Roetgen: Ungelöste Fragen zum Premium-Radweg

Roetgen: Ungelöste Fragen zum Premium-Radweg

Noch bevor der neue Ravel-Radweg auf der ehemaligen Vennbahntrasse offiziell eröffnet ist, ist er bereits zu einer Erfolgsgeschichte geworden, wie sich an den Pfingsttagen zwischen Roetgen und Lammersdorf gezeigt hat. Für die Mitglieder des Roetgener Bauausschusses waren allerdings noch etliche Fragen offen.

In der Sitzung stand ihnen Manfred Strang Rede und Antwort. Der Projektbetreuer des Ravelweges bei der Städteregion war zwar verwundert, dass in diesem Bereich offenbar ohne Absprache bereits alle Absperrungen weggeräumt sind, aber auch wenn noch Markierungen und Poller fehlten, sei der Weg schon jetzt verkehrssicher, betonte er.

Sichtschutzprobleme an der Roetgen-Therme

Dass der Radweg auch verschiedenartige Probleme verursacht, sieht man am Beispiel der Sichtschutzprobleme an der Roetgen-Therme. Deshalb gab Ausschussvorsitzender Karsten Knoth (SPD) dem Projektbetreuer gleich zu Beginn mit auf den Weg, sich um diese Angelegenheit zu kümmern. Strang konnte jedoch nur wieder auf die Zuständigkeit der belgischen Behörden verweisen und hoffen, dass die Zustimmung zum Bau eines Zaunes vorliegt, „noch bevor das Laub fällt”. Grundsätzlich sei kein Sichtschutz durch Zäune entlang der Strecke vorgesehen, beantwortete er eine Anfrage von Silvia Bourceau (UWG), die auf weitere Härtefälle hinwies.

Beschwerden von Nutzern und Anliegern

Beschwerden hatte es sowohl von Nutzern als auch von Anliegern gegeben, dass auch Reiter auf der für Fußgänger - zu denen auch Inlineskater gehören - und Radfahrer ausgewiesenen Strecke unterwegs sind, dies nicht nur wegen einer möglichen Gefährdung, sondern vor allem auch wegen der sehr störenden Hinterlassenschaften der Pferde.

Dazu erklärte Manfred Strang klipp und klar: „Reiten ist auf dem Vennbahn-Radweg nicht erlaubt”. Dem widersprach Frank Knur (SPD) und zitierte aus den Bestimmungen für das in Belgien weit verbreitete Ravel-Wegesystem, das zu den Teilnehmern an einem „langsam fließenden Verkehr” - dafür steht das französische Kürzel Ravel - auch Reiter zählt. Im Bereich des Streckenverlaufs auf deutschem Gebiet weiche die Regelung im Einvernehmen mit den Partnern von der belgischen Regelung ab, erläuterte Strang. „Für die Kontrolle sind jedoch die belgischen Behörden zuständig”.

Radfahrer haben an 23 Straßen und Wegen Vorfahrt

Von den 33 Querungsstellen des Radweges mit dem Autoverkehr auf unterschiedlich klassifizierten Straßen haben an 23 weniger frequentierten Gemeindestraßen und Wirtschaftswegen die Radfahrer Vorfahrt. Dies sei ein wichtiges Kriterium für den Premiumcharakter der Route, betonte Strang. Vorfahrt für Autofahrer ist nur an zehn Stellen ausgewiesen. In Roetgen zählen dazu die Querungen der B 258 am Bahnhof und an der Steffensgasse.

Strang erläuterte die baulichen Maßnahmen und Beschilderungen, die ein gefahrloses Miteinander aller Verkehrsteilnehmer ermöglichen sollen, am Beispiel B 258/Steffensgasse sowie der wenige Meter entfernt liegenden Kreuzung mit der Greppstraße, wo die Radler Vorfahrt haben. Die Querungshilfen an der Bundesstraße werden in Kürze noch mit Geländern versehen. Neue, längere Geländer sollen auch auf den Brückenbauwerken montiert werden, um hier eine Absturzgefahr zu mindern.

Brenzlige Situationen möglich

Moniert wurde von einigen Ausschussmitgliedern, dass es an manchen Stellen durch nicht eindeutige Beschilderungen zu brenzligen Situationen kommen könne.

Ein „altbekanntes Thema” sprach Strang mit der Querung der Himmelsleiter an. Hier werde jetzt eine Tunnellösung favorisiert, die mit einem Kostenrahmen von 400.000 bis 800.000 Euro zwar auch nicht günstiger als eine Brücke (ca. 500 000 Euro) sei, aber viele Vorteile biete.

Tunnellösung kostenneutral

Während eine Brücke allein vom Projektpartner Städteregion finanziert werden müsste, sei die Tunnellösung kostenneutral, weil es Zuschüsse u. a. vom Landesbetrieb Straßenbau gebe, der damit zugleich eine Gefahrenstelle im Straßenverlauf entschärfen will. Durch das Aufsetzen eines Kastenprofils auf die Straße und anschließendem Anfüllen verschwindet die an dieser Stelle sichtbehindernde „Delle” in der Fahrbahn. „Das passt”, hatte Straßenbaufachmann Helmut Helzle (CDU) schon ausgerechnet. Auch wenn es noch viele Einzelheiten zu klären gibt, soll die Umsetzung bis Juni 2012 erfolgt sein, erklärte Strang.

Bis es soweit ist, soll der Radweg die Himmelsleiter erst im Bereich Marienbildchen kreuzen. Hier werde der Landesbetrieb Straßenbau in Kürze mit den Arbeiten für eine Querungshilfe beginnen. Diese soll bestehen bleiben, um den hier jetzt schon verlaufenden Weg generell sicherer zu machen.

Marketingstrategie

Als nächste Schritte nannte der Projektbetreuer die Entwicklung einer Marketingstrategie mit Logo und Namensgebung ebenso wie eines einheitlichen Konzepts für Rastplätze und Infotafeln. Für weitere Überlegungen wie eine Verknüpfung mit dem ÖPNV, zum Beispiel zur Einrichtung eines Rückfahrservices, sollen erste Erfahrungen abgewartet werden. Schon jetzt brauche man sich jedenfalls keine Sorgen um den Erfolg des Projektes zu machen, freute sich Manfred Strang.