Theater Pathologie in der Stadtkirche in Monschau

Kirche und Kultur : Stadtkirche wird zur Kulturkirche

Die evangelische Stadtkirche in Monschau wurde am Freitagabend zur „Kulturkirche“. Dieses Projekt wurde von den Pfarrern Erik Schumacher (Evangelische Trinitatus-Kirchengemeinde Schleidener Tal) und Jens-Peter Bentzin von der Evangelischen Kirchengemeinde Monschauer Land ins Leben gerufen.

„Wir wollen über Gemeindegrenzen hinweg kooperieren“, sagt Pfarrer Bentzin, „und wir sind der Meinung, dass wir der Öffentlichkeit mehr Zugang zu den Kirchenräumen schaffen sollten und damit einen Dialog zwischen Kirche und Kultur fördern können.“

Mit den ersten Veranstaltungen im August und September wurden die Kirchen zu „Konzert-Locations“, es gab irische Musik und eine Hommage an Udo Jürgens – zwei gut besuchte Abende. Und nun war am Freitagabend das Theater „Pathologie“ aus Bonn zu Gast in der Stadtkirche mit seiner Revue „Rhein, Weib und Gesang“.

Das „Weib“ war Maren Pfeiffer, der Rhein wurde von der Quelle bis zur Mündung beschrieben und besungen von Martin-Maria Vogel, und Michael Policnik spielte dazu Akkordeon. „Warum ist es am Rhein so schön?“ erklang zu Beginn, als die Drei die „Bühne“ betraten. Der Altar war mit Vorhängen und einer vereinfachten Karte des Rheins abgeschirmt worden, mit Lichteffekten wurde das muntere, oft temporeiche Geschehen untermalt.

Die neugierigen – allerdings spärlichen – Zuschauer ließen sich auf eine Reise am Vater Rhein entlang ein, vom Bodensee bis zur Nordsee, auf einen Heimatkundeunterricht, gespickt mit Vorträgen von Gedichten und Liedern. Man durfte mitsingen – es lagen Liedzettel bereit - beispielsweise „Wenn das Wasser im Rhein gold‘ner Wein wär“ oder „Einmal am Rhein“. Aber verstört wurde man, wenn dazwischen Zeilen aus „Die Wacht am Rhein“ vorgetragen wurden – mit schnarrender Stimme, kalt und militärisch. Auch tauchte ein Namensschild „Adolf“ auf. Dann gab es wieder etwas zum Schunkeln, und die Zuschauer bekamen sogar ein hochprozentiges Tröpfchen angeboten.

Als Martin-Maria Vogel die Mireille Mathieu gab und schmachtend „Martin“ sang, bekam er viel Beifall; auch Maren Pfeiffer erntete Staunen und viele Lacher mit ihrem Vortrag „Fisches Nachtgesang“, welcher völlig stumm war. „Ich möcht zo fooß noh Kölle jon“ wurde wieder herzhaft mitgesungen. Doch dann bekam man ein Gedicht aus dem Jahr 1963 zu hören, da ging es um Fische, die im dreckigen Rhein verenden. Allmählich fragte man sich: Wollen die uns die ganze Rheinromantik verderben? Die Drei ließen nichts aus in ihrer Revue, weder die Loreley mit ihrem güldenen Haar, die einem Schiffer den Tod brachte, noch Ludwig Uhlands drei Burschen, die über den Rhein zogen, aber eine soeben verstorbene Maid vorfanden. Es wurde deutlich, wie der wunderschöne deutsche Rhein stets herhalten musste für Lustiges und Tragisches, für Stimmungs- und Trinklieder und für volkstümliche Schwärmereien – augenzwinkernd dargebracht, sehr musikalisch. Man amüsierte sich, aber man fühlte auch eine gewisse Verfremdung.

„Ich fand es total lustig“, meinte eine Zuschauerin beim Hinausgehen; sie hatte das Rezept vom Rheinkarpfen besonders vergnüglich gefunden, da musste man während der Zubereitung viel trinken.

(ale)
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