Kommentar zu den Verkehrsunfällen : Tragische Häufung

Kommentar zu den Verkehrsunfällen : Tragische Häufung

Als ich in das Alter kam, mich für Autos zu interessieren, mit 15 oder 16 Jahren, fragte ich einen Porsche-Fahrer wie das denn sei, mit 250 Kilometern pro Stunde durch die Gegend zu brausen. Ich erhielt eine unerwartete Antwort: „Gefährlich.“

Dann rechnete der Mann mir vor, wie wenig Zeit ihm bei dem Tempo bleibe, wenn 100 Meter vor ihm jemand unerwartet bremsen müsste. Ehe Sie nachrechnen: Knapp 70 Meter legt ein Auto bei der Geschwindigkeit pro Sekunde zurück. Nun sind wir nicht im Mathe-Unterricht, aber manchmal hilft es, sich zu vergegenwärtigen, welche Energie in einem Auto steckt.

Es muss gar kein Porsche sein. Viel zu häufig ist diese Energie nicht mehr zu kontrollieren. Genau das war wohl die Botschaft, die der Mann mir damals mit auf den Weg geben wollte.

Acht Menschen sind seit dem 21. Dezember durch Unfälle auf den Straßen unserer Region gestorben: fünf bei dem schrecklichen Unfall in Stolberg kurz vor Weihnachten, ein 33-jähriger Familienvater in der Eifel bei Imgenbroich, ein weiterer Mann auf der A4 bei Merzenich und gestern das achte Opfer in Folge des tragischen Zusammenstoßes in Alsdorf am Donnerstagabend.

Nur bei dem Unfall auf der Autobahn steht die Ursache nicht fest, in den drei anderen Fällen schon: unangepasste Fahrweise, zu hohe Geschwindigkeit. Das heißt: Sieben Menschen – darunter junge Leute und eine Mutter mit ihren beiden Kindern – könnten noch am Leben sein.

Wir haben am 23. Dezember in der Redaktion lange darüber diskutiert, wie wir mit dem tragischen Unfall in Stolberg umgehen. Es gehört zu unserer Arbeit, über solch tragische Ereignisse zu berichten – auch in der Ausgabe von Heiligabend. Binnen kurzer Zeit sind nun drei weitere Unfälle geschehen. Gestern hat die Polizei zudem erläutert, wie der Unfall in Stolberg abgelaufen ist. Die Häufung kommt uns tragisch vor.

Dieser Text soll deshalb zwei Botschaften haben: Den Hinterbliebenen, Familien und Freunden der acht Opfer ist alle Kraft der Welt zu wünschen, ihren tragischen Verlust zu bewältigen. Die zweite geht an uns alle, die wir auf den Straßen der Region unterwegs sind. Lassen Sie uns gelassener werden!

Der Eindruck ist subjektiv, aber mir scheint, dass es auf den Straßen rauer zugeht als früher. Hand aufs Herz: Wer kann garantieren, dass er mit seiner Fahrweise andere Verkehrsteilnehmer nicht schon bedrängt hat, wenn er es mal eilig hatte? Und das für einen Zeitgewinn von ein paar Sekunden zwischen Haustür und Büro oder auf dem Weg zum nächsten Termin.