Studenten aus Köln nehmen Wiesengrundstück in Simmerath unter die Lupe

Quellgebiet des Kranzbaches? : Spannende Suche unter der Grasnarbe

Weder eine römische Wasserleitung noch die Überreste eines gallischen Dorfes wurden im Erdreich vermutet, aber für die Wissenschaftler und Mitarbeiter des Archäologischen Instituts der Uni Köln muss es nicht immer die Erwartung an eine spektakuläre Entdeckung sein, die sie bewegt, eine für den Außenstehenden vollkommen unscheinbare Fläche im Gelände genau unter die Lupe nehmen.

Das war jetzt der Fall, als rund ein Dutzend Teilnehmer des geophysikalischen Kurses des Archäologischen Institutes der Uni Köln für zwei Tage in Simmerath Station machte und eine Wiesenfläche am Ortsrand gegenüber der Leitstelle der Städteregion im Kranzbruch untersuchte. Hier, direkt an der schnurgeraden Landstraße in Richtung Am Gericht ist auf der linken Seite in der Regel nur Weidevieh unterwegs, jetzt aber sah man plötzlich mehrere fast futuristisch wirkende Geräte, die die winterfest eingepackten Studenten im Zeitlupentempo über das Grünland im Meisenbruch bewegten.

Jeder Quadratzentimeter der 90 mal 60 Meter großen Wiesenparzelle wurde über einen Zeitraum von insgesamt zwölf Stunden detailliert untersucht; der Eigentümer hatte sein Einverständnis gegeben, und auch das Amt für Denkmalpflege war informiert worden. Das Wiesengrundstück grenzt unmittelbar an das neue Plangebiet für die bauliche Erschließung im Meisenbruch, ist aber selbst nicht Teil des Bebauungsplans.

Was aber nun macht ausgerechnet diese belanglos wirkende Wiese am Straßenrand interessant für einen Ärchäologen? Manuela Broich-Höhner, Leiterin des Geo-Physik-Teams am Kölner Institut, äußert die Vermutung, dass sich auf der untersuchten Parzelle das Quellgebiet des Kranzbaches befinden könnte. Eine dauerhaft vernässte Stelle auf der Wiese weise dem äußeren Anschein auch darauf hin, das aber sei aus wissenschaftlicher Sicht noch lange kein Beweis.

Die Simmerather Hobby-Archäologin Resi Röder hatte den Stein ins Rollen gebracht. Ihr Interesse gilt schon seit vielen Jahren den Spuren der Vergangenheit in ihrer Heimat. In diesem Zusammenhang galt ihr Augenmerk auch immer wieder jener Wiese unweit ihres Wohnhauses. „Wegen des ständigen Wasservorkommens habe ich vermutet, dass sich hier eine Quelle befinden muss“, erzählt Resi Röder. Dank ihrer Beharrlichkeit konnte sie nach einer gemeinsamen Vorbesichtigung in der Tat das Archäologische Institut der Uni Köln in die Nordeifel locken.

Die Kosten für die zweitägige Untersuchung trug die Uni, weil die Maßnahme ins studentische Kursprogramm aufgenommen wurde, während Resi Röder die Kosten für die Beköstigung der Gruppe in der Jugendherberge Monschau-Hargard übernahm.

Dann konnte es losgehen: Die Parzelle wurde in kleine Planquadrate gegliedert und Stück für Stück erfasst. Dazu bediente sich das Team dreier verschiedener Messmethoden, der Geo-Magnetik, der Geo-Elektrik und des Geo-Radars. Diese Messreihen geben sichere Hinweise auf die Beschaffenheit des Erdreiches unter der Grasnarbe, da das Material je nach Festigkeit unterschiedlich hohe Widerstände auslöst. Die Kombination der Messergebnisse ermöglicht dann eine 3D-Darstellung der unsichtbaren Welt in einem bis drei Metern Tiefe unter der Erdoberfläche.

Am ersten Untersuchungstag zeichneten die Monitore noch keine aussagekräftigen Ergebnisse auf, „aber es bleibt spannend“, sagt Manuela Broich-Höhner. Selbst wenn sich am Ende nichts findet, sei der Aufwand nicht vergebens gewesen, betont die Leiterin des Geo-Physik-Teams. „Die Studenten haben bei dieser Maßnahme auf jeden Fall etwas gelernt“, fügt sie hinzu. Außerdem könne man im Vorhinein nie wissen, ob die angewandten Messmethoden überhaupt wirksam funktionierten, da der unterirdisch auftreffende Messwinkel eine entscheidende Rolle spiele.

Nicht immer sind auch die Untersuchungsergebnisse so aufsehenerregend wie kürzlich bei Bodenuntersuchungen des Archäologischen Institutes der Uni Köln am Haus Hohenbusch bei Erkelenz. Dort konnten zweifelsfrei ein ehemaliger Kreuzgang und eine historische Gartenanlage unter der Erde nachgewiesen werden. Die Wissenschaftler fertigten eine detailgenaue Zeichnung an, ließen aber ansonsten ihre Entdeckung tief im Boden weiter ruhen.

Aus archäologischer Sicht ist dieser Umgang mit historischer Bausubstanz völlig normal. „Im Boden ist ein solcher Fund einfach am sichersten aufgehoben“, betont Stephanie Braun, Grabungstechnikerin am Institut und ergänzt, dass die Sichtbarmachung von Überresten menschlicher Siedlungen nicht das oberste Ziel des Archäologen sei.

Nach Abschluss der zweitägigen Bodenuntersuchung in Simmerath ist Resi Röder nun natürlich gespannt auf das Ergebnis. Die Auswertung der Messreihe wird aber noch eine Zeitlang dauern, ehe man belastbare Ergebnisse vorlegen kann. Immerhin habe sie vom Archäologie-Team aber bereits erfahren, „dass sich die Exkursion nach Simmerath gelohnt hat und etwas gefunden wurde“.

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