Rott: „Vater und Sohn“: Klassiker der Komik auf kölsche Art

Rott : „Vater und Sohn“: Klassiker der Komik auf kölsche Art

Die liebevoll gezeichneten Comics der Reihe „Vater und Sohn“ sind zwar schon über 80 Jahre alt, aber die unverwechselbaren Charaktere und charmant dargestellten Figuren, die der Zeichner Erich Ohser unter dem Pseudonym e.o. plauen von 1934 bis 1937 in der wöchentlich erscheinenden „Berliner Illustrirten Zeitung“ veröffentlicht hat, haben sich tief im kollektiven Gedächtnis verankert.

„Vater und Sohn“, die Hauptfiguren der gleichnamigen Comicreihe, schlagen sich pfiffig und liebenswert durchs Leben. Mit Herzlichkeit, Komik und Erfindungsreichtum werden menschliche Schwächen und Alltagssituationen fein pointiert beobachtet.

Die gezeichneten Geschichten von „Vater und Sohn“ haben kürzlich eine ganz besondere Form der Neuauflage erlebt — nämlich auf kölsche Art. Der Kölner Musiker und Textautor Rolly Brings hat gemeinsam mit seinem Sohn Stephan vor zwei Jahren für eine Buchveröffentlichung 56 Geschichten ausgewählt und mit originellen kölschen Texten versehen.

„Vater und Sohn“ aber gibt es auch als Bühnenprogramm. Hierbei schlüpfen dann Rolly Brings (74) und sein jüngster Sohn Benjamin (37) in die Rolle der beiden Comicfiguren. Bereits über 40 Mal haben Vater und Sohn Brings das Programm seit 2016 schon gespielt. Jetzt ist das Duo aus der bekannten Kölner Musikerfamilie Brings auch in der Eifel zu Gast: Am Samstag, 17. März, heißt es auf Einladung des Heimat- und Eifelvereins Rott „Vater & Sohn op Kölsch“ im Saal Hütten.

„Zu 80 Prozent lachen sich die Leute schief“, erzählt Rolly Brings im Gespräch mit der Lokalredaktion über sein Programm. „Wir bringen den Zuschauern Freude, aber wir bringen sie auch zum Nachdenken“, sagt Rolly Brings, ein waschechter Vertreter der 1968er Generation. Ein kritischer Blick auf die Gesellschaft, verbunden mit einem engagierten Einsatz gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit, prägte das gesamte, wechselvolle Leben des aktiven Gewerkschafters, ob zunächst als Maschinenschlosser oder später als Pädagoge. Als meinungsstarken Musiker und Texter kennt man Rolly Brings in Köln, auf dessen Konto auch das Evangelium und Fabeln „op Kölsch“ gehen.

Die Musik spielte in der Familie Brings schon immer eine tragenden Rolle. Stephan und Peter Brings haben mit ihrer Band als stimmungsvolle Mundart-Rockband im Karneval längst Kultstatus. In der Session, erzählt der Vater, „sind meine beiden Söhne für mich sozusagen unsichtbar“. Rolly Brings kann nur staunen, „wie die beiden das durchhalten. Das ist Artistik, Akrobatik und Kunst zugleich.“

Beim Programm von Rolly und Benjamin Brings geht es weniger hektisch zu, wenn sie die Vater-und-Sohn-Geschichten nachsingen und nacherzählen. Dabei wird das Publikum in die Darbietung mit einbezogen. Außerdem erhalten die Zuschauer Texthefte mit den Bildergeschichten von e. o. plauen sowie kölschen und vorsichtshalber auch hochdeutschen Texten zum Mitlesen und Mitsingen.

Auch aus dem Leben des Karikaturisten Erich Ohser wird berichtet, der dem Nazi-Regime distanziert gegenüberstand. Vor allem mit den Karikaturen von Hitler und Goebbels zog er sich den Hass der Nationalsozialisten zu. Keine Sorgen hat Rolly Brings, dass man den kölschen Dialekt in der Eifel nicht versteht. Aus Erfahrung weiß er, dass das auf dem Land überhaupt kein Problem ist. „Am wenigsten versteht man Kölsch inzwischen in der Kölner Innenstadt“, sagt er und fügt hinzu: „Wir freuen uns auf Rott.“

Freuen auf das Gastspiel in Rott werden sich ganz besonders auch Rainer Hülsheger und Ehefrau Rosi, haben sie doch Rolly Brings auf einem wichtigen Lebensabschnitt begleitet. Rainer Hülsheger, der später als Lehrer an der Hauptschule Nibelungenstraße in Köln unterrichtete, war gemeinsam mit ihm in der Junglehrer-AG (was dem heutigen Referendariat entspricht). Rosi Hülsheger war mit Rolly Brings zusammen im Lehrerkollegium der Hauptschule Bühlowstraße in Köln-Nippes. Gerne erinnert man sich zurück an einige Ferienfreizeiten der Schule in der Jugendherberge Ruppichteroth im Bergischen Land.

Rosi Hülsheger unterstützte Rolly Brings nicht nur bei der Betreuung der Schulklassen, sondern sorgte auch dafür, dass die mitgereisten Kinder des Kollegen, Stephan und Peter, bei ihr in guten Händen waren. Rolly Brings hatte die Gitarre dabei, und es wurde gemeinsam gesungen. Seine Lehrertätigkeit beendete Rolly Brings später an der Hauptschule Weilerswist.

So gibt es in Kürze also in Rott ein Wiedersehen der ehemaligen Lehrerkollegen, was dem Gastspiel in der Eifel eine ganz besondere Note geben dürfte.

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