Veranstaltungen an St. Ursula und in der evangelischen Stadtkirche

„Spiel mir das Lied vom Leben“ : Multimediale Lesungen zum Gedenktag an die Opfer des Holocaust

Weltweit wird jährlich um den 27. Januar herum oder am Tag selbst mit einem Gedenktag und regionalen sowie überregionalen Veranstaltungen der Opfer des Holocaust gedacht. In Monschau stehen auf Initiative der St.-Ursula-Schulseelsorgerin Regine Förster aus diesem Anlass am kommenden Freitag, 25. Januar, zwei bemerkenswerte Lesungen mit Musik auf dem Programm, eine schulinterne sowie eine öffentliche.

Anlässlich des Internationalen Gedenktags für die Opfer des Holocaust gibt es schon seit einigen Jahren auf Initiative der Fachschaft Geschichte für die Schülerinnen der Klassen 10 der Bischöflichen Mädchenrealschule St. Ursula eine Gedenkveranstaltung. Um den 27. Januar herum oder am Tag selbst stehen eine oder zwei Schulstunden dafür zur Verfügung. Entweder wird die Gedenkfeier intern vorbereitet und gehalten oder es wird ein Gast eingeladen, der mit den Geschehnissen in besonderer Weise in Berührung gekommen ist. Seit es mit Regine Förster eine Schulseelsorgerin an St. Ursula gibt, findet die Veranstaltung jeweils in Kooperation mit ihr statt.

„Im vergangenen Jahr stieß ich auf den Dokumentarfilm und das Buch ‚Spiel mir das Lied vom Leben’“, sagt Regine Förster. Das Buch erzählt die wahre Geschichte einer „bezaubernden und kostbaren Freundschaft“: Die elfjährige, hochbegabte Geigerin Judith Stapf – heute 21 Jahre alt – spielt Itzhak Perlmans Filmmusik zu „Schindlers Liste“. Sie will die Musik verstehen. Durch ihr beharrliches Nachfragen und unermüdliches Interesse schafft sie es, Jerzy Gross zu begegnen. Es bleibt nicht bei einem Treffen. Mit Jerzy, dem letzten Überlebenden von Schindlers Liste in Deutschland, reist sie an die Orte seiner Kindheit. Hier erzählt Jerzy Judith, wie er, der polnische Junge von Schindlers Liste, in den Ghettos und Konzentrationslagern überleben konnte: durch die Musik. Auch er spielte als Kind Geige.

„Die Tatsache, dass hier ein junges Mädchen in Kontakt mit einem Überlebenden tritt, sich von dessen Lebensgeschichte anrühren und bewegen lässt und so für junge, gleichaltrige Menschen zur Brücke in die Geschichte werden kann, faszinierte mich. Sie wäre genau die Richtige für unsere Schülerinnen, dachte ich“, erzählt die Schulseelsorgerin. Sie nahm Kontakt mit Judith Stapf auf und erfuhr so von dem gesamten Projekt zum gleichnamigen Buch. Wenig später war klar: Die Buchautorin Angela Krumpen würde am 25. Januar nach Monschau kommen und in einer multimedialen Lesung die Geschichte von Jerzy und Judith den Schülerinnen nahebringen.

„Eine solche Begegnung wollte ich natürlich einer breiteren Öffentlichkeit – Eltern unserer Schülerinnen, Gemeindemitglieder und Interessierte – ermöglichen. Wegen der guten Kooperation mit Pfarrer Jens-Peter Bentzin war mir sofort klar, dass er der richtige Ansprechpartner ist und sicher ein solches Projekt befürworten würde. So kam es zur Einladung für den Abend um 18 Uhr in die Evangelische Stadtkirche Monschau“, berichtet Regine Förster.

Judith Stapf, deren Studium und Verpflichtungen es nicht zulassen, einen ganzen Tag in Monschau zu verbringen, wird am Morgen in der Schule dabei sein, wie die Pädagogin erzählt: „Sie reist dafür eigens aus Berlin an. Jerzys Geschichte, die die Geschichte so vieler ist, darf nicht in Vergessenheit geraten, das ist Judiths Motivation. Sie wird ihre Geige mitbringen, und ihr Vater begleitet sie auf dem Klavier.“

Auch am Abend, ab 18 Uhr in der Stadtkirche, wird es Livemusik zur Veranstaltung geben, die auf der Weimbs-Orgel in der evangelischen Kirche gespielt wird. „Alle, die kommen, werden in die besondere Begegnung und Freundschaft zwischen Judith und Jerzy mit hineingenommen“, ist Regine Förster überzeugt. Im Anschluss laden die Schule und die Evangelische Kirchengemeinde ein, bei einem Getränk zu verweilen.

Interessierte können sich über das Buch informieren auf www.spiel-mir-das-lied-vom-leben.de

(hes)
Mehr von Aachener Nachrichten