Nordeifel: Verjagte Biber finden den Tod auf der Straße

Nordeifel: Verjagte Biber finden den Tod auf der Straße

Einst besiedelten Biber fast alle euroasiatischen und nordamerikanischen Bäche, Flüsse und Seen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts standen Biber weltweit kurz vor der Ausrottung, nur wenige kleine Restpopulationen überlebten die intensive Bejagung.

Um die Biber vor ihrer Ausrottung zu bewahren, begannen Anfang des 20. Jahrhunderts im gesamten einstmaligen Verbreitungsgebiet umfangreiche Schutzmaßnahmen und großangelegte Umsiedlungs- und Wiederansiedlungsprojekte, seit 1966 auch in Deutschland.

1981 startete die Höhere Forstbehörde Rheinland ein Biber-Wiederansiedlungs-Projekt in der Eifel. Rasch gründeten die Biber eine kleine Population, die heute die Rur einschließlich der Nebenbäche besiedelt. Das Biberprojekt in der Eifel hat zu einer beachtlichen Ansiedlungs-Aktivität geführt, auch wenn es immer noch eine absolute Seltenheit ist, einen der scheuen Nager bei der Arbeit zu Gesicht zu bekommen.

Höher ist da fast die Chance, einem toten Tier zu begegen, so wie es Donnerstagmorgen an der Rurbrücke Dreistegen der Fall war. Das Jungtier wurde in der Nacht zum Donnerstag auf der viel befahrenen B 258 überfahren.

Aus anderen Biber-Ansiedlungsprojekten ist bekannt, dass auch entlang von Rur und Kall mit einer weiteren Expansion zu rechnen ist. Auch bei der biologischen Station des Kreises Düren, die die Entwicklung der Biber seit Beginn der Wiederansiedlung vor 25 Jahren beobachtet, geht man davon, dass die Siedlungsdichte des Bibers noch zuzunehmen wird. Man vermutet, dass die Biber dabei auch häufiger Fließgewässer in unmittelbarer menschlicher Umgebung besiedeln, was sicher nicht immer konfliktfrei verlaufen werde.

Lutz Dalbeck, bei der Biologischen Station Koordinator des Biber-Projekts, erhält in diesen Wochen häufiger Meldungen über im Straßenverkehr getötete Biber. „Das ist typisch für diese Jahreszeit”, berichtet der Diplom-Biologe.

Der Biber lebt in Familienverbänden, und da herrschen strenge Regeln. Wenn im Mai der neue Nachwuchs kommt, dann ist Platzbedarf, und die Jungtiere aus dem Vorjahr werden aus den Revieren verjagt. Bei der Suche nach neuen Lebensorten geraten die Flüchtigen dann in Gefahrensituationen. Wirksame Schutzmaßnahmen zu ergreifen, ist aus der Sicht von Dalbeck kaum möglich.

In der Eifel läuft gerade der „Biber-Zensus”, eine groß angelegte Zählaktion der Biber-Population an der Rur. Lutz Dalbeck geht davon aus, dass sich mindestens 350 Tiere angesiedelt haben. Die Population werden noch weiter wachsen, habe sich aber in den zurückliegenden Jahren bereits verlangsamt.