Talsperre fit machen für trockene Sommer

Zukunftsfähige Wasserversorgung : Wie eine Talsperre fit für trockene Sommer gemacht werden soll

Regen bringt Segen. Das gilt auch für die Perlenbachtalsperre, die inzwischen wieder randvoll ist. Das sah vor drei Wochen noch ganz anders aus.

Da hatte die auch im September noch anhaltende Trockenheit dafür gesorgt, dass der Stauinhalt des rund 800.000 Kubikmeter fassenden Trinkwasserspeichers auf unter 200.000 Kubikmeter gesunken war. Hier liegt die Schmerzgrenze. So musste also auch im Jahr 2019 erneut die Notwasserleitung von der Roetgener Dreilägerbachtalsperre aus aktiviert werden, um die Versorgungssicherheit für die rund 50.000 Kunden des Wasserwerks Perlenbach zu gewährleisten.

Etwa einen Monat lang, bis zum 6. Oktober, wurde stufenweise Trinkwasser von der Wassergewinnungs- und Aufbereitungsgesellschaft Nordeifel (WAG) zur Perlenbachtalsperre geliefert. Die 6,8 Kilometer lange Leitung, die die Trinkwasseraufbereitungsanlage der WAG in Roetgen quer durch den Roetgener Wald bei Lammersdorf mit dem Netz des Perlenbachverbandes verbindet, wurde nach dem Fast-Trockenfall der Talsperre im Jahr 1999 errichtet und im Jahrhundertsommer 2003 dann erstmals in Betrieb genommen.

Nachdem nun das zweite Trockenjahr in Folge dafür sorgte, dass das Wasserwerk Perlenbach 2018 und 2019 auf Zuschusswasser aus der Nachbartalsperre angewiesen war, beschäftigt die Thematik nun verstärkt die Verbandsgremien, denn die temporäre Nutzung der Notwasserleitung ist mit hohen Kosten verbunden.

100.000 Euro waren es in diesem Jahr, 300.000 Euro im vorigen Jahr, die man vertragsgemäß als Bezugskosten an das benachbarte Wasserwerk entrichten musste. Der erhöhte Wasserverkauf als Folge des heißen Sommers konnte die Verluste bei weiten nicht aufwiegen. Der Simmerather Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns in seiner Funktion als Verbandsvorsteher des Wasserversorgungszweckverbandes Perlenbach konkretisierte jetzt in der Sitzung des Betriebsausschusses Überlegungen wie die Strategie zum Betrieb der Talsperre in den kommenden Jahren aussehen könnte.

Eine anschauliche Statistik der Werksleitung zu den Schwankungen des Talsperreninhalts in den Jahren 2018 und 2019 machte die gesamte Problematik des kleinen Staubeckens deutlich. Fast drei Monate lang, bis in den November hinein, war im vorigen Jahr die Notwasserleitung in Betrieb.

Dass sich dieses Szenario 2019 nicht wiederholte, ist allein den ergiebigen Regenfälle in der zweiten Oktoberwoche verdanken, die den Pegel der Talsperre innerhalb weniger Tage laut Betriebsleiter Derk Buchsteiner „pfeilschnell“ ansteigen ließ. Einem Antrag des Verbandes, die Pflichtwasserabgabe in den Perlenbach vorübergehend zu halbieren, habe die Bezirksregierung zuvor nicht zugestimmt, da man wegen der Möglichkeit des Wasserbezugs aus Roetgen dort die Notlage noch nicht als dramatisch eingestuft habe.

Als Reaktion auf die ausbleibenden Sommerniederschläge in den zurückliegenden beiden Jahren habe man nun ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Talsperre zukunftsfähig aufzustellen, berichtete Buchsteiner. Es sollen Möglichkeiten dargestellt werden, wie der Talsperrenbetrieb konstanter und unabhängiger gestaltet werden könnte.

Karl-Heinz Hermanns betonte, dass die Versorgungssicherheit der Bevölkerung nicht in Gefahr sei, mehr Sorgen bereite dem Verband die Problematik des langfristigen Wasserbezugs von der WAG und die verbundenen finanziellen Belastungen. Ziel einer neuen Konzeption müsse sein, „wie die Talsperre auch bei extremen Wetterlagen autonomer werden kann“.

Eine aktuelle Grafik des Wasserwerks Perlenbach macht auf dramatische Weise deutlich, welchen extremen Pegelschwankungen der Trinkwasser-Stausee in Trockenphasen ausgesetzt ist. Foto: grafik

Gregor Mathar, SPD-Ratsherr aus Monschau, wies darauf hin, dass Sedimentablagerungen über Jahre hinweg das Stauvolumen der Talsperre verringert hätten. Seit Bestehen der 1956 in Betrieb genommenen Talsperre sei das Staubecken noch nicht von Sediment geräumt worden, sagte Derk Buchsteiner. Messungen per Echolot hätten ergeben, dass sich inzwischen rund 120.000 Kubikmeter Sediment im Talsperrenbett abgelagert hätten.

Würde das Sediment entfernt, könnte in kritischen Trockenphasen die Versorgung ohne Aktivierung der Notleitung zwischen 15 und 20 Tage länger aufrecht erhalten werden. So wird auch die Sediment-Problematik Teil des Gutachtens sein, dessen Ergebnisse Anfang 2020 vorgestellt werden sollen.

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