angebot in den Abend- und Nachtstunden, mangelnde P+R-Plätze, eine schlechte Anbindung der Ortsteile Rott und Mulartshütte und die Lage des Verknüpfungspunktes. Chancen könnten der Ortsbus, die Einführung eines City-Tarifs, ein neuer Verknüpfungspunkt und der Ausbau grenzüberschreitender Verbindungen sein. Risiken werden in der hohen Pkw-Verfügbarkeit, in der Akzeptanz des Busverkehrs und in den Kosten für den ÖPNV gesehen.

Zu den Stärken des Rad- und Fußgängerverkehrs werden unter anderem das Engagement der Schulen und Kindergärten im Bereich der Verkehrserziehung, viele rücksichtsvolle Autofahrer, touristische Angebote wie der Eifelsteig und der Vennbahnradweg genannt. Zu den Schwächen gehören zu wenige Bürgersteige, Straßenübergänge, Radwege und gestalterische Einflussmöglichkeiten.

Außerdem werden Elterntaxis an der Schule und uneinsichtige Eltern aufgeführt. Als Chancen werden die Einführung einer „Shared Space Zone“ vor dem Rathaus, die Beleuchtung des Vennbahnradweges, bessere Markierungen auf Fahrradkreuzungen, Radwege an der Haupt- und Bundesstraße, der Bau von Fahrrad- und Fußgängerampeln und das Einführen von Mitfahrerbänken gesehen. Zu den Risiken zählen demnach unter anderem fehlende Gehwege, mehr Stau bei mehr Übergängen, schmale Straßen und Kreuzungen.

Diese Bestandsaufnahme wurde der Politik in der jüngsten Sitzung des Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschusses von Christoph Overs als Mitarbeiter des Zukunftsnetzes vorgestellt.

„Wenn wir Orte für Menschen statt für Autos wollen, dann brauchen wir ein kommunales Planen und Handeln, das den Menschen attraktive Alternativen anbietet“, sagte Overs und erklärte, es gehe um mehr Sicherheit, weniger Lärm, mehr Platz, weniger Stau, bessere Luftqualität, mehr Gesundheit und mehr Mobilität zu geringeren Kosten. Dabei verstehe sich das Zukunftsnetz als Moderator.

Stephan Speitkamp (CDU) hatte Zweifel daran, ob den Bürgern ein solches Konzept zu vermitteln sei, zumal es sich dabei nicht um das erste dieser Art handele.

Silvia Bourceau (UWG) signalisierte ihre Zustimmung, wies aber darauf hin, dass es wichtig sei, konkrete Probleme anzugehen und das Projekt möglicherweise parallel laufen zu lassen. „Wir warten alle auf konkrete Dinge, wegen konkreter Probleme wie Ortsbus, Mitfahrerbänke und Netliner. Ich dachte, wir wären einen Schritt weiter“, sagte Bourceau.

Bernhard Müller (Grüne) würde ein Verkehrsentwicklungskonzept begrüßen. Aus seiner Sicht sei es gut, dass es sich eben nicht auf konkrete Probleme beschränke. „Wir müssen jetzt damit anfangen und unter Beteiligung der Bürger ein Konzept entwickeln. Das funktioniert nur, wenn die Bürger es wollen und leben“, sagte Müller.

Klaus Onasch (SPD) erklärte, das vorgesehene Konzept habe den Vorteil, dass nicht nur akute Probleme, sondern das Ganze gesehen werde. „Das ist langfristig schlauer“, sagte Onasch. Vielleicht gebe es beim Landesbetrieb Straßen NRW und der Städteregion Aachen „auch andere Überlegungen, als die Straßen breiter zu machen“.

Der parteilose Günther Severain sah die Gemeinde hier eher als ein kleines Rad an einem großen Wagen. Die Erfahrungen mit solchen Konzepten seien eher negativ, da die Gemeinde auf viele Faktoren wenig Einfluss habe.

Die Bestandsaufnahme soll nun innerhalb der Fraktionen beraten werden und im Anschluss in einem ähnlichen Workshop für die Kommunalpolitiker münden. Später soll auch geklärt werden, wie die Bürger beteiligt werden können (auf welche Art und Weise, in welchem Maße und zu welchem Zeitpunkt?). Im Anschluss an diesen Vorbereitungsprozess ist vorgesehen, Ziele, Prioritäten und Maßnahmen für ein Mobilitätskonzept herzuleiten.

(ag)