Nordeifel: Sucht besiegt: Die Eifel hat ihm das Leben gerettet

Nordeifel: Sucht besiegt: Die Eifel hat ihm das Leben gerettet

Es war ein Leben auf der Überholspur. Im Dauer-Rausch von Alkohol, Kokain und Promi-Parties taumelte Bernd Thränhardt viele Jahre durchs Leben - bis er ganz unten landete. Dabei stand dem erfolgreichen Filmemacher die Welt eigentlich offen: Er begleitete den Ex-Tennis-Star Boris Becker ein Jahr lang rund um den Globus und unterhielt Kontakte in die bedeutenden Schichten der Gesellschaft.

Der Bruder des bekannten Hochspringers landet zur Entgiftung schließlich in einer Privatklinik. Er beginnt sein Leben zu verändern. Jahre später schreibt er ein Buch über seinen Weg aus der Sucht. Heute moderiert er Selbsthilfegruppen in Köln und gibt seine Erfahrungen an Betroffene weiter. Sein Buch „Ausgesoffen“ ist ehrlich, offen und schonungslos und handelt über Größenwahn, Versagensängste und kaputte Beziehungen.

Die Familie Thränhardt zog 1972 in die Eifel. Für Bernd Thränhardt (57) hat sich der Kreis inzwischen geschlossen. Seit 2001 wohnt er wieder in Rollesbroich. „Die Eifel hat mir das Leben gerettet“, sagt er heute, denn nachdem die Alkoholsucht total von ihm Besitz ergriffen hatte („Jede Nervenzelle schreit nach Alkohol“, schreibt er in seinem Besuch) findet er nach ausschweifenden Jahren Zuflucht in seinem Elternhaus.

Er sei „demütig“ geworden, erzählt Bernd Thränhardt. Das High-Speed-Leben mit durchfeierten Nächten und mehreren Rückfällen in die Sucht existiert für ihn nicht mehr. Man staunt ein wenig, wenn Bernd Thränhardt heute sagt, dass er das „wahre Glücksgefühl“ erst viel später, „inmitten der Eifeler Natur“, kennengelernt hat. Er hat seine Leben komplett geändert.

Seit 12 Jahren ist Bernd Thränhardt jetzt trocken (jeweils am 10. November jährt sich für ihn der Ausstieg).

Inzwischen arbeitet er als Suchtberater, Therapeut und Coach für Alkoholabhängige. Sein Buch Ausgesoffen“ hat ihm eine enorme Resonanz eingebracht, wohl auch weil das Magazin „Stern“ ihm im Frühjahr 2013 die Titelgeschichte widmete. Es kletterte sogar kurzfristig auf Platz zwei der deutschen Bestsellerliste. Es folgten Lesungen in ganz Deutschland, erstaunlicherweise noch nicht in seiner Heimatregion.

Der Leser leidet fast mit, wenn er den nach außen selbstbewusst auftretenden Macher, aber letztlich in seiner Abhängigkeit vereinsamten Hauptdarsteller auf seinem zwanghaften Weg in die Sucht begleitet. Irgendwann erkannte Bernd Thränhardt, dass aus Alkoholmissbrauch Sucht geworden: „Ich musste trinken, obwohl ich nicht wollte.“ Thränhardt ist als Autor, der nicht von außen auf das Thema Sucht blickt sondern aus eigenem Erleben knallhart alle Qualen schildert, im Moment viel unterwegs. „Der Weg aus der Sucht ist zu schaffen“, ist das mutmachende Fazit.

Dass er in seiner Lebensbeichte auch genussvoll ausbreitet, wie lustvoll es sich es sich feinen Gesellschaft leben lässt, bedient zwar einen gewissen Voyeurismus, entlarvt aber andererseits aber auch die Scheinwelt des Glamours.

Dieser Welt aber hat er inzwischen den Rücken gekehrt. Er redet viel lieber von seiner Tätigkeit in der Gruppe: „Es ist für mich sehr sinnstiftend, wenn man Menschen helfen kann, ihr Leben neu zu ordnen.“

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