Umbaupläne für Volksschule im Monschauer Rosenthal

Volksschule im Monschauer Rosenthal : Aus Klassenräumen soll Wohnraum werden

Ein niederländischer Investor hat große Pläne für den Umbau der alten Volksschule im Monschauer Rosenthal.

Im Schuljahr 1983/84 wurden zum letzten Mal Kinder in der alten Volksschule im Monschauer Rosenthal unterrichtet. Danach besuchten die Monschauer Grundschüler andere Schulen im Stadtgebiet. In den Folgejahren bot die Volkshochschule Südkreis Aachen im Rosenthal zwar vorübergehend noch einige Kurse ein, und auch die Musikvereinigung Montjoie fand im alten Schulgebäude zeitweise ihre Proberäume, doch seit über 20 Jahren steht das stolze Gebäude am Rurufer, dessen Fassade dem Roten Haus in Monschau nachempfunden ist, leer.

Mit der Zeit verschlechterte sich der Zustand des vierstöckigen Gebäudes immer mehr, Wasser drang ein, und der Verfall des repräsentativen Hauses, das 1926 erbaut wurde, nahm seinen Lauf. Phantasievolle Pläne, die alte Schule als Nebengebäude für das seinerzeit im Rosenthal angedachte Großhotel-Projekt „Riverside“ der niederländischen Investorengruppe Snippe zu nutzen, wichen bald der Realität.

Nun aber ist ein neuer Investor aus den Niederlanden auf den Plan getreten, der die ehemaligen Klassenräume zu 13 komfortablen Eigentumswohnungen umbauen möchte. Der Projektentwickler Crit Lambriex, Direktor des auf die Vermittlung von Ferienhäusern und Appartements spezialisierten Unternehmens „villadelux“, hat im August 2017 das ehemalige, denkmalgeschützte Schulgebäude erworben und möchte nun mit Elan die Umsetzung seiner Pläne in Angriff nehmen. Im Monschauer Architekten Walter Maassen hat er einen engagierten Mitstreiter an seiner Seite, der den Bauantrag für das ehrgeizige Projekt absendefertig auf dem Tisch liegen hat. Auch die Denkmalschutzbehörde steht dem Projekt wohlwollend gegenüber.

Die ortsbildprägende Fassade des knapp 100 Jahre alten Hauses soll erhalten bleiben, ebenso die Sprossenfenster, und selbst die Errichtung von kleinen Balkonen zur sonnigen Rurseite hin wäre kein Hindernis. „Der Denkmalschutzbehörde ist vor allem wichtig, dass das Gebäude wieder genutzt und in seinem ortstypischen Charakter erhalten wird“, sagt Maassen. Die Treppenhäuser sollen erhalten bleiben, und an der Gebäuderückseite soll ein Personenaufzug integriert werden. Wesentlich ist auch, dass die Anforderungen an den Brandschutz erfüllt werden konnten.

Entgegen der allgemeinen Annahme sei das Dach des Gebäudes noch weitgehend stabil, dennoch seien in den unteren Etagen inzwischen massive Gebäudeschäden sichtbar. Bestens erhalten seien dagegen sie Stahlträger in den Zwischendecken, so dass problemlos neue Betondecken eingezogen werden können, beurteilt der Architekt die Gesamtsituation.

Im Inneren des Gebäudes aber wird sichtbar, wie enorm hoch der Sanierungsbedarf ist. Teilweise sind Zwischendecken eingestürzt, und überall ragt faules Holz aus den Wänden. Von baulichen Aktivitäten am Gebäude ist bis auf einige Sicherungsarbeiten bislang nicht viel zu sehen. Dabei möchte Projektentwickler Crit Lambriex lieber heute als morgen mit der Beseitigung des Schandfleckes starten, aber eine entscheidende Hürde hat er noch nicht genommen.

„Die hiesigen Banken tun sich sehr schwer mit der Finanzierung“, sagt der 52-Jährige, der sich deshalb auch „etwas frustriert“ fühlt, weil die Geldgeber das Projekt so reserviert betrachten. Die Stadtverwaltung, sagt Lambriex, stehe dem Projekt „sehr positiv“ gegenüber, aber ohne die Banken sei er handlungsunfähig. Die Konzeption des Investors sieht vor, dass sich das Projekt durch den Verkauf der Eigentumswohnungen selbst finanziert. Außerdem könnten die Eigentümer von den finanziellen Vorteilen durch die Denkmalpflege profitieren.

Lambriex kalkuliert pro Wohnung, die zwischen 50 und 70 Quadratmeter groß werden und sich am Zuschnitt der bisherigen Klassenräume orientieren, mit einem Verkaufspreis von rund 100.000 Euro. An Interessenten mangele es nicht. „Ich habe bereits mehrere ernsthafte Anfragen vorliegen“, sagt Lambriex, der inzwischen in der Monschauer Altstadt wohnt. Mehrere vergleichbare Projekte hat der zielstrebige Investor bereits im Stadtgebiet umgesetzt, unter anderem die Umgestaltung des Elbershofes in der Eschbachstraße und den Umbau der Gaststätte Bauernstube zu Ferienwohnungen in Kalterherberg. In diesem Zusammenhang sei er auch auf die Schule im Rosenthal aufmerksam geworden.

Immerhin einen Arbeitstitel aber hat das neue Vorhaben bereits. Das künftige Wohngebäude soll „Vieille Ecole“ heißen und damit einen Bezug zu jener Zeit herstellen, als Monschau noch Montjoie hieß.

Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter begrüßt grundsätzlich die Initiative einer „Inwertsetzung“ des Gebäudes. Die „ambitionierte Planung in einer attraktiven Lage“ würde man seitens der Stadt sicherlich „positiv begleiten“. Auch Monschaus Ortsvorsteher Georg Kaulen, der selbst noch als Schüler im Rosenthal unterrichtet wurde, sieht die neuen Pläne mit großem Interesse. Vielen Monschauern „blutet das Herz“, wenn sie das Gebäude in seinem jetzigen Zustand sehen, daher würde er auch aus städtebaulicher Sicht eine Folgenutzung begrüßen. „Da hängen schon viele Emotionen dran.“

(P.St.)
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