Nordeifel: Unfallgefahr: Das Wild ist völlig verrückt nach Salzigem

Nordeifel: Unfallgefahr: Das Wild ist völlig verrückt nach Salzigem

Beinahe jeder Mensch hat das schon einmal erlebt - den plötzlichen Heißhunger auf Süßes oder Herzhaftes. Meist ist der Kühlschrank dann die letzte Rettung. Dem Rot- und Rehwild steht ein solcher Rettungsanker nicht zur Verfügung. Die Tiere suchen ihr Heil an den Straßenrändern und finden dort nicht selten den Tod.

Rehe und andere Pflanzenfresser verspüren im Frühjahr ein Verlangen nach Salzigem und finden, dem Winterdienst sei Dank, Hinreichendes am Straßenrand. Mit dem anstehenden Fellwechsel, den nahenden Geburten und dem Geweihaufbau wächst bei den Tieren der Bedarf an Mineralien. Außerdem locken generell und nach einem so harten Winter wie diesem besonders die ersten grünen Triebe.

Für Karl-Heinz Kuckelkorn aus Lammersdorf, Jagdberater der Städteregion Aachen, ist das Verhalten der Tiere verständlich: „Die haben das schnell raus. Unmittelbar am Straßenrand stehen keine Bäume, das kommt genug Sinne und Licht hin, da wächst immer was.”

Erhöhte Aufmerksamkeit

Deshalb halten sich Rehe in dieser Jahreszeit vermehrt in Fahrbahnnähe auf oder wechseln sogar über die Fahrbahn. Das stellt für Mensch und Tier ein erhöhtes Risiko dar, warnt der Deutsche Jagdschutz-Verband (DJV). Karl-Heinz Kuckelkorn: „Da hilft wirklich nur langsamer und auf Sicherheit fahren.”

Die Warnung des erfahrenen Waidmanns kommt nicht von ungefähr: Alle zweieinhalb Minuten stirbt in diesem Land ein Reh bei Verkehrsunfällen, 200.000 im Jahr. Die höchste Sterblichkeitsrate gibt es aus bekannten Gründen im Frühjahr Insbesondere in den Dämmerungsphasen sollten Autofahrer vorsichtig fahren und auf Waldstraßen sowie bei Übergängen zwischen Wald und Feld aufmerksam sein, denn das sind beliebte Orte für Wildwechsel.

Bereits bei einem Zusammenstoß mit einen Fahrzeug, das mit 60 km/h daherkommt, beträgt das Aufprallgewicht des Tieres das 25-fache des Körpergewichts. In so einem Augenblick wird aus einem Reh ruckzuck ein Büffel. Viele Autofahrer haben bereits leidvolle Erfahrungen gemacht, mussten ihre Karossen ausbeulen lassen, zogen sich zum Teil schwere Verletzungen zu oder bezahlten in einigen Fällen diese Begegnung sogar mit dem Leben. Konkrete statistische Zahlen gibt es dazu allerdings weder bei den Jägern noch bei der Aachener Polizei.

Salzlecksteine ausgelegt

Um das Wild von den Straßen fernzuhalten, werden während der Vegetationsperiode von den Jägern in den Wäldern vermehrt Salzlecksteine ausgelegt, um den Mineralstoffbedarf der Tiere zu decken. Das gelingt aber nicht immer und überall, wie auch Karl-Heinz Kuckelkorn einräumt: „Die Straßenränder werden regelmäßig gemäht. Da wächst immer wieder frisches Grün, und das ist verlockend.” Außerdem sind die Straßenränder nach den Massen von Streusalz, die in diesem Winter ausgebracht worden sind, ein wahres Schlaraffenland für Reh, Schwein & Co.

Versuche, auf andere Art und Weise zu versuchen, das Wild in den Wald zurückzudrängen, dürfen laut Kuckelkorn als gescheitert angesehen werden. So habe der Einsatz von Reflektoren an der Monschauer Straße in Aachen nichts gebracht. Die Nutzung von von Infrarot-Warnanlagen scheint kein Thema zu sein. Kuckelkorn: „Die Dinger sind so teuer. Das kann keiner bezahlen.”

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