Lammersdorf: Verkehrschaos mit hohem Unterhaltungswert

Lammersdorf : Verkehrschaos mit hohem Unterhaltungswert

„Hier kannst du leicht und locker dreihundert Euro die Stunde machen,“ meinte ein Anwohner der Lammersdorfer Bergstraße kopfschüttelnd mit Blick auf die nicht weit entfernt beginnende Vollsperrung der B266 am Abzweig der Straße Auf dem Dresch.

Seit Montag wird die B266, der sogenannte Lammersdorfer Berg, saniert (Kanal und Fahrbahndecke), und seit diesem Zeitpunkt herrscht auf der vielbefahrenen Trasse zum Rursee Chaos, das sich mit dem einsetzenden Ausflugsverkehr am Wochenende steigerte.

Noch immer ignorieren viele Verkehrsteilnehmer Hinweis- und Durchfahrtsverbotsschilder, wozu besagter Anwohner festhält: „Das waren stündlich wenigstens zwanzig Autos oder Motorräder, welche die Schilder missachteten. Bei einem Verwarnungsgeld von 15 Euro bist du dann bei 300 Euro. Da könnten die Ordnungshüter richtig Kohle machen.“

Die genannte Einnahmensumme hätte in den ersten Tagen der Vollsperrung im Übrigen noch höher sein können. 90 Prozent des durch Lammersdorf fließenden Verkehrs störten sich nicht die Bohne am Durchfahrtverbot in Höhe vom Otto-Junker-Platz und bretterten auf der B 266 munter weiter in Richtung Rursee.

Umgekehrt konnte Ähnliches aus der anderen Fahrtrichtung beobachtet werden, was auch daran lag, dass die Absperrung der Bergstraße am Abzweig nach Simmerath (L12) spielend leicht zu umfahren ist.

Wie man am Wochenende beobachten konnte, nahm dieses Verhalten trotz hohem Ausflugsverkehr deutlich ab, was auch an der verbesserten Beschilderung und erweiterten Absperrung am besagtem Knotenpunkt in der Dorfmitte von Lammersdorf lag.

Dennoch wunderte man sich letztlich, welche Flut von Verkehrsteilnehmern offensichtlich das an Fringshaus aufgestellte Hinweisschild zur Umleitung über Konzen übersehen hatte. Während viele zügig wendeten, waren andere offensichtlich über die Absperrung so überrascht, dass sie dort längere Zeit anhielten und den folgenden Verkehr blockierten.

Dass das Szenario auch einen gewissen Unterhaltungswert hat, sah man auch daran, dass immer wieder Spaziergänger auf dem Dorfplatz verweilten, um sich an den Verkehrskapriolen zu ergötzen. An der Bergstraße hatten es sich einige Anwohner vor ihrem Haus bequem gemacht, um das Geschehen an der Vollsperrung ab dem Dresch in Augenschein zu nehmen. Hinter dieser Absperrung wurde im Übrigen schon mit den Kanalarbeiten begonnen und wurden einige Meter Neurohr verlegt.

Im Übrigen spielen sich hier die interessantesten Szenen ab, da nicht nur Rad- und Motorradfahrer sich an der Absperrung vorbeischlängeln und über den Gehweg und die nicht aufgerissene Straßenhälfte Richtung Kalltal fahren. Hier kann man zwischendurch auch beobachten, wie ganz kesse Autofahrer einen Teil der Absperrung zur Seite schieben, um dann zügig ihre Fahrt fortzusetzen. Die „Ordentlichen“ unter dieser Klientel schieben das Absperrgitter im Übrigen vor ihrer Weiterfahrt an seine ursprüngliche Position zurück.

Fakt ist nach einer Woche der Vollsperrung auch, dass die Verbindung der K19 zwischen Simmerath und Lammersdorf (Sonntag-, Paustenbacher- und Bickerather Straße) in verstärktem Maße vom Durchgangs- und Ausflugsverkehr genutzt wird. Hier kommt es allerdings immer wieder zu Stockungen, da sich auf dieser Route einige Straßenengpässe befinden.

(ho)